NPD-Politiker Voigt über Fakes "Natürlich ist das Stimmungsmache"

Stand: 31.07.2017 15:44 Uhr

Vermeintliche Muslime, die gegen eine Kirche urinieren - so interpretierten viele Nutzer ein Bild, das im Sommer 2016 im Netz kursierte. Auch der NPD-Politiker Voigt teilte es. Und obwohl das Bild gar keine urinierenden Muslime zeigt, verteidigt Voigt sein Posting noch.

Sommer 2016: Ein Unbekannter beobachtet an der St. Gertrud-Kirche in München eine ungewöhnliche Szene, fotografiert sie und stellt sein Bild auf Facebook: "Sechs muslimische Männer pinkeln aus Verachtung für unsere christliche Kultur an die Kirche", heißt es dazu.

Dieses Bild verbreitet sich rasend schnell auf Facebook - und setzt sich in tausenden Köpfen fest. Für viele Menschen gibt es keine Zweifel, was auf dem Bild zu sehen ist. Auch Udo Voigt von der NPD teilt es.

Voigt kommentiert: "Kirche in München, sechs Neubürger urinieren an das christliche Gotteshaus. TEILEN das auch der letzte Gutmensch diese Sauerei mitbekommt. Respektlos und traurig, bin sprachlos. Stellt euch vor was die mit uns machen würden wenn wir selbiges an einer Moschee tun?" [Fehler im Original]

Traditionelles Gebet

Doch so klar, wie Voigt und viele andere das Bild interpretieren, ist die Angelegenheit keineswegs. Im Gespräch mit dem SWR erklären Mitglieder der Gemeinde St. Gertrud in München, man habe rasch über den Vorfall an der Kirchenwand aufgeklärt. Pater Matthias betont, es gehöre zur Tradition der Kirche in Äthiopien oder auch in Eritrea, dass die Gläubigen nicht immer den Tempel hineingehen. Oft blieben sie "draußen an der Mauer, sie lehnen sich an die Wand und so beten sie".

Frewoin Tesfaledet von der Christlich-Orthodoxen Gemeinde berichtet, er sei "so richtig" entsetzt gewesen, als sich das Bild auf Facebook verbreitete. "Das war für mich ein Schock. Unsere Leute würden niemals, niemals an eine Kirche urinieren."

Udo Voigt im Interview

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Wohl mutwillig falsch interpretiert

Auf dem Bild sind also weder Muslime zu sehen, noch haben sie uriniert. Die Christen aus Eritrea beteten vielmehr an der Kirchenmauer, weil der Gottesdienst bereits überfüllt war. Aber ein Unbekannter wollte dieses Bild vermutlich vorsätzlich anders interpretieren, denn die Christen aus Eritrea beten schon seit Jahren immer wieder so an der St. Gertrud-Kirche - bislang wurde diese Tradition nie falsch gedeutet.

Aber Udo Voigt wollte anscheinend nur das sehen, was in sein Weltbild passt. 15 Jahre war er Parteivorsitzender der rechtsextremen NPD und wurde bereits wegen Volksverhetzung verurteilt. Heute sitzt er als einziges Mitglied seiner Partei im Europaparlament. Warum hat er das Bild veröffentlicht?

"Natürlich ist das Stimmungsmache", antwortet Voigt. Aber er erlebe "Tag für Tag Stimmungsmache gegen rechts". Dementsprechend werde "natürlich auch andere Stimmungsmache in diesem Land betrieben". Es gebe "halt Millionen Menschen in Deutschland, die wollen die Migranten hier nicht haben und für die ist das natürlich eine willkommene Meldung, die man erst einmal bringen kann", so Voigt.

Über "so eine Sauerei" informieren...

Eigentlich prüfe er sorgfältig, bevor er etwas veröffentlicht, betont der NPD-Politiker. In diesem Fall habe er dies aber nicht getan. Warum nicht? Für ihn sei klar gewesen, so Voigt, dass das Behauptete möglich sei. "Und ich habe dann gedacht, so eine Sauerei, da muss man die Leute darüber informieren". Im Nachhinein würde er sich bei den betroffenen Personen dafür entschuldigen, wenn sie es denn nicht getan hätten, erklärt Voigt.

Allerdings entschuldigte sich der NPDler bis heute nicht. Voigts Begründung: Er kenne die Personen auf dem Bild ja nicht. Der NPD-Politiker hätte zumindest seinen Facebook-Post löschen oder korrigieren können - aber auch das hat er nicht getan.

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