Ein Twittersymbol auf einem Handy: Das Unternehmen schreibt Gewinn. | Bildquelle: AP

Änderungen bei Twitter Qualitätsfilter oder Zensur?

Stand: 29.06.2018 11:55 Uhr

Twitter will die Diskussionskultur seiner Plattform verbessern und gegen Trolle vorgehen. Einige Nutzer wittern dahinter eine Einschränkung der Meinungsfreiheit und fühlen sich zensiert.

Von Konstantin Kumpfmüller, MDR

Ein rotes Kreuz und der Hashtag "QFD" im Profilnamen als Zeichen des Protests: Zahlreiche Nutzer auf Twitter fühlen sich diskriminiert. Die Abkürzung QFD steht für Qualitätsfilterdiskriminierung. Der