Smartphone mit einem Kettenbrief

Warnung im Kettenbrief Können Terroristen Handys auslesen?

Stand: 06.04.2017 13:09 Uhr

Die Warnung klingt alarmierend: Terroristen seien durch einen technischen Trick in der Lage, das Handy binnen weniger Sekunden auszulesen. Die Nachricht stammt aus einem Kettenbrief, der per Messenger geteilt wird.

Seit dem Siegeszug der Sozialen Netzwerke und den zahlreichen Messenger-Diensten erlebt der Kettenbrief einen zweiten Frühling. Die Nachrichten werden oft von Bekannten weitergeleitet - also von Menschen, die man kennt und denen man deshalb oft auch eher vertraut. Mit diesem Vertrauensvorschuss spielen Kettenbriefe - und mit der Verunsicherung, die sie oft auslösen.

Eine Redakteurin der Tagesschau erhielt vor Kurzem auf dem Messenger-Dienst "Telegram" eine Nachricht in englischer Sprache: Darin wird empfohlen, Anrufen von Telefonnummern mit den ausländischen Vorwahlen +375 (Weißrussland), +371 (Lettland) oder +381 (Serbien u. Serbien und Montenegro) mit Vorsicht zu begegnen. Keinesfalls solle man verpasste Anrufe dieser Nummern zum Anlass nehmen, zurückzurufen. Denn Betrüger, so heißt es weiter, würden im Falle eines Rückrufs binnen drei Sekunden die Kontaktliste des Telefons sowie eventuell gespeicherte Bankdaten auslesen.

Außerdem wird davor gewarnt, während eines Gesprächs eine bestimmte Tastenkombination (#90 or #09) einzugeben. "Es handelt sich dabei um einen neuen Trick von Terroristen, um Zugang zu deiner SIM-Karte zu bekommen, Anrufe auf deine Kosten zu tätigen und dich als Kriminellen dastehen zu lassen", heißt es weiter. Wie es für Kettenbriefe typisch ist, folgt ein Aufruf, diese Warnung an so viele Freunde wie möglich weiterzuleiten.

"Datenklau durch Telefonanruf unmöglich"

Was ist dran an dieser Warnung? WDR-Computerexperte Jörg Schieb gibt auf Nachfrage des ARD-faktenfinder Entwarnung: Das Abgreifen von Nutzerdaten sei technisch zwar nicht unmöglich - aber nicht allein durch einen Telefonanruf. Um so etwas in der Realität tatsächlich umsetzen zu können, seien komplexe technische Lösungen notwendig: Dafür müsse Schadsoftware auf dem Gerät installiert werden, so Schieb.

Dubiose Warnungen in Kettenbriefen
06.04.2017

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Kettenbriefe hatten bereits einen Boom durch E-Mails erfahren: Noch bevor die Sozialen Medien das Teilen von Inhalten via Mausklick möglich gemacht haben, tauchten immer wieder E-Mails auf, die beispielsweise vor Computerviren warnten, einen Urlaubsgewinn versprachen oder zur Organspende in einem besonders dringenden Fall aufriefen.

"Einige sind nur ein Gag", erklärt Computerexperte Schieb. Andere verfolgten dagegen kriminelle Absichten, etwa um Leser auf bestimmte Websites zu locken: Sei es, um Werbeeinnahmen zu generieren oder um betrügerische Inhalte zu verteilen. Vorsicht ist insbesondere geboten, wenn man vermeintlich ungefährliche Programme installieren oder vertrauliche Informationen in Formulare eingeben soll.

Warnung seit Jahren im Umlauf

Im aktuellen Fall wird der Kettenbrief nicht nur via Messenger verbreitet, sondern findet sich auch auf Plattformen wie beispielsweise Facebook - gleich in verschiedenen Sprachen. Die Warnung ist aber tatsächlich schon seit Jahren - wenn auch in Abwandlungen - im Umlauf: Die australische Website hoax-slayer veröffentlichte bereits 2012 eine ausführliche Analyse zu irreführenden Warnungen vor verpassten Anrufen mit den Vorwahlnummern +375 und +371.

Auch auf Spanisch geistert der Kettenbrief im Netz

Auch auf Spanisch geistert der Kettenbrief durch das Netz.

Auch in Deutschland ist der angebliche Betrug durch eine bestimmte Tastenkombination seit Jahren im Umlauf. So dokumentierte die Technische Universität Berlin in ihrer Hoax-Datenbank den "Telefonmissbrauch" durch die Eingabe der Kombination 90# in einer Facebook-Meldung im Oktober 2011.

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