Computer-Tastatur im Dunkeln | Bildquelle: picture alliance / Silas Stein/d

Daten im Netz veröffentlicht Wer steckt hinter der Attacke?

Stand: 04.01.2019 11:33 Uhr

Die Liste der vom Hackerangriff betroffenen Personen ist lang. Während die AfD verschont blieb, wurden Politiker, Künstler und Journalisten geschädigt, die oft von rechts attackiert werden.

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Patrick Gensing, tagesschau.de

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

In einem Adventskalender hat ein anonymer Twitter-Account täglich Daten von Politiker, Journalisten und Künstlern veröffentlicht. Im Netz wird dies Doxing genannt - das Zusammentragen und Veröffentlichen von personenbezogenen Daten, um die Betroffenen zu schädigen.

Böhmermann schon lange im Visier

Am 1. Dezember traf es den Satiriker Jan Böhmermann. Die unbekannten Urheber kommentierten ihre Veröffentlichung mit den Worten: "Das 1. Türchen geht an J. Böhmermann und an sein tolles Projekt "reconquista internet". Nette Sachen mit denen man Spaß haben kann."

Böhmermann hatte auf die Recherchen über das rechtsradikale Troll-Netzwerk "Reconquista Germanica" mit der Aktion "Reconquista Internet" reagiert. Ein Netzwerk gegen organisierten Hass sollte geschaffen werden, die Resonanz war enorm - ebenso die Reaktionen von rechten Trollen, die Böhmermann massiv attackierten.

"Keine neuen Daten"

Der Manager von Böhmermann reagierte auf die neue Veröffentlichung gelassen. Da sei nichts Neues dabei, was den Satiriker betreffe, sagte er auf Anfrage des ARD-faktenfinder. Die nun erneut verbreiteten Daten seien bereits zuvor von Unbekannten gestohlen und veröffentlicht worden. Nun seien allerdings weit mehr Personen geschädigt worden.

Betroffen von der Veröffentlichung sind auch Journalisten sowie neben Böhmermann weitere Satiriker von ARD und ZDF, von denen private Daten, Dokumente sowie Fotos verbreitet wurden. Von verschiedenen Mitarbeitern des öffentlich-rechtlichen Jugendangebots "Funk" veröffentlichten die Unbekannten ebenfalls private Daten - unter anderem mit Kommentaren wie "zu dieser Person braucht man nichts mehr zu sagen".

Beitrag über "Neue Rechte Welle"

Die Unbekannten machten auch interne Daten des "Funk"-Formats "Jäger & Sammler" bekannt. "Jäger & Sammler" beschreibt sich als "jung, neugierig und offensiv". Das Format äußere "sich meinungsstark zu gesellschaftlich relevanten Themen".

Dazu zählen bei "Jäger & Sammler" Fragen wie: Warum ist es so schwierig, Neonazi-Konzerte zu verbieten? Was ist das eigentlich für ein Bild, das Zeitschriften jungen Mädchen vermitteln? Oder auch: "Wie können wir Hass, Lügen und Hetze im Netz begegnen?" 2018 erhielt das Format für den Beitrag "Neue Rechte Welle" den Europäischen CIVIS Medienpreis. 

Der ebenfalls betroffene Journalist Rayk Anders steht ebenfalls seit Monaten im Visier von Rechtsradikalen. Er hatte eine Dokumentation über rechtsradikale Trolle im Netz veröffentlicht.

Attacke auf YouTuber

Betroffen von der Veröffentlichung sind aber nicht nur politisch engagierte Personen, sondern auch prominente YouTuber aus dem Gaming-Bereich. Darunter Simon Unge, der am Donnerstag berichtete, sein Twitter-Account sei gehackt worden.

Durch dieses Video scheint der bereits im Dezember veröffentlichte Datensatz erst größere Aufmerksamkeit bekommen zu haben. Unges Beitrag wurde innerhalb von wenigen Stunden mehr als 200.000 Mal aufgerufen.

"Das ist ja wie Weihnachten"

Die Unbekannten verbreiteten zudem Daten von Politikern aller im Bundestag vertretenen Parteien - bis auf die AfD. Eine Erklärung könnte sein, dass es sich teilweise um ältere Daten handelt. Doch es finden sich auch aktuelle Informationen von Politikern. Bei einem Video, das die Datensätze der CDU beschreibt, wurde als Startbild ein verfremdetes CDU-Logo benutzt, das an die türkische Flagge erinnert. Bei dem Datensatz zu der SPD ist von "Muselmanen" die Rede.

Noch sind die Hintergründe der aufwändigen Doxing-Aktion unklar, doch zumindest weist die Auswahl vieler attackierten Personen und Kommentare zu den Veröffentlichungen auf ein teilweise rechtes Motiv hin - und/oder auf Personen aus der Gaming-Community. Zudem erscheint es möglich, dass durch die zum Download bereitgestellten Datensätze weitere Schadsoftware und Viren verbreitet werden.

Twitter-Konto gesperrt

Der Account, der die gestohlenen Daten via Twitter zuerst zugänglich hat, ist mittlerweile gesperrt worden. Auch das Blog, das zu diesem Konto gehörte, ist nicht mehr online. Allerdings gibt es noch weitere Twitter-Konten, die auf die gestohlenen Datensätze verweisen.

Politiker aus Berlin und Brandenburg von Hackern angegriffen
Inforadio vom rbb
04.01.2019 13:49 Uhr

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