Mit Plakaten werfen die "March for science"-Teilnehmer Trump Unverständnis für die Bedeutung der Wissenschaft vor. | Bildquelle: AFP

Wissenschaft in den USA Zensur und Selbstzensur

Stand: 05.02.2019 11:18 Uhr

Ausschluss von Entscheidungen, Zensur, Einschränkung von Studien - für US-Forscher hat sich unter Trump vieles verändert. Nun hoffen sie auf einen neuen Berater im Weißen Haus.

Von Sebastian Schreiber, ARD-Studio Washington

Sebastian Schreiber, HR

Schon seit Jahrzehnten setzt sich die "Union of Concerned Scientists" für die Belange von Wissenschaftlern in den USA ein. Das Fazit nach zwei Jahren Trump-Regierung fällt ernüchternd aus. Wissenschaftliche Erkenntnisse seien häufig ignoriert worden, sagt Forschungsdirektorin Gretchen Goldman in einem Podcast der Interessengruppe:

Früher haben wir manchmal beobachtet, dass es versteckte Versuche gab, den Forschungsprozess zu beeinflussen. Die Trump-Regierung dagegen stimmt häufig nicht mit der Wissenschaft überein. Das passiert offen und für alle sichtbar. Es wird nicht einmal versucht, so zu tun, als gehe man da einen angemessenen Weg.

In einem aktuellen Bericht dokumentiert die "Union of Concerned Scientists" insgesamt 80 Angriffe auf wissenschaftliche Prozesse in Regierungsorganisationen. Dazu zählen etwa die Umweltbehörde EPA oder die Wetterbehörde NOAA. In den vergangenen beiden Jahren seien Forscher etwa von der politischen Entscheidungsfindung ausgeschlossen, wissenschaftliche Texte zensiert und Studien eingeschränkt worden. 

Auch die Umweltbehörde EPA ist von Versuchen der Einflussnahme aus der Politik betroffen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse gegen Meinungen

Im Zentrum der Debatte über das Verhältnis Trumps zur Wissenschaft steht das Thema Klimawandel. Der US-Präsident stellt weiter in Frage, ob menschliches Handeln entscheidend zu der Erwärmung der Erde und dem Auftreten extremer Wetterphänomene beiträgt.

Das wisse man nicht, sagte Trump dem Sender CBS. Moderatorin Lesley Stahl hakte nach und sagte, es gebe sogar Wissenschaftler in der US-Regierung, die das belegten. Doch nein, sagte Trump, da gebe es auch andere Meinungen.

Anweisungen und Selbstzensur

Die "Union of Concerned Scientists" befragte Hunderte Mitarbeiter der Behörden, wie sich die skeptische Haltung der Trump-Regierung auf die wissenschaftliche Arbeit auswirkt. 

"Viele Wissenschaftler sagten uns, dass sie direkt angewiesen wurden, nicht an den klimarelevanten Themen zu arbeiten. Andere haben es nicht gemacht, weil sie Angst vor negativen Konsequenzen hatten", sagt Goldmann.

Auch die Mitarbeiter der Umweltbehörde waren vom Shutdown betroffen. Bei ihrer Rückkehr werden sie von Aktivisten begrüßt.

Hoffnung auf Berater im Weißen Haus

Fast zwei Jahre ließ Trump den Posten des wissenschaftlichen Beraters des Weißen Hauses unbesetzt. Seit wenigen Wochen macht diesen Job nun Kelvin Droegemeier. Er ist Meteorologe und ehemaliger Vizepräsident der Universität von Oklahoma.

Droegemeier beteuerte bei seiner Vorstellung im US-Senat, den Einfluss der Regierung auf die Wissenschaft abwenden zu wollen: "Forschung in seiner ethischen Form ist geprägt von Integrität und unabhängig von politischem Einfluss. Das ist zweifelsohne sehr wichtig. Wenn wir das aufgeben, dann zerfällt das Vertrauen in die Wissenschaft als Grundlage unserer Forschung."

Droegemeier wurde bei seiner Ernennung im US-Senat überparteilich unterstützt. Viele Forscher hoffen nun, dass es dem neuen wissenschaftlichen Berater gelingt, den Erkenntnissen der Wissenschaft im Weißen Haus künftig mehr Gewicht zu verleihen.

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