Twitternachrichten zur Attacke von Münster (Screenshot)

Attacke in Münster Gerüchte, Hass und Spekulationen

Stand: 07.04.2018 21:24 Uhr

Mehrfach hat die Polizei gebeten, keine Spekulationen über den Vorfall in Münster zu verbreiten. Vergebens. Hass, Gerüchte und Schuldzuweisungen ließen die Netzwerke heißlaufen.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Die ersten Meldungen aus Münster waren gerade etwa eine Stunde alt, Details waren kaum bekannt, da verbreitete die AfD-Politikerin Beatrix von Storch bereits ihre politische Botschaft: "Wir schaffen das", twitterte sie sarkastisch - als Anspielung auf die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel.

Viele Nutzer kritisierten die Politikerin dafür, es fehle ihr an Mitgefühl und Anstand, hieß es beispielsweise. Andere Nutzer pflichteten von Storch bei und spekulierten, in Münster seien es wohl kaum "die Russen" gewesen, sondern sicherlich sei ein Muslim der vermeintliche Täter.  Die Polizei Münster appellierte immer wieder, solche Spekulationen zu unterlassen.

Viele Nutzer teilten diese Aufrufe, andere kümmerten sich nicht darum: In Münster sei ein Moslem in eine Menschenmenge gefahren, aber das habe nichts mit dem Islam zu tun, schrieb einer. Und weiter: Der Islam sei "die Religion der Straßenverkehrsordnung". Ein anderer hetzte gegen Flüchtlingshelfer in Münster, die quasi mitverantwortlich für den vermeintlichen Anschlag seien. Markus Frohnmaier von der AfD witzelte, die "verrückte Bundesregierung" werde nach dem Vorfall in Münster bald PKW verbieten.

Ähnlich geschmacklos waren Tweets, in denen angebliche Täter benannt wurden. Ein Bernd M. behauptete, die dpa habe gemeldet, der Täter sei Mitglied der AfD. Andere teilten ein angebliches Bekennervideo oder angebliche Bilder des "Täters" oder behaupteten, es seien bereits zwei Täter festgenommen worden.

Für Unruhe sorgten Berichte, wonach die Polizei einen Sprengsatz in einem Laster bestätigt habe. Andere Quellen spekulierten zudem, es seien noch zwei Mittäter in der Stadt unterwegs.

Dramatische Folgen möglich

Solche Falschmeldungen und Spekulationen können dramatische Folgen haben - insbesondere in unübersichtlichen Situationen. Sie erschweren zum einen die Suche nach zuverlässigen Informationen. Zum anderen können durch Spekulationen und Falschmeldungen aber auch Emotionen geschürt werden: Angst und Wut bis hin zur Hysterie.

Wenn sich beispielsweise das Gerücht verbreitet, es gebe definitiv einen Sprengsatz und es seien Terroristen in Münster unterwegs, könnte dies sogar zu einer Massenpanik führen.

Verantwortung aller Nutzer

Nicht nur Medienmacher, auch Nutzer tragen in sozialen Netzwerken eine große Verantwortung - insbesondere bei Ereignissen wie in Münster. Daher ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und genau zu überlegen, welchen Informationen man vertraut. Dabei sollte man immer prüfen, ob die jeweilige Meldung eine Quelle für die Informationen nennt. Danach sollte man schauen, ob die angegebene Quelle tatsächlich diesen Sachverhalt berichtet - und ob diese vertrauenswürdig wirkt.

Zudem sollte man sich gerade in kritischen Situationen genau überlegen, ob es wirklich hilfreich ist, zu dem Ereignis zu twittern oder zu kommentieren. Auch wenn man der eigenen Angst und Trauer Ausdruck verleihen möchte, ist es sinnvoll, erst einmal auf gesicherte Informationen zu warten. Dies gilt noch mehr für das Verbreiten von Meldungen. Die Grundregel sollte immer heißen: Erst nachdenken, dann teilen.

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