Logos verschiedener sozialer Netzwerke | Bildquelle: dpa

Social Bots im Wahlkampf Interaktiv, aber nicht intelligent

Stand: 28.04.2017 13:03 Uhr

Welche Rolle könnten Social Bots im Bundestagswahlkampf spielen? Politiker warnen vor dem Einsatz solcher automatisierten Programme. Experten mahnen hingegen, die Gefahr durch Bots nicht zu überschätzen.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Patrick Gensing Logo tagesschau.de
Patrick Gensing, tagesschau.de

Selbstverpflichtungen der Parteien, Gesetze, Kennzeichnungspflichten: Die Vorschläge aus der Politik, wie man mit dem Phänomen Social Bots im Internet umgehen solle, sind vielfältig. Experten mahnen allerdings, in der Diskussion zu differenzieren. So müsse man unterscheiden zwischen Bots, die für Service-Aufgaben eingesetzt werden sowie solchen, die Propaganda verbreiten oder politische Stimmungen verstärken sollen.

Mike Preuss und Christian Grimme forschen an der Universität Münster zu dem Thema. Grimme leitet seit Mitte 2016 das vom Bund geförderte Verbundprojekt "PropStop", welches sich mit der Identifikation und dem Nachweis von verdeckter Propaganda durch Social Bots beschäftigt. Die Wissenschaftler definieren Bots als voll- bis semi-automatische Programme, die in Online-Medien sozial (inter-)agieren – und zwar menschenähnlich. Der Einsatz könne auf der einen Seite nützlichen als auf der anderen Seite auch destruktiven Zwecken dienen.

Unterschied zwischen Service und Propaganda

Unbedenkliche und oft nützliche Anwendungen seien Service-Bots, die zur Beratung und Information dienen, erklärten die Wissenschaftler bei einem Vortrag auf dem "Frankfurter Tag des Online-Journalismus". Ein bekanntes Beispiel für diese Art von Bots ist Siri im iPhone. Die ARD bietet mit Novi ebenfalls einen Chatbot, der hilft, Nachrichten und Informationen zu finden. Andere Bots helfen, private oder geschäftliche Nutzerprofile zu pflegen. Dazu kommen Gaming-Bots.

Als problematisch bis gefährlich erachten die Forscher hingegen Spam- und Propaganda-Bots, die in sozialen Medien gezielt eingesetzt würden, um Gerüchte oder Verschwörungstheorien massenhaft und schnell zu verbreiten. Dadurch bestehe die Gefahr, dass bestimmte Meinungsbilder und Trends verstärkt werden. In Krisenzeiten können Social Bots so äußerst destruktiv wirken, indem sie falsche Informationen, oder Gerüchte teilen. Und sie können dazu beitragen, Verunsicherung bis auf die private Ebene zu schüren.

Simulation von Diskussionen

Social Bots, die entsprechend programmiert werden, könnten sogar eine gesellschaftliche  Diskussion simulieren. So reagierten beispielsweise Twitter-Bots auf bestimmte Begriffe oder Hashtags automatisch mit einem eigenen Tweet. Darauf antworten wiederum andere Bots mit vorgegebenen Phrasen. Die Roboter interagieren, eine Kommunikation zwischen realen Personen wird vorgetäuscht. Für Außenstehende wirkt es so, als tauschten sich hier Menschen über ein bestimmtes Thema aus. So können sogar Trends bei Twitter gesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund seien vor allem Journalisten gefragt, Trends im Netz nicht als repräsentativ zu verstehen. Wenn Medien ihre Themen nach der Stimmung in den Sozialen Netzwerken suchen oder gewichten, könnten Journalisten zum Werkzeug der Manipulation werden. Die Realität werde verzerrt.

Vor allem bei Twitter verbreitet

Theoretisch sei das Gefahrenpotenzial beachtlich, sagen die Forscher. Zudem seien Twitter-Bots sehr einfach zu programmieren. Allerdings gebe es auch Grenzen. So könnten Bots nur das leisten, was ihnen vorgegeben wird. Anhand der jeweiligen Twitter-Profile lassen sich Social Bots durchaus auch erkennen. Hinweise können extrem viele Tweets bei extrem wenig Followern sein. Man kann auch einen praktischen Test machen und prüfen, ob mutmaßliche Bots, die auf einen Tweet reagiert haben, bei einem ähnlichen Tweet ähnlich antworten. Zudem gibt es Instrumente, mit denen Accounts untersucht werden. Wieviele Bots es tatsächlich gebe, sei unklar. Die Forscher gehen aber davon aus, dass sie vor allem bei Twitter verbreitet sind.

‪#‎kurzerklärt: So tricksen Trump und Co im Online-Wahlkampf
nachtmagazin, 07.06.2016

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Die Wissenschaftler betonen aber, es sei wichtig, die Debatte über Social Bots differenziert zu führen und die Öffentlichkeit über die unterschiedlichen Bots zu informieren. So könnten Bots zwar interagieren, seien aber nicht intelligent. Ihr Einsatz habe also Grenzen. Die Forscher betonen daher, Aufklärung sei wichtig, denn Unwissenheit könne sonst Angst erzeugen. Und so könnte eine aufgeregte Debatte über Social Bots bereits denen in die Karten spielen, die Unsicherheit schüren wollen. So hatte beispielsweise die AfD allein mit der Ankündigung, man werde angeblich Social Bots in die Strategie für den Bundestagswahlkampf einbeziehen, für großes Aufsehen gesorgt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. April 2017 um 14:00 Uhr.

Darstellung: