Helfer verteilen vor Erdogan-Demo in Köln deutsche und türkische Flaggen | Bildquelle: dpa

Einstellung von Deutschtürken Zwei Drittel für Erdogan?

Stand: 25.06.2018 14:30 Uhr

Zwei von drei Deutschtürken sind für Erdogan, melden Medien. Diese Zahl bezieht sich allerdings nur auf jene mit Wahlrecht in der Türkei, die zudem abgestimmt haben. Umfragen kommen zu differenzierten Resultaten.

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Patrick Gensing, tagesschau.de

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

"Zwei Drittel der Deutschtürken für Erdogan": So oder ähnlich berichten derzeit viele Medien. Dabei lohnt sich ein genauerer Blick auf die Zahlen. Denn in Deutschland leben dem jüngsten Migrationsbericht zufolge insgesamt 2,8 Millionen Menschen, die entweder einen türkischen Pass haben oder deren Familien zumindest von dort stammen. 1,3 Millionen haben demnach eine "eigene Migrationserfahrung", 1,5 Millionen sind in Deutschland geboren.

Von diesen mehr als 2,8 Millionen Menschen waren 1,4 Millionen berechtigt, ihre Stimme bei der Türkei-Wahl abzugeben. Nach vorläufigen Angaben nahmen knapp 50 Prozent dieses Recht wahr. Und von diesen etwa 700.000 Personen haben demnach etwa 65 Prozent für Erdogan gestimmt. Das wären weniger als 500.000 Deutschtürken.

Die Aussage, zwei von drei Deutschtürken seien für Erdogan, kann also irreführend sein, wenn man dies auf alle bezieht - und nicht nur auf jene Wahlberechtigten, die auch tatsächlich abgestimmt haben. Klar ist aber auch: Die Zustimmung für Erdogan ist in dieser Gruppe deutlich höher als unter den Bürgern in der Türkei, die gewählt haben.

Erdogan laut Studie unbeliebt

Doch auch in Deutschland ist die Situation komplexer: Denn bei vielen Deutschtürken ist Erdogan offenbar keineswegs populär. In einer Befragung durch Forscher der Universitäten Köln und Duisburg-Essen nach der Bundestagswahl 2017 erreichte Erdogan weit schlechtere Werte als beispielsweise Kanzlerin Angela Merkel: Auf einer Skala von -5 bis 5 durften in Deutschland wahlberechtigte Türken verschiedene führende Politiker bewerten. Das Ergebnis: Nur AfD-Politiker Alexander Gauland ist demnach noch unbeliebter als der türkische Staatspräsident.

Besonders die Aleviten und Kurden bewerteten Erdogan sehr negativ (-4,3 und - 3,7), während er in der Gruppe der sonstigen Türkeistämmigen etwas besser, aber immer noch negativ bewertet wurde (-1,9).

Deutschtürken - Grund zum Feiern und Wunsch nach Veränderung
Morgenmagazin, 25.06.2018, Eva Macht, SWR

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SPD stärkste Partei

Bundesweit wählten der Studie zufolge 35 Prozent der Deutschtürken die SPD. 20 Prozent gaben ihre Stimme den Unionsparteien, 16 Prozent der Linkspartei und 13 Prozent den Grünen. Die FDP kam bei dieser Bevölkerungsgruppe auf nur vier Prozent, die AfD auf null.

Allerdings erreichte die nur in NRW angetretene Allianz Deutscher Demokratien (ADD) bei den befragten Deutschtürken bundesweit zwei Prozent der Stimmen. Betrachtet man nur die Befragten aus NRW, die tatsächlich eine Chance hatten die ADD zu wählen, so liegt dieser Anteil sogar bei zwölf Prozent. Der Partei wird eine Nähe zur Erdogan-Regierung nachgesagt.

Bei der Bundestagswahl waren nach Schätzung des Bundeswahlleiters rund 720.000 türkischstämmige Deutsche wahlberechtigt. Statistisch sei die Herkunft einzelner Wählergruppen für die Bundestagswahl allerdings schwer zu erfassen. Man gehe aber ungefähr von einer solchen Zahl aus.

Viele Deutschtürken gegen Verfassungsreform

2017 hatten nach den Berichten der türkischen Behörden 46 Prozent der türkischen Staatsbürger in Deutschland mit über die Verfassungsreform abgestimmt: 63 Prozent dieser Wähler stimmten für diese Reform. Bei denjenigen, die nur über die deutsche Staatsbürgerschaft verfügten, hätten der Umfrage zufolge lediglich 16 Prozent für die Verfassungsreform gestimmt. Und etwa 21 Prozent der Deutschtürken mit doppelter Staatsbürgerschaft stimmten demnach für Erdogans Verfassungsreform.

Eine Umfrage im Auftrag des NDR kam 2017 zu dem Ergebnis, dass 27 Prozent der Deutschtürken Erdogans Politik nach dem Putschversuch ablehnten, 29 Prozent stimmten zu, 17 Prozent äußerten sich neutral. Besonders viele Deutschtürken störten sich an der deutschen Kritik an Erdogan: 44 Prozent hielten diese nicht für gerechtfertigt. Die Umfrage kam zu dem Schluss: Mangelt es an Integration und Anerkennung, wächst die Zustimmung zu Erdogan - und umgekehrt. 

"Genauer hinschauen"

Charlotte Joppien vom Türkei-Europa-Zentrum der Universität Hamburg forderte bei tagesschau24, man müsste genauer hinschauen, warum viele Deutschtürken für Erdogan stimmten. Sie warnte zudem vor einer "allgemeinen Verteufelung".

Charlotte Joppien, Universität Hamburg, zu Erdogans Erfolg
tagesschau24 11:00 Uhr, 25.06.2018

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Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, wandte sich gegen eine pauschale Kritik an deutsch-türkischen Wählern der AKP und Erdogan. "Deutsche Politiker machen es sich zu leicht, wenn sie Erdogans Anhänger in Deutschland als Integrationsverweigerer abstempeln", sagte Sofuoglu den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Auch sollten diese nicht als Anti-Demokraten diffamiert werden.

Vielmehr sollten die Politiker in Deutschland "selbstkritisch nach ihrem eigenen Anteil daran fragen, dass eine seit Jahrzehnten in Deutschland lebende Gruppe im Staatschef eines anderen Landes ihren Anführer sieht", forderte Sofuoglu.

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