Hilfslieferungen der WHO  | Bildquelle: REUTERS

#kurzerklärt Woher bekommt die WHO ihr Geld?

Stand: 21.05.2018 14:13 Uhr

Gesundheit ist ein hohes Gut - und ein teures. Die Weltgesundheitsorganisation versucht, grenzüberschreitend gegen Krankheiten vorzugehen. Wie finanziert sie sich? Und warum ist das ein Problem?

Von Kristin Becker, SWR

Gesundheit ist eine Grundbedingung für den Frieden, so heißt es in der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Seit mehr als 70 Jahren ist die UN-Sonderorganisation aktiv, inzwischen hat sie 194 Mitgliedsstaaten, die in Sachen Gesundheitsvorsorge und Krankheitsbekämpfung zusammenarbeiten - schließlich kennen Viren und Bakterien gerade in Zeiten globaler Reisewege keine Grenzen.

Pro Jahr hat die WHO derzeit ein Budget von gerade mal rund zwei Millarden US-Dollar. Zum Vergleich: die Berliner Charité hatte 2017 Gesamteinnahmen in ähnlicher Höhe. Während früher fast der ganze Etat durch die Pflichtbeiträge der Mitgliedsländer abgedeckt wurde, ist es jetzt weniger als ein Viertel. Nur bei diesen Geldern kann die WHO frei entscheiden, für was sie diese einsetzt.

alt Logo der Weltgesundheitsorganisation | Bildquelle: picture alliance / dpa

Stichwort

Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization - WHO) wurde am 7. April 1948 in New York gegründet. Ihren Sitz hat sie in Genf. Zu ihren Aufgaben gehört die Bekämpfung von Epidemien sowie die Stärkung der Gesundheitssysteme. Sie initiiert Impfkampagnen, berät Regierungen, fördert Aufklärung, Ausbildung und Forschung. Zum weltweiten WHO-Netz gehören mehr als 7000 Mitarbeiter, sechs regionale Niederlassungen und 150 Länderbüros. Die wichtigsten Entscheidungen über das Programm und Budget fällt die Weltgesundheitsversammlung der Mitglieder, die einmal jährlich tagt.

Erfolge beim Kampf gegen Polio und Pocken

Besonders die Eindämmung von Infektionskrankheiten gehört zu den großen Erfolgen der WHO. Durch weltweite Impfkampagnen wurde Polio (Kinderlähmung) in den vergangenen Jahrzehnten massiv zurückgedrängt. Die Pocken wiederum, eine hochansteckende und gefährliche Virusinfektion, gelten seit 1980 sogar als ausgerottet. Laut Robert-Koch-Institut verliefen früher bis zu 30 Prozent der Pockenerkrankungen tödlich. In den 1960er-Jahren intensivierte die WHO ihre Bemühungen, sie zu bekämpfen. Der letzte durch natürliche Ansteckung ausgelöste Fall wurde 1977 in Somalia dokumentiert, 1978 gab es einen Ausbruch, der durch einen Laborunfall in England verursacht wurde. Derzeit existiert der Erreger nach WHO-Angaben offiziell nur noch in zwei Sicherheitslaboratorien in den USA und Russland.

Auch mit Gesundheitsrisiken wie Übergewicht, Zigaretten- und Zuckerkonsum oder Luftverschmutzung, die viele Menschen weltweit betreffen, beschäftigt sich die Weltgesundheitsorganisation. Schließlich sind 70 Prozent der weltweiten Todesfälle laut WHO auf nicht-übertragbare bzw. chronische Krankheiten zurückzuführen.

Kampagne gegen das Rauchen

2003 verabschiedete die Weltgesundheitsversammlung, das höchste Entscheidungsgremium der WHO, das "Rahmenabkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs". Damit verpflichteten sich die Vertragsländer, Menschen besser vor den Folgen von Rauchen zu schützen, beispielsweise indem Zigarettenwerbung verboten oder zumindest eingeschränkt wird, Schachteln mit Warnhinweisen versehen werden und Nichtraucher in öffentlichen Räumen nicht mehr "mitrauchen" müssen.

Viel diskutiert wurde beispielsweise der Umgang mit der Schweinegrippe: Die WHO erklärte sie 2009 zur Pandemie - also zur weltweiten Seuche. Später wurde klar, dass die Krankheitswelle weniger schlimm war als gedacht. Aus Sicht mancher Kritiker profitierte vor allem die Pharmaindustrie, weil massenhaft Impfstoff geordert wurde.

