Analyse Ein Flugzeugträger auf Abwegen

Stand: 19.04.2017 15:06 Uhr

Ein Flugzeugträger als Drohmittel gegen Nordkoreas Regime: "Wir schicken eine Armada", sagte US-Präsident Trump. Doch ein Foto der US-Navy zeigte Tage später, der Flottenverband war ganz woanders. Wie kam es zu den falschen Berichten? Eine Analyse.

Von Wolfgang Wichmann, ARD-faktenfinder

Wolfgang Wichmann Logo tagesschau.de
Wolfgang Wichmann, tagesschau.de

Der Marine-Kampfverband um den Flugzeugträger "Carl Vinson" lässt die US-Regierung einmal mehr in schlechtem Licht dastehen. Sowohl US-Präsident Donald Trump, als auch Sprecher Sean Spicer wähnten den Verband am 11. April auf dem Weg nach Nordkorea. Doch wie ein Foto vom 15. April zeigt, war der Verband zu diesem Zeitpunkt mit anderen Aufgaben an ganz anderer Stelle unterwegs. Eine Übersicht darüber, wer was wann zu dem Flottenverband und dessen Position sagte.

8. April 2017

Der Flugzeuträger "USS Carl Vinson" verlässt den Hafen von Singapur planmäßig in Richtung Australien. Dort sollte der Flugzeugträger samt Flottenverband an einer monatelang geplanten Übung mit Schiffen der australischen Marine teilnehmen. Die "USS Carl Vinson" wird von einem Kampfflugzeug-Geschwader, zwei Lenkwaffenzerstörern und einem Kreuzer begleitet.

Flugzeugträger Carl Vinson

9. April 2017

Die Website der US-Navy veröffentlicht in einer kurzen Stellungnahme, dass der Flottenverband um den Flugzeugträger "Carl Vinson" Singapur am Vortag verlassen hat. Dazu wird gemeldet, dass Admiral Harry Harris, Kommandeur des US-Pazifik-Kommandos, den Verband angewiesen hat, nach Norden zu fahren um im westpazifischen Ozean Stellung zu beziehen. Wann das passieren soll, steht in dem kurzen Text nicht.

Der Sicherheitsberater von Trump, Herbert Raymond McMaster wird laut "New York Times" bei dem US-Sender Fox News wie folgt zitiert: Die Entsendung war ein "bedachter" Schritt, um dem Präsidenten "eine komplette Bandbreite von Optionen" zu geben, um die Bedrohungen durch den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-Un zu "beseitigen".

10. April 2017

Die US-Navy teilt auf ihrer Website mit, Navy-Admiral Harry B. Harris habe den Flottenverband am Vortag angewiesen nach Norden zu fahren um im Westpazifik Stellung zu beziehen. Der Verband werde im Westpazifik eingesetzt, entgegen zuvor geplanter Besuche in Australien.

Auf der Facebookseite des Flugzeugträgers wird veröffentlicht, dass der Verband sich von Singapur auf dem Weg nach Norden befinde, um im Westpazifik zu operieren - entgegen zuvor geplanter Besuche in Australien.

11. April 2017

US-Präsident Donald Trump twittert und droht Nordkorea.

In einem Pressebriefing im Weißen Haus spricht Sean Spicer vor Journalisten über das Drohpotenzial des Flottenverbandes um den Flugzeugträger "Carl Vinson". Dabei sagt Spicer, ein Flottenverband erfülle eine Reihe von Aufgaben: "Die frühzeitige Entsendung ist Abschreckung - bislang. Das ist umsichtig. Aber es bewirkt noch weiteres: Es stellt sicher, dass wir die strategischen Möglichkeiten haben und gibt dem Präsidenten Optionen in der Region."

US-Verteidigungsminister James Mattis spricht im US-Verteidigungsministerium Pentagon. Dabei teilt er mit, eine militärische Übung des Flottenverbandes "Carl Vinson" mit der australischen Marine sei abgesagt. "Wir mussten erklären, warum das Schiff nicht an der Übung teilnimmt", wird Mattis in der "New York Times" zitiert. Wie Recherchen der Zeitung ergaben, waren aber lediglich Besuche in Australien - nicht aber die Teilnahme an einer seit Monaten geplanten Militärübung mit dem australischen Militär abgesagt worden.

US-Präsident Trump sagt dem Sender FOX-News: "Wir schicken eine Armada. Sehr mächtig."

Diese Ankündigungen nährten weltweit die Sorgen, dass der Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm in eine militärische Konfrontation münden könnte. Die Regierung in Pjöngjang reagierte auf die US-Drohungen bislang unnachgiebig. Der nordkoreanische Vizebotschafter bei der UNO sagte zu Wochenbeginn, sein Land sei bereit, auf "jegliche Art von Krieg" seitens der USA zu reagieren.

12. April 2017

Auf der Facebookseite des Flugzeugträgers veröffentlicht der Kommandierende des Flottenverbandes, Konteradmiral Jim Kilby: "Wir haben die Anweisung erhalten im Seegebiet vor der koreanischen Halbinsel Präsenz zu zeigen, um Flexibilität, Leistungsvermögen und Verantwortung gegenüber unseren Partnern im Indo-Pazifischen Raum zu demonstrieren."

15.-17. April 2017

Die US-Navy veröffentlicht ein aktuelles Bild des Flugzeugträgers "Carl Vinson". Den Angaben zufolge entstand das Bild am 15. April 2017 und zeigt den Flugzeugträger in der Sundastraße zwischen Java und Sumatra.

Die "Carl Vinson" durchfährt die Sundastraße zwischen den indonesischen Inseln Java und Sumatra. Die US Marine veröffentlichte diese Aufnahme am 15. April 2017. | Bildquelle: AFP

Die "Carl Vinson" durchfährt die Sundastraße zwischen den indonesischen Inseln Java und Sumatra. Die US Marine veröffentlichte diese Aufnahme vom 15. April 2017.

17. April 2017

Auf der Facebookseite des Flugzeugträgers werden aktuelle Bilder des Flottenverbandes veröffentlicht. Darunter das Foto der "Carl Vinson" in der Sundastraße zwischen Java und Sumatra.

Die englischsprachige Website "Defense News" veröffentlicht das Foto des Flugzeugträgers in der Sundastraße vom 15. April und veröffentlicht dabei die fälschlichen Aussagen der US-Regierung in diesem Zusammenhang.

18. April 2017

Die Meldung wird später von etlichen Medien aufgegriffen, darunter die "New York Times" und "The Atlantic". Auch die Nachrichtenagenturen greifen das Thema schließlich auf.

Das Weiße Haus räumt ein, dass es eine fehlerhafte Kommunikation zum Verbleib des Flottenverbandes gegeben habe. Dabei wird vor allem das US-Verteidigungsministerium als Quelle für die falschen Informationen verantwortlich gemacht. Am nächsten Tag ist der Verbleib von "Carl Vinson" auch Thema im Pressebriefing von Sprecher Sean Spicer im Weißen Haus.

Darstellung: