Pollen im Vordergrund. | Bildquelle: dpa

#kurzerklärt Wenn Augen brennen und Nasen laufen

Stand: 30.03.2019 10:28 Uhr

Die Vögel zwitschern, die Sonne lacht, die Blumen sprießen - und die Allergiker leiden. Birken-, Erlen- und Haselpollen machen ihnen das Leben derzeit schwer. Und es werden immer mehr.

Von Sebastian Kisters, HR Frankfurt

Bis zu 20 Grad warm soll es heute werden. "Endlich Grill-Wetter!", dürften die einen jubeln, "bloß rein ins Haus  und Fenster zu!“, die anderen denken. Mit den Frühlingstemperaturen kommt der Heuschnupfen. Immer mehr Menschen leiden darunter. Nach einer Erhebung des Robert Koch-Instituts hat sich seit 1990 die Zahl der Erwachsenen in Deutschland verdoppelt, die sagen: "Ich habe Heuschnupfen." Die Wissenschaftler gehen von mehr als zwölf Millionen Betroffenen bundesweit aus.

Professor Gernot Rohde, Allergologe am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main, kennt die Gesichter mit triefenden Nasen und geschwollenen Augen hinter den Zahlen. "Es gibt eindeutig immer mehr positive Allergie-Tests", sagt der Arzt. "Auffällig ist dabei auch: Es kommen immer mehr Menschen, die bereits 60 oder 70 Jahre alt sind und plötzlich unter Allergien leiden."

Frauen übrigens häufiger als Männer. Laut dem Robert-Koch-Institut gaben zuletzt 31,6 Prozent der Frauen in Deutschland an, unter einer Allergie zu leiden, aber nur 24,5 Prozent der Männer.

Ersatzfeind: Pollen

Die Ursache von Heuschnupfen: Das Immunsystem hält eigentlich harmlose Pollen für gefährliche Eindringlinge und bekämpft sie. Entzündungssymptome wie geschwollene Schleimhäute sind die Folge. In schweren Fällen kann es zu Asthma kommen.

Viele Fachleute meinen: Weil wir immer weniger mit Keimen in Kontakt kommen, langweilt sich unser Immunsystem und sucht sich einen Ersatz-Feind - Pollen! Für diese sogenannte Hygiene-Hypothese spricht, dass Heuschnupfen fast ausschließlich in Industrieländern vorkommt. Ein weiteres Indiz: Wachsen Kinder mit Haustieren und vielen Geschwistern auf, ist ihr Immunsystem also andauernd gefordert und sie sind sie weniger anfällig für Allergien.

Wer Heuschnupfen hat, leidet in Städten stärker als auf dem Land. Weil sich Pollen hier mit Giftstoffen aus Verkehr und Industrie verbinden, wirken sie stärker. Wissenschaftler der Technischen Universität München haben die Wirkung von Birkenpollen, die jetzt gerade fliegen, an unterschiedlichen Standorten untersucht. Das Ergebnis: Pollen unter hohen Ozon-Belastungen rufen heftigere Reaktionen bei Hauttests hervor als Pollen von anderen Standorten. Es sei zu erwarten, dass durch den Klimawandel und die zunehmende Verstädterung die Ozonkonzentrationen künftig weiter ansteigen und Pollenallergien weiter zunehmen werden.

Verminderte Leistungsfähigkeit

Während des Pollenfluges leidet die Leistung von Heuschnupfengeplagten. Laut einer britischen Studie sacken Schüler in der Allergiezeit oft um eine Schulnote ab. Von 1834 Schülerinnen und Schülern wurden die Leistungen im Winter und Sommer verglichen.

#kurzerklärt: Wird es mit dem Heuschnupfen immer schlimmer?
tagesschau24, 30.03.2019, Sebastian Kisters, HR

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Hyposensibilisierung - Präparate werden besser

Doch für Betroffene gibt es Hoffnung. Vielfach gelingt es, dem Immunsystem von Allergikern beizubringen: Pollen sind gar nicht so schlimm! Dazu bekommen Patienten immer wieder geringe Mengen von Substanzen verabreicht, die Heuschnupfen auslösen. Wenn es gut läuft, tritt ein Gewöhnungseffekt ein und das Immunsystem stellt den Kampf gegen die harmlosen Pollen ein.

Wissenschaftler berichten, dass es nach einer sogenannten Hyposensibilisierung bis zu 80 Prozent der Betroffenen besser geht. Bei der beschriebenen Therapie habe es zuletzt weitere Fortschritte gegeben, sagt der Allergologe Rohde. "Die Präparate werden immer besser. Wir haben aus den Ergebnissen der Krebsforschung zur Immuntherapie viel lernen können."

Was Heuschnupfen auslöst, sei sehr komplex. "Aber die Symptome können wir mittlerweile gut behandeln."

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