Bei der Ebola-Krise 2014 in Westafrika hingegen reagierte die WHO zu spät und zu langsam, wie sie im Nachhinein selbst zugab. Ein Grund: Zu der Zeit war für solche akuten Krisenfälle kaum Geld eingeplant.

Kritik an zweckgebundenen Spenden

Allerdings gibt es auch Kritik - vor allem an der unzulänglichen Finanzierung der WHO und einer möglichen Einflussnahme von Geldgebern auf die Ausrichtung der Organisation. Denn der Großteil des Budgets besteht inzwischen eben nicht mehr aus den frei verwendbaren Pflichtbeiträgen der Mitgliedsländer, sondern aus Spenden von finanzstarken Staaten wie den USA, Großbritannien oder Japan und kommt auch von Stiftungen und anderen Organisationen. Diese Mittel sind zweckgebunden. Kritiker wie die Nichtregierungsorganisation Medico International, aber auch Gesundheitsforscher sehen darin ein Problem. Aus ihrer Sicht kann die WHO so nicht unabhängig und selbstständig agieren.

#kurzerklärt: Woher bekommt die WHO ihr Geld?
Nachtmagazin, 21.05.2018, Kristin Becker, ARD Genf

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USA sind größter Geldgeber

Das meiste Geld bekommt die WHO bislang jährlich von den USA. Zweitgrößter Geldgeber ist ein privater Spender: die Stiftung von Microsoftgründer Bill Gates. Von ihr erhält die WHO momentan mehr als zehn Prozent ihrer Finanzierung. Von rund 286 Millionen US-Dollar, die die Gates-Foundation dieses Jahr überweist, ist aktuell mehr als die Hälfte für Maßnahmen gegen Polio vorgesehen, wie die Stiftung gegenüber der ARD erklärte.

Die Stiftung von Bill Gates ist einer der größten privaten Geldgeber.

Für keine andere Krankheit hat die WHO im Moment mehr Geld zur Verfügung: 2018 sind es nach Angaben der Organisation rund 600 Millionen US-Dollar, wie die WHO auf ARD-Anfrage mitteilte. 1988 wurde die globale Polio-Ausrottungsinitiative GPEI (Global Polio Eradication Initiative) gegründet, an der die WHO maßgeblich beteiligt ist. Damals schätzte man, dass es jährlich etwa 350.000 Polio-Erkrankungen gab. 2017 wurden weltweit noch 22 Fälle des Polio-Wildvirus dokumentiert. Ziel ist es, Polio komplett zu verdrängen, daher wird weiterhin in Impfkampagnen, Forschung und andere Maßnahmen investiert. Durch die hohen Spenden ist Polio ein Schwerpunkt der WHO-Arbeit.

Zu wenig Geld im Notfallfonds

Schlechter sieht es finanziell in anderen Bereichen aus. Nach der Ebola-Krise hat die WHO versucht, ihre monetären und organisatorischen Strukturen zu verbessern. Sie schuf 2015 den sogenannten Notfallfonds, um besser auf solche Situationen reagieren zu können. Dieser soll eigentlich 100 Millionen US-Dollar beinhalten, um im Krisenfall schnell Gelder zur Verfügung stellen zu können. Doch der Notfallfonds ist derzeit nur zu einem kleinen Teil gefüllt.

Eigentlich hätte die WHO ihn gern mit Mitteln aus den Pflichtbeiträgen der Mitgliedsländer finanziert. Weil diese das aber ablehnten, muss die WHO Spenden dafür einwerben. Nach einer Geberkonferenz im März standen 23 Millionen US-Dollar - also nicht mal ein Viertel der angestrebten Summe - bereit. Davon sind aber laut WHO schon wieder Gelder abgeflossen - etwa zur Malaria-Bekämpfung in Nigeria sowie wegen des aktuellen Ebola-Ausbruchs im Kongo. Größter Spender für den Notfallfonds ist im Moment Deutschland.

Viel Geld für Polio, wenig für Notfälle - darin zeigt sich ein Grunddilemma der WHO: Ihre Finanzierung reicht oft nicht aus, und sie kann über das Geld, das sie bekommt, nicht frei entscheiden.

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