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faktenfinder-Tutorial Wie verifiziert man Videos im Netz?

Stand: 19.12.2018 08:03 Uhr

Die Verifikation von Fotos und Videos aus dem Netz wird im Journalismus immer wichtiger. Aber auch für Nutzer stellt sich die Frage: Ist das Material echt?

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Wolfgang Wichmann, tagesschau.de

Von Wolfgang Wichmann, ARD-faktenfinder

Die Verifikation von Videos und Bildern im Netz gehört heute zu den Alltagspflichten für Journalisten. Bei der Prüfung des Materials ist es sinnvoll, drei Aspekte zu betrachten: die Quelle des Materials, inhaltliche Details und wenn vorhanden - die sogenannten Metadaten.

1. Wer hat das Video veröffentlicht?

Es ist wichtig zu unterscheiden, ob ein Video auf einer Website veröffentlicht wurde oder in sozialen Medien. Profile in den Netzwerken wie Facebook, Twitter, Instagram oder YouTube geben zumeist Hinweise für weitere Recherchen: Von einem Profil mit einem bestimmten Nutzernamen gibt es oft weitere Konten in anderen sozialen Netzwerken.

Gute Indizien für einen regulär genutzten Account: Blauer Verifizierungshaken - seit Jahren online - viele Follower und viele Tweets

Bei Socialmedia-Profilen gilt dabei generell: Je älter ein Profil ist, umso größer ist die Chance, dass es von einer realen Person benutzt wird. Viele Follower, viele abgesetzte Tweets oder Posts, viele Kommentare bei anderen, viele Interaktionen und ein seriöses Profilbild sind ein Indiz dafür, dass es sich in der Tat um eine reale Person hinter einem Account handelt. Im Idealfall findet sich eine Möglichkeit, direkten Kontakt aufzunehmen.

Betreiber von Webseiten können in der Regel über das vorgeschriebene Impressum identifiziert werden. Allerdings bieten nicht alle ein Impressum. Details eines Domaininhabers konnten zudem zentral über eine Datenbankabfrage bei den Domainvergabestellen eingesehen werden. Seit Inkrafttreten der Europäischen Datenschutzgrundverordnung stehen diese Daten für Recherchen nicht mehr zur Verfügung.

2. Inhaltliche Verifikation

Fotos oder Videos zeigen fast immer weit mehr, als man auf den ersten Blick erkennt. Jeder Browser bietet die Option, ein Video Bild für Bild - also Frame für Frame - anzusehen. Auch scheinbare Nebensächlichkeiten sind oft wichtige Anhaltspunkte für die Verortung eines Fotos (Experten sprechen von Geolocation) oder die Verbindung zu einem bestimmten Ereignis.

Umgekehrte Bildersuche

Die Rückwärtsbildersuche ermöglicht eine einfache und schnelle Prüfung, ob ein Bild aktuell oder alt ist. Dabei wird ein Foto oder ein Screenshot eines Videos mit einer Fotodatenbank im Internet abgeglichen. Die Rückwärtssuche von Google bringt vor allem für den europäischen Raum hilfreiche Ergebnisse. Sie ist auch deshalb bequem, weil sich das Zeitfenster für eine Suche genau festlegen lässt.

Die Rückwärtsbildersuche bei Google lässt sich durch die Einstellung des Zeitraums bequem verfeinern.

Im Zweifel - und bei Inhalten mit außereuropäischem Bezug - sind Bildersuchen in anderen Datenbanken sinnvoll. Im Netz gibt es eine Vielzahl von Suchmaschinen und Tools, die eine Rückwärtsbildersuche für den Nutzer leichter machen. Empfehlenswert ist der "Fake Video News Debunker", der als Erweiterung für den Chrome-Browser heruntergeladen und installiert werden kann.

Details des Bildinhalts prüfen

Zusätzlich lohnt sich der genaue Blick auf Details: Wie sind die Licht- und Schattenverhältnisse, das Wetter, welchen Umriss haben Gebäude, sind Auto-Kennzeichen sichtbar oder Schriften im Bild? Im Idealfall gibt es Details, die sich mit Online-Datenbanken, Kartentools oder anderen Fotos und Videos vom selben Ereignis abgleichen lassen.

Häufig sind wichtige Details schwer als solche zu erkennen. Im Internet finden sich zahlreiche Tools, die bei der Verifikation helfen.

3. Technische Verifikation

Handy-Kameras speichern deutlich mehr Informationen in einer Fotodatei ab, als nur das Bild an sich. Eine Fotodatei enthält in der Regel die Auflösung oder den Typ der verwendeten Kamera - manchmal aber auch die exakte Uhrzeit, als die Aufnahme entstand - oder Geodaten. Diese Daten können durch Online-Tools ausgelesen werden.

Allerdings lassen sich Metadaten manipulieren. So können sie überschrieben oder auch entfernt werden. Zudem werden sämtliche Metadaten eines Fotos generell gelöscht, sobald es bei Twitter oder Facebook hochgeladen wird. Metadaten finden sich also in der Regel nur in Originaldaten.

Uploaddatum für Videos und Tweets

Um das Upload-Datum eines YouTube-Videos zu prüfen, bietet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International ein kostenfreies Werkzeug an: den Youtube-Dataviewer. Er zeigt an, an welchem Tag und um wieviel Uhr ein Video bei YouTube hochgeladen wurde.

Etwas komplizierter wird es, wenn man herausfinden möchte, wann beispielsweise ein Tweet, Facebook-Post oder Instragram-Beitrag veröffentlicht wurde. Doch über den "Zeitstempel" im sogenannten Unix-Format lässt sich diese Frage zweifelsfrei beantworten.

Forensische Fotoanalyse

Mögliche Anhaltspunkte für die Beurteilung eines Fotos finden sich eventuell in der Bildstruktur. Diese lässt sich mit einer forensischen Fotoanalyse überprüfen. Diese Option bietet neben dem "Fake Video News Debunker" auch die kostenfreie Webseite "Reveal Image Verification Assistant", die mit EU-Geldern entwickelt wurde.

Das Werkzeug prüft die Beschaffenheit eines Fotos und kann Manipulationen im Bild für den Nutzer sichtbar machen. Absolut eindeutig sind diese Ergebnisse allerdings selten. Sie können ein Ansatz für weitere Untersuchungen sein.

Fazit: Verifikation ist selten eindeutig

Die Verifikation von Bildmaterial ist komplex. Nur selten findet man binnen weniger Minuten eine eindeutige Antwort. Das Medienprojekt "First Draft News", das sich seit 2015 mit dem Thema Verifikation und Journalismus beschäftigt, hat eine Übersicht erstellt, wie die Ergebnisse der Verifikation von Videoinhalten bewertet werden kann.

In der Regel ist es die Kombination unterschiedlicher Informationen, die begründete Zweifel an einem Bildinhalt verstärken, minimieren oder ausräumen. Es empfiehlt sich bei der Verifikation von Inhalten aus dem Internet, immer einen Blick auf Kommentare und Antworten zu werfen. Nicht selten finden sich dort Hinweise darauf, ob es sich um eine Falschmeldung handelt oder wo sich weitere Recherchen lohnen könnten.

Die beste Verifikation bleibt aber das direkte Gespräch mit dem Urheber: Diesen zu finden und zu kontaktieren, bietet die besten Chancen für eine Verifikation.

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