#kurzerklärt Wie mächtig ist Google?

Stand: 04.09.2018 09:36 Uhr

Die meisten Suchanfragen im Internet laufen über Google. Doch der US-Konzern ist weit mehr als eine Suchmaschine. Google prägt unser digitales Leben und verdient damit viel Geld.

Von Kristin Becker, SWR

Googles Geschäft geht weit über die bekannte Suchmaschine hinaus. Zum Unternehmen gehören jede Menge Onlinedienste: etwa für Emails oder zur Navigation. Wer mit dem Browser Chrome surft, surft mit Google. Seit 2006 ist die Videoplattform Youtube Teil des US-Internetkonzerns, der inzwischen auch Handys verkauft. Vor allem aber hat er bei den Betriebssystemen für mobile Geräte die Nase vorn: Auf 85,9 Prozent der Smartphones, die 2017 weltweit verkauft wurden, läuft Googles Betriebssystem Android. So hat es das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen Gartner errechnet. 

#kurzerklärt: Wie mächtig ist Google?
21.08.2018, Kristin Becker, SWR

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Dienste gegen Daten

Die meisten Angebote von Google sind für Internetnutzer kostenlos, sie "bezahlen" mit ihren Daten. Und Google erfasst viele davon, wie man in der Datenschutzerklärung nachlesen kann, zum Beispiel Standortdaten, Profildaten, die Suchhistorie, den Emailverkehr, Browserverläufe, welche Videos man angesehen hat, Informationen über genutzte Geräte, Sensordaten, IP-Adressen, Systemaktivitäten, Geräteeinstellungen, eindeutige Kennungen, App-Installationen, Browserinformationen, das benutzte Betriebssystem, Absturzberichte, Informationen zum Mobilfunknetz, den Namen des Mobilfunkanbieters, Bewegungsprofile, Handynummern, Kaufaktivitäten, Sprach- und Audiodaten und vieles mehr.

Google verweist auf ARD-Anfrage darauf, dass Nutzer selbst entscheiden könnten, "welche Art von Daten wir erfassen und verwenden dürfen". Außerdem sei es über das Google-Konto möglich, "schnell auf nutzerfreundliche Tools" zuzugreifen und die Einstellungen der "Privatsphäre und Sicherheit" anzupassen. Unklar bleibt allerdings, welche Daten dennoch grundsätzlich erhoben werden.

Netzaktivisten und Datenschützer sehen die Datensammelei von Google kritisch. Auch weil der Internetriese nicht nur über die eigenen Seiten und Apps Informationen erfasst, sondern auch über andere Webseiten. Denn viele Betreiber setzen im Hintergrund Google-Dienste ein - etwa um Werbung auf ihrer Seite zu platzieren oder Nutzerströme zu analysieren.

Mit den umfangreichen Daten kann Google seine Angebote optimieren. Die Ergebnisse der Suchmaschine gelten als besonders treffsicher. Auch die Videoplattform Youtube kann dem jeweiligen Zuschauer so passgenau Vorschläge machen. Vor allem aber kann Google dem einzelnen Internetnutzer gezielt Werbung anzeigen und damit viel Geld verdienen. Fast 95 Milliarden Euro Umsatz hat Googles Muttergesellschaft Alphabet 2017 gemacht überwiegend mit Google-Produkten. Alphabet gehört zu den wertvollsten börsennotierten Firmen der Welt.

 EU-Kommission versus Google

Immer wieder gibt es Vorwürfe, Google missbrauche seine Marktmacht - etwa beim Betriebssystem Android. Unter anderem soll Google Smartphonehersteller gezwungen haben, gleich mehrere Apps des Konzerns zu installieren, selbst wenn die Hersteller vielleicht nur eine einzelne Google-App für ihr Android-Gerät wollten. Deshalb hat die EU-Kommission kürzlich eine Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro gegen Google verhängt.

Schon 2017 haben die europäischen Wettbewerbshüter Google ein hohes Bußgeld von 2,4 Milliarden Euro wegen Wettbewerbsverzerrung bei Preisvergleichsdiensten aufgebrummt. Der Konzern hat dagegen beim Gericht der Europäischen Union Einspruch eingelegt. Darüber hinaus untersucht die EU-Kommission derzeit, ob Google bei bestimmten Formen der Suchmaschinenwerbung gegen europäisches Kartellrecht verstoßen hat.

Kritik gibt es zudem daran, dass US-amerikanische Technologie-Konzerne wie Google, Amazon, Facebook und Co. in Europa kaum Steuern zahlen. Durch Steuertricks sollen sie in Europa jährlich Milliarden sparen. Deshalb diskutieren die EU-Finanzminister seit einiger Zeit, wie man Digitalunternehmen besser zur Kasse bitten kann.

Zensur und Transparenz

Auch beim Thema Meinungsfreiheit ist Googles Rolle zum Teil umstritten. Je nach Land filtert Google, was angezeigt wird und macht nur das auffindbar, was den jeweiligen nationalen Gesetzen entspricht. Etwa in Thailand - dort werden beispielsweise Inhalte ausgeblendet, die den König beleidigen. In China hatte Google bis 2010 seine Suchergebnisse zensiert, sich dann jedoch geweigert. Seitdem ist die Suchmaschine in weiten Teilen des Landes gesperrt. Marktführer ist dort der chinesische Anbieter Baidu. Medienberichten zufolge überlegt Google derzeit aber, wieder in den Markt einzusteigen mit einer systemkonformen Internetsuche.

Seit 2010 veröffentlicht Google einen Transparenzbericht. Dieser gibt einen Überblick zu staatlichen und privaten Anfragen an Google, was Löschungen und die Herausgabe von Daten betrifft. Demnach haben Behörden und Gerichte 2017 weltweit für fast 300.000 Inhalte Löschanträge bei Google gestellt - also zum Beispiel für Videos, Blogposts oder Suchergebnisse. Am häufigsten betroffen war Youtube. In Deutschland ging es dabei meistens um Verleumdung, Daten- oder Jugendschutz. In mehr als 70 Prozent der beanstandeten Fälle hat Google 2017 Links oder Videos entfernt oder den Zugriff darauf für deutsche Nutzer eingeschränkt.

Auch Privatpersonen können Einträge löschen lassen. 2014 hatte der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass Suchmaschinen Links entfernen müssen, die "unangemessen, irrelevant, nicht mehr relevant oder übertrieben" sind. Um das "Recht auf Vergessenwerden" umzusetzen, hat Google seitdem etwa eine Million Einträge aus seinem Suchindex entfernt. Allerdings gilt das nur innerhalb der EU: Nutzer in den USA oder Japan sehen die Links weiterhin.

Behördenanfragen

Was Nutzerdaten angeht, hat Google laut Transparenzbericht in den vergangenen Jahren bei mehr als 65 Prozent der Behördenanfragen Informationen herausgegeben. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Ländern: In Deutschland hat der Internetriese 2017 in 57 Prozent der Fälle Daten vorgelegt, in den USA lag die Quote bei mehr als 80 Prozent.

Vor allem aber nutzt das Datensammeln dem Unternehmen selbst. Googles Mutterkonzern Alphabet hat noch andere Geschäftsbereiche - wie autonomes Fahren, Medizintechnologie oder vernetzte Haushaltsgeräte - und kann wohl auch dafür umfangreiche Datensätze über menschliches Verhalten und Techniknutzung gut gebrauchen.

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