Marine Le Pen bei ihrer Rede am 1. Mai | Bildquelle: AFP

Plagiatsvorwurf Le Pen klaut bei Fillon

Stand: 02.05.2017 12:35 Uhr

Die französische Präsidentschaftskandidatin Le Pen hat ihre Wahlkampfrede zum Maifeiertag in vielen Teilen nicht selbst geschrieben. Mindestens sechs Passagen stimmen mit einer Rede überein, die der konservative Kandidat Fillon gehalten hatte.

Von Nele Pasch, SWR

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Nele Pasch, SWR

Nach einer Rede der französischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen sind Plagiatsvorwürfe laut geworden. Le Pen verwendete Versatzstücke aus einer Rede des in der ersten Wahlrunde ausgeschiedenen konservativen Kandidaten Francois Fillon, die er am 15. April gehalten hatte.

In den betreffenden Textpassagen geht es vor allem um Frankreichs Rolle in der Welt und seine große Bedeutung - geografisch wie kulturell. Außerdem preisen beide die französische Sprache, mit der seit Generationen beispiellose Werte und Prinzipien vermittelt würden. Wenn es weltweit lange Wartelisten für Menschen, die Französisch lernen wollten, wenn Paris das beliebteste Touristenziel der Welt sei, dann deswegen, weil Frankreich weit mehr sei als eine industrielle, landwirtschaftliche oder militärische Kraft.

Abgeschrieben oder Zufall - hat Le Pen bei einer Rede von Fillon geklaut?
02.05.2017

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Beide zitieren Staatsmann Clemenceau

Le Pen sprach von "drei maritimen Grenzen" des Landes - eine Formulierung, die sich wortgleich in Fillons Rede findet. Zugleich nannte sie Italien "unsere Schwester" und bediente sich damit ebenfalls aus dem Repertoire Fillons.

Außerdem zitiert Le Pen genau wie Fillon in seiner Rede Georges Clemenceau, Staatsmann der Dritten Republik mit dem Zitat: "Jadis soldat de Dieu, aujourd’hui soldat de la liberté, la France sera toujours le soldat de l’idéal." Zu deutsch: "Einst war man ein Soldat Gottes, heute ein Soldat der Freiheit. Frankreich wird immer ein Soldat des Ideals sein."

Front National weist Vorwürfe zurück

Auf das Plagiat angesprochen, kommentierte der stellvertretende Vorsitzende des Front National, Florian Philippot, Le Pen habe "mit einem Augenzwinkern" eine "kurze rührende Passage" aus einer Rede über Frankreich und die französische Identität übernommen. Auch Le Pens Wahlkampfmanage David Rachline wies den Plagiatsvorwurf im französischen Frühstücksfernsehen zurück. Mit der Rede habe Le Pen ihrem ehemaligen Kontrahenten Fillon Anerkennung zollen wollen.

Am kommenden Sonntag wird in Frankreich gewählt. Le Pen tritt in der zweiten Runde gegen Emmanuel Macron an.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Mai 2017 um 13:08 Uhr

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