Ein Kind wird geipmft | Bildquelle: dpa

#kurzerklärt Ist Impfen gefährlich?

Stand: 19.04.2018 15:42 Uhr

Impfen sei vor allem Geldmacherei der Konzerne und gefährlich: Das ist ein häufig zu hörendes Argument von Impfkritikern. Aber was ist da wirklich dran?

Martin Schmidt | Bildquelle: SWR/Alexander Kluge Logo SWR
Martin Schmidt, SWR

Von Martin Schmidt, SWR

14 Impfungen für Kinder und Jugendliche empfiehlt die Ständige Impfkommission. Das unabhängige deutsche Expertengremium zählt Tetanus, Windpocken, Masern oder auch Keuchhusten zu den Krankheiten, gegen die sich vor allem Kinder und Jugendliche impfen lassen sollen. Eine Pflicht oder gar einen Impfzwang gibt es in Deutschland nicht. Eltern dürfen frei entscheiden.

Und so entscheiden sich auch einige dagegen, weil sie Impfungen skeptisch sehen. Vor allem in Süddeutschland gibt es Landkreise, in denen nur rund 40 Prozent aller Kinder die erforderlichen zwei Impfungen gegen Masern bis zum zweiten Lebensjahr erhalten. Ein Argument der Impfkritiker: Die vielen Impfungen seien Geldmacherei der Pharmaindustrie.  

#kurzerklärt: Ist Impfen gefährlich?
19.04.2018

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Medikamente bringen der Industrie mehr Geld

Wie auch andere privatwirtschaftliche Unternehmen haben Pharmakonzerne das Interesse, an ihren Produkten zu verdienen. Doch ein Blick auf die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen - über die fast 88 Prozent der Deutschen versichert sind - zeigt, dass sie von ihren 218 Milliarden Euro Jahresausgaben nur knapp eineinhalb Milliarden für Schutzimpfungen gezahlt haben. Fast 38 Milliarden Euro wurden dagegen 2017 für Arzneimittel ausgegeben. An Medikamenten für Kranke verdient die Industrie demnach deutlich besser.

Manche Impfkritiker halten Impfungen an Säuglingen für zu früh. Doch gerade für die Kleinsten sind einige Infektionskrankheiten am gefährlichsten. Bei Keuchhusten zum Beispiel kommt es bei jedem vierten Kind unter sechs Monaten zu Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Atemstillständen. Danach sinkt die Gefahr deutlich: auf nur noch fünf Prozent. Zudem gibt es laut Robert Koch-Institut keine Belege dafür, dass Säuglinge Impfungen generell schlechter vertragen als ältere Kinder.

Mehrfachimpfstoffe überlasten das Immunsystem nicht

Das gilt auch für die Anzahl der Impfungen. Denn tatsächlich werden Kinder heute gegen mehr Krankheiten geimpft als früher. Allerdings enthalten die modernen Impfstoffe deutlich weniger Bestandteile des Erregers. Im alten Keuchhusten-Impfstoff seien beispielsweise noch rund 3000 Antigene gewesen, im heutigen seien dagegen nur 150, erklärt das Robert Koch Institut auf seiner Homepage. Im Alltag sind kleine Kinder ohnehin deutlich mehr Erregern ausgesetzt. Auch Mehrfachimpfstoffe überlasten ihr Immunsystem nicht. Dafür kann die Anzahl der Spritzen reduziert werden.

In einigen Impfstoffen sind Zusätze wie Aluminium oder Quecksilber enthalten. Sie haben unterschiedliche Zwecke, sollen die Wirkung der Impfung verstärken oder auch den Erreger im Impfstoff abtöten. Die Konzentration dieser Zusätze ist allerdings minimal und liegt weit unterhalb der Grenze, die man als giftig bezeichnen würde, so das Robert Koch Institut. Zudem wird die Verträglichkeit von Impfstoffen bei der Zulassung sehr genau überprüft. Die These, dass quecksilberhaltige Impfstoffe dafür verantwortlich sein könnten, dass mehr Kinder an Autismus erkranken, haben sowohl die Weltgesundheitsorganisation als auch die europäische Arzneimittelbehörde widerlegt. Dennoch haben die Pharmahersteller reagiert und bieten seitdem für alle Standardimpfungen quecksilberfreie Impfstoffe. 

