Ein Pfleger schiebt einen Rollstuhl über einen Flur in einem Krankenhaus. (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / Peter Steffen

#kurzerklärt Was läuft bei der Pflege schief?

Stand: 07.06.2018 11:39 Uhr

Heute ist der "Internationale Tag der Pflegenden". Ein guter Anlass, um auf den Pflegenotstand in Deutschland zu schauen. Stephan Lenhardt erklärt, warum weiter viele Stellen in der Pflege unbesetzt bleiben.

Von Stephan Lenhardt, SWR

"Die Würde der Menschen wird in Krankenhäusern und Pflegeheimen tagtäglich verletzt." Mit diesen Worten an Kanzlerin Angela Merkel brachte der junge Auszubildende Alexander Jorde in der ARD-Wahlarena das Thema Pflege in den Bundestagswahlkampf. "Es gibt Menschen, die liegen stundenlang in ihren Ausscheidungen."

Nach langer Regierungsbildung belebte eine kleine Anfrage der Grünenfraktion im Bundestag die Debatte erneut: Rund 36.000 Stellen blieben laut Bundesagentur für Arbeit im Jahresdurchschnitt 2017 in der Alten- und Krankenpflege unbesetzt. Die meisten Altenpfleger wurden in NRW gesucht. Die Studie "Deutsches Pflegethermometer 2018" geht davon aus, dass nur etwa ein Drittel der Pflege-Einrichtungen freie Stellen überhaupt meldet. Und bis eine offene Stelle im vergangenen Jahr in der Altenpflege besetzt werden konnte, vergingen im Schnitt 171 Tage. Nur Lokführer sind in dieser Republik gefragter. Die berufsspezifische Arbeitslosenquote von Fachkräften in der Altenpflege lag 2017 bei 0,7 Prozent.

#kurzerklärt: Was läuft bei der Pflege schief?
Nachtmagazin, 12.05.2018, Stephan Lenhardt, SWR

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Tropfen auf den heißen Stein

"In einem Sofortprogramm werden wir 8000 neue Fachkraftstellen im Zusammenhang mit der medizinischen Behandlungspflege in Pflegeeinrichtungen schaffen." So steht es im Koalitionsvertrag der Regierung. Kritiker sprechen angesichts der Zahl von einem Tropfen auf den heißen Stein. Denn das Stellenproblem in der Pflege wird sich in Zukunft noch verstärken. 2015 gab es 2,9 Millionen pflegebedürftige Menschen. Prognosen gehen für das Jahr 2060 von 4,8 Millionen aus.

Ein Grund für den Personalmangel dürfte die Bezahlung sein: Fachkräfte mit dreijähriger Ausbildung in der Altenpflege bekommen laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich rund 18 Euro pro Stunde. Brutto bei Vollzeit. Hilfskräfte (mit einjähriger Ausbildung) knapp 14 Euro. Durchschnittlich verdient ein Arbeitnehmer in Deutschland etwa  22 Euro. Die regionalen Unterschiede bei der Bezahlung sind außerdem groß. Und die Arbeitsbelastung ist hoch: 9,5 Millionen Überstunden haben Altenpfleger in Deutschland 2016 gestemmt. Mehr als 60 Prozent der Altenpfleger arbeiteten 2016 im Schichtdienst. Das ist viermal so viel wie in der Gesamtwirtschaft.

Großteil wird zu Hause gepflegt

Altenpfleger Jorde sagte kurz vor der Bundestagswahl zur Kanzlerin: "Die Pflege ist so überlastet und Sie sind seit zwölf Jahren an der Regierung und Sie haben in meinen Augen nicht viel für die Pflege getan". Bei der Debatte ums professionelle Pflegepersonal tritt ein Fakt in den Hintergrund: Der Großteil der pflegebedürftigen Menschen wird zu Hause durch Angehörige versorgt.

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