Bild der britischen Bombe des Typs Grand Slam | Bildquelle: AP

Militärbezeichnungen für Bomben Kosenamen des Todes

Stand: 19.04.2017 11:15 Uhr

Sie tragen Namen wie "Großer Junge", "Mutter aller Bomben", "Gänseblümchenschneider" oder "Wolkenmacher" - harmlos klingende Bezeichnungen für Bomben mit besonders großer Sprengkraft. Diese Verniedlichung hat beim Militär Tradition.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Christian Thiels Logo SWR
Christian Thiels, SWR

Die "Mother Of All Bombs", also die "Mutter aller Bomben" hat durch ihren ersten Einsatz in einem Konflikt vor dem Osterwochenende berüchtigte Berühmtheit erlangt. Der offizielle Name der in Afghanistan von den USA abgeworfenen Bombe lautet allerdings "GBU-43 Massive Ordnance Air Blast", kurz MOAB, zu Deutsch etwa Massives Kampfmittel Druckwelle.

Die Waffe ist mit einem Gewicht von 9,8 Tonnen die zweitschwerste Bombe im Arsenal der USA. Nur die GBU-57 mit 13,6 Tonnen Gewicht ist schwerer, hat allerdings einen kleineren Sprengkopf als die MOAB.

Spitznamen für die größten und schwersten Bomben

Die Militärs auf der ganzen Welt neigen dazu, gerade ihren größten und schwersten Waffen Spitznamen zu verpassen. Oft klingen die ganz harmlos, doch verbergen sich hinter Bezeichnungen wie "Gänseblümchenschneider" besonders starke und tödliche Waffen. Die "Daisy-Cutter"-Bombe, deren Name an ein Gartengerät erinnert, kann mit ihrer Sprengkraft einen großen Bereich eines Waldes dem Erdboden gleichmachen.

Ursprünglich war das gedacht, um im Vietnamkrieg im Dschungel Landeplätze für Hubschrauber zu schaffen. Die verheerende Wirkung des "Gänseblümchenschneiders" wurde aber auch genutzt, um möglichst viele Gegner zu töten - immerhin hat die Bombe einen Zerstörungsradius von rund 1500 Metern.

"Großer Junge" und "Kleiner Junge"

Verniedlichende Spitznamen für Kriegsgerät gibt es vielfach. Die fünf Tonnen schwere britische "Tallboy"-Bombe etwa heißt zwar übersetzt nur "Großer Junge", wurde aber mit gewaltiger Wucht etwa bei Luftangriffen der Royal Air Force gegen Hamburg im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Recht freundlich klingt auch der "Cloudmaker", also "Wolkenmacher". Eine 19 Tonnen schwere Bombe, die die USA noch im Zweiten Weltkrieg entwickelten, aber nie einsetzten. Sie sollte vor der Detonation tief in Gebäude des Gegners eindringen, um so den Schaden zu maximieren.

Und die erste Atombombe, die die USA am 6. August 1945 über Hiroshima abwarfen, hatte gar den zynisch-anmutenden Codenamen "Little Boy", also "Kleiner Junge". Hinter dem Namen "Deep Throat", also "Tiefe Kehle", verbirgt sich die bunkerbrechende, per Laserstrahl ins Ziel gelenkte Bombe GBU-28. Die wiegt mehr als 2,2 Tonnen und kann bis zu sechs Meter Stahlbeton durchschlagen.

1/10

Bomben mit verharmlosenden Namen

MOAB vor einem Test

Bezeichnung: GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast, kurz: MOAB
Spitzname: Mother Of All Bombs
Land: Vereinigte Staaten von Amerika
Typ: Satellitengesteuerte Bombe - Explosion erfolgt in der Regel vor dem Aufschlag
Gewicht: 9800 Kilogramm (21.715 Pfund)
Sprengstoff: 8500 Kilogramm
Sprengkraft: ca. 11 Tonnen TNT | Bildquelle: REUTERS

Namen, die verschleiern

In der Terminologie der Streitkräfte gibt es aber nicht nur die zynisch-verharmlosenden Bezeichnungen für einzelne Waffen, sondern oft auch generell ein Vokabular, das - ob gewollt oder nicht - verschleiert, was wirklich gemeint ist. Selbst viele Soldaten empfinden das als Mangel an Ehrlichkeit.

Eine echte Erleichterung war für viele in der Bundeswehr deshalb, als der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Geschehnisse in Afghanistan als Krieg bezeichnete und nicht mehr mit dem formaljuristisch korrekten Begriff des "nicht-internationalen bewaffneten Konfliktes" bemäntelte.

faktenfinder: Kosenamen für große Bomben haben Tradition
18.04.2017

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Sprache als Zeichen für Überlegenheit

Nicht selten spricht die Bundeswehr auch von "Effektoren" oder "Wirkmitteln", statt sie als Waffen zu bezeichnen. Das mag mit der eher formalistischen Struktur von Armeen zu tun haben, in denen bürokratisch-technische Begrifflichkeiten weit verbreitet sind. Es hat aber meist auch den Nebeneffekt, dass das Kriegsgeschehen mit vermeintlich "chirurgischer Präzision" als "sauberer" wahrgenommen wird, als es tatsächlich ist.

Allerdings gibt es auch Waffensysteme, deren Name wenig Zweifel an der Bestimmung lässt: US-Drohnen etwa heißen "Predator" (Raubtier) und "Reaper" (Sensenmann) und verschießen Lenkraketen, die "Hellfire" (Höllenfeuer) heißen. Mit martialischen Namen ist offenbar auch eine verbale Machtdemonstration verbunden.

Denn wichtig ist machtbewussten Militärs und Politikern offenbar auch, ihre Überlegenheit bei den eigenen Waffen zu unterstreichen. Nach der amerikanischen "Mutter aller Bomben" konterten die Russen 2007 mit einer Waffe ähnlicher Bauart. Diese sei natürlich viel stärker und tödlicher als das US-Modell. Ihr Name: "Vater aller Bomben".

Tagesthemen v. 11.09.2007: Russland testet neue Bombe
18.04.2017

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. April 2017 um 20:00 Uhr.

Darstellung: