#kurzerklärt Wie aktuell ist Karl Marx?

Stand: 05.05.2018 05:09 Uhr

Heute wäre Karl Marx 200 Jahre alt geworden. Nach dem Mauerfall hatte die Welt kurzzeitig genug von Marx. Nun sind seine Thesen wieder im Gespräch. Doch wie relevant sind sie heute?

Von Sebastian Kisters, HR

Marx warnte vor Exzessen im Kapitalismus und vor einer "Finanzaristokratie". Viele Menschen sehen solche Exzesse beim Blick auf Managergehälter. Nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung von 2014 verdienen DAX-Vorstände durchschnittlich das 57-fache ihrer Durchschnittsangestellten. An der Spitze liegt demnach VW. Beim Autobauer verdienen Vorstände das 141-fache. Auf Platz zwei folgt die Deutsche Post mit dem 132-fachen. Auf Rang drei: Adidas mit dem 116-fachen. Der Ökonom Thomas Piketty, Autor des Buches "Das Kapital im 21. Jahrhundert" - beschreibt Topmanager heute im marxschen Sinne als eine Art wiedergekehrte Aristokraten, die sich über andere erheben und dynastisch erhalten.

Marx beschrieb zudem bereits vor gut 150 Jahren, dass der Kapitalismus zur Bildung von Oligopolen neige: Viel Nachfrage trifft auf wenige Anbieter. Eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich von 2011 gibt ihm Recht. Demnach kontrollieren 147 Unternehmen 40 Prozent der Weltwirtschaft. Besonders dominant sind Banken und Rentenfonds.

#kurzerklärt: Karl Marx - Ein Prophet
03.05.2018, Sebastian Kisters, HR

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Marx warnte vor Überlastung des Planeten

In seinem Klassiker "Das Kapital" - Weltdokumentenerbe der UNESCO - warnt Marx außerdem, der Kapitalismus schaffe ein "System des Schwindels und Betrugs". Wer will angesichts zahlreicher undurchsichtiger Finanzmarktprodukte und Steueroasen widersprechen. Stichwort zuletzt: PanamaPapers.

Und in einem weiteren Punkt ist Marx zu seinem 200. Geburtstag sehr aktuell. Er warnte, die kapitalistische Produktionsweise "untergrabe die Springquelle allen Reichtums", die Erde. In der Tat: Forscher des Global Footprint Network berechnen regelmäßig, an welchem Tag Menschen die Erde so sehr belastet haben, dass sie sich davon im Rest des Jahres nicht mehr erholen kann. Optimal wäre, die Menschheit käme bis zum 31. Dezember mit den gegebenen Ressourcen hin.

Anfang der 70er-Jahre, zu Beginn dieser theoretischen Berechnung, war der Earth Overshoot Day aber bereits der 21. Dezember. Im vergangenen Jahr war der "Weltüberlastungstag" am 2. August. Das heißt: Die natürlichen Ressourcen der Erde werden Jahr für Jahr schneller verbraucht. Besonders umweltschädlich wirtschaften derzeit Australien, die USA und Südkorea. Dass im real existierenden Sozialismus nicht umweltschonender produziert wurde und wird, haben Machthaber dort übrigens traditionell verschwiegen.

"Massenverelendung" vorausgesagt

Die halbe Welt berief sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf Marx. Der propagierte in seinem Werk "Das Kommunistische Manifest" den Kommunismus. Er glaubte, im Kommunismus sterbe der Staat und arbeitende Menschen werden frei. Die wenigsten Menschen dürften heute sozialistische Staaten aber mit Freiheit in Verbindung bringen. Wofür man Marx freilich schwerlich verantwortlich machen kann. Er starb 1883.

Und in noch einem Vorausblick irrte Marx. Der Ökonom und Philosoph, der von Eindrücken der beginnenden Industrialisierung geprägt war, sagte eine "Massenverelendung der Arbeiterklasse" im Kapitalismus voraus. Dabei hatte er Europa im Blick. Tatsächlich hat der Kapitalismus - trotz sozialer Unterschiede - vielerorts Wohlstand geschaffen. Nach einer Erhebung des Pew Research Centers sind 86 Prozent der Menschen in Deutschland mit der Wirtschaftslage zufrieden. Besser beurteilen nur die Niederländer die Lage in ihrem Land. Dort liegt die Zufriedenheit bei 87 Prozent. Konkreter ist eine Zahl des Statistischen Bundesamtes aus dieser Woche: Demnach sind 89 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland mit ihrer Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden.

Karl Marx war also nicht in allen Punkten ein Prophet, wollte es aber auch gar nicht sein. Stattdessen forderte er Widerspruch schon im Vorwort seines bekanntesten Buches "Das Kapital": "Jedes Urteil wissenschaftlicher Kritik ist mir willkommen."

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