Emmanuel Macron | Bildquelle: REUTERS

Digitaler Angriff auf Macron Gehackt und gefälscht

Stand: 06.05.2017 17:35 Uhr

Nach einem dramatischen Wahlkampf in Frankreich sorgt ein Hackerangriff für Aufregung. Unbekannte haben interne Dokumente des Kandidaten Macron im Netz veröffentlicht. Ein Teil der im Internet aufgetauchten Unterlagen ist möglicherweise gefälscht.

Von Nele Pasch, SWR

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Nele Pasch, SWR

Die Nachricht ging um die Welt: In der Nacht auf den 06. Mai wurden Zehntausende interne Dokumente der Bewegung des linksliberalen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron "En Marche" im Internet veröffentlicht.

Laut der Online-Enthüllungsplattform WikiLeaks handelt es sich bei den ins Internet gestellten Dokumenten um E-Mails, Fotos und Dateianhänge wie Rechnungen und Verträge. Die Daten haben demnach einen Umfang von neun Gigabyte. WikiLeaks betonte, selbst nicht Quelle der Veröffentlichung zu sein, verbreitete aber in einem Post die Existenz der Dateien und stellte zugleich in Frage, dass darunter tatsächlich auch gefälschte Dokumente sind. Die Enthüllungsplattform konnte demnach keine gefälschten Dokumente ausmachen.

Anonyme Veröffentlichungen

WikiLeaks verwies auf die anonyme Textsharing-Seite Pastebin.com, wo die Dateien anonym veröffentlicht wurden, wie auch um kurz vor Mitternacht auf dem englischsprachigen Onlineportal "4chan". Dort finden sich Links, die direkt zu den Dateien führen sowie erneut zu Pastebin.

Doch schon bevor WikiLeaks auf die Veröffentlichung der gehackten Daten hinwies, trendete der Hashtag #MacronLeaks auf Twitter. Innerhalb von dreieinhalb Stunden nach dem ersten Post, den ein User in den USA absetzte, wurden 47.000 weitere Tweets mit diesem Hashtag veröffentlicht, wie das "Digital Forensic Research Lab" herausgefunden hat. Die meisten dieser Tweets gingen von Konten der rechtsextremen Alt-Right-Bewegung aus, die wahrscheinlich auch Social Bots benutzten, um die Verbreitung der gehackten Dokumente voranzutreiben, wie das Lab berichtet.

Unechte Dokumente

Ein Teil der veröffentlichten Dokumente ist möglicherweise gefälscht. Eine französische Journalistin veröffentlichte auf Twitter ein Video, in welchem sie versucht nachzuweisen, wie eines der geleakten Dokumente mittels Photoshop erstellt wurde. Darin zeigt sie, wie sich bei einem auf "4chan" verlinkten PDF Textbausteine verschieben lassen. Es ist also unwahrscheinlich, dass es sich um einen Scan eines ausgedruckten Dokuments handelt. In diesem Fall ließen sich keine Bausteine mehr digital verschieben. Offenbar hat der Bearbeiter des falschen Dokuments nicht die Ebenen des Bildbearbeitungsprogramms gelöscht, so dass diese weiterhin sichtbar waren und sich verschieben ließen.

Immer wieder Vorwürfe gegenüber Macron

Macron angebliche Unterschrift

Macrons angebliche Unterschrift auf einem auf "4chan" veröffentlichten Dokument, das ihm Steuerhinterziehung vorwirft.

Auf "4chan" werden immer wieder Vorwürfe gegenüber Macron verbreitet. So auch am Donnerstag, 03. Mai 2017: Wenige Stunden vor dem TV-Duell zwischen der rechtspopulistischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen und ihrem Kontrahenten Emmanuel Macron tauchte ein Post von einem anonymen Nutzer auf, in dem dieser Macron Steuerhinterziehung vorwarf. Zwei angehängte Dokumente, eins davon angeblich von Macron unterschrieben, sollten das beweisen.

Eine Recherche der ARD-faktenfinder ergibt allerdings, dass die benutzte Unterschrift auf den angeblich echten Dokumenten eine hohe Ähnlichkeit zu der stilisierten Signatur aufweist, die Macron für seine Wahlkampfkampagne nutzt. Sie findet sich z.B. auf der offiziellen Website. Zweifel an der Echtheit der Dokumente sind also begründet. Auch die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet mit Verweis auf Macrons Umfeld, die Unterschrift sei gefälscht.

"4chan" - eine der meistbesuchten Websites

"4chan" ist eine englischsprachige Website, auf der vor allem Bilder veröffentlicht werden. Gegründet wurde sie 2003 und ist mittlerweile weltweit eine der meistbesuchten Seiten überhaupt. Nutzer können dort, ganz im Gegensatz zu sozialen Netzwerken wie Facebook oder Google+, ohne Anmeldung Bilder oder Texte einstellen. Statt eines Namens wird als Autor eines jeden Beitrags "Anonymous" aufgeführt. Die IP-Adresse wird lediglich den Administratoren angezeigt, öffentlich ist sie nicht zugängig. "4chan" ist eine digitale Plattform, auf der weder zensiert noch von den Betreibern kommentiert wird, so dass in den etwa 50 Kanälen der Seite auch gewaltverherrlichende sowie pornografische Inhalte verbreitet werden. Wegen der garantierten Anonymität ist die Website ebenso beliebt bei Hackergruppen, um geheime Dokumente - ob echt oder nicht - zu veröffentlichen.

Immer wieder Ziel von Hackerangriffen

Bereits in den vergangenen Monaten war "En Marche" nach eigenen Angaben Ziel mehrerer Hackerangriffe gewesen. Erst Ende April hatte Macrons Wahlkampfteam unter Berufung auf die IT-Sicherheitsfirma „Trend Micro“ einen russischen Hackerangriff der Gruppe "Pawn Storm" auf die Bewegung gemeldet. Hochrangige Mitglieder der Bewegung von Macron sollten über gefälschte Mails dazu verleitet werden, Schadsoftware auf ihren Computer zu laden.

Macrons "En Marche"-Bewegung spricht von einer "massiven und koordinierten Attacke" um "Zweifel und Desinformation zu säen". Es sei eine Aktion der "demokratischen Destabilisierung" wie man dies schon beim jüngsten Präsidentschaftswahlkampf in den USA gesehen habe. Ziel der Aktion sei es ganz offensichtlich, wenige Stunden vor der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl Macron und seiner Bewegung zu schaden, hieß es aus dem Umfeld des Kandidaten.

Genau zum Ende des Wahlkampfs

Die Mitteilung über den mutmaßlichen Angriff kam genau zum Ende des Wahlkampfs in Frankreich - seit Mitternacht darf nicht mehr um Stimmen geworben worden. Das französische Innenministerium wollte sich deswegen zu dem Vorwurf nicht äußern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Mai 2017 um 16:50 Uhr.

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