Masern sind als Krankheit nicht zu unterschätzen

Der Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus hält sich als ewiger Impf-Mythos seit Jahren. Der britische Arzt Andrew Wakefield, weltweit wohl der bekannteste Impfgegner, will diesen 1998 in einer kleinen Studie nachgewiesen haben. Doch kein Fachkollege konnte seine Studienergebnisse reproduzieren. Daher zog die Redaktion seine Publikation später wieder zurück.

Außerdem kam heraus, dass Wakefield Geld von Anwälten angenommen hat, die Eltern Autismus-kranker Kinder vertraten. Die Anwälte hatten versucht, eine Verbindung zwischen Autismus und Impfungen zu finden, um die Hersteller der Impfstoffe zu verklagen. Eine Ethikkommission überführte Wakefield des Fehlverhaltens, er verlor seine Zulassung als Arzt in Großbritannien.

Mehr zum Thema

Einige Eltern halten das Überstehen von Infektionskrankheiten für einen wichtigen Entwicklungsschritt ihrer Kinder. Doch wissenschaftliche Studien konnten bisher nicht belegen, dass sich nicht geimpfte Kinder körperlich oder geistig besser entwickeln als geimpfte. Zumal die Krankheiten und ihre Folgen nicht zu unterschätzen sind: Noch immer stirbt einer von 1000 Masernerkrankten.

Eigene Impfung hilft auch anderen

Impfschäden sind extrem gering.

Es besteht auch die Gefahr, dass von einer Impfung ein Schaden zurückbleibt. Das können kleine Narben an der Einstichstelle sein, aber auch Organschädigungen sind möglich. Doch die Wahrscheinlichkeit, einen Impfschaden zu erleiden, ist verschwindend gering. Im so genannten "Nationalen Impfplan 2012" sind die anerkannten Impfschäden aus allen Bundesländern für den Zeitraum 2005 bis 2009 gesammelt aufgeführt. Es waren 169 Fälle. In diesen fünf Jahren wurden alleine Kassenpatienten mehr als 211 Millionen Mal geimpft. Damit liegt die Gefahr eines Impfschadens unter 0,00008 Prozent.

Wenn es bei einer Impfung zu einer Reaktion des Körpers kommt, die über das übliche Maß hinaus geht, besteht eine Meldepflicht. Alle Verdachtsfälle sollen über den Arzt oder die Gesundheitsämter beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gemeldet werden. Wer dem nicht vertraut, kann sich mittlerweile auch direkt ans Institut wenden. Das PEI ist in Deutschland für die Überwachung der Impfstoffe zuständig. Seit einigen Jahren veröffentlicht es in der März-Ausgabe seines "Bulletin zur Arzneimittelsicherheit" die aktuellen Zahlen der Verdachtsmeldungen, alles im Internet abrufbar.

Manche Menschen können sich nur eingeschränkt impfen lassen

Es gibt bei der Entscheidung für oder wider einer Impfung aber noch etwas mit zu bedenken. Manche Menschen können sich gar nicht oder nur eingeschränkt impfen lassen: beispielweise Immunkranke, Schwangere oder Neugeborene. Für sie ist der so genannte Herdenschutz wichtig. Er soll sie vor schweren Krankheiten bewahren. Sind nur wenige beispielsweise gegen Masern geimpft, kann sich die Krankheit schnell ausbreiten. Das ändert sich laut Robert Koch Institut erst, wenn 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Dann ist der Herdenschutz erreicht.

Nicht geimpfte Personen bleiben gesund - sie werden geschützt durch die geimpften, die sie umgeben. So hilft die eigene Impfung immer auch denen, die besonders gefährdet sind.

Darstellung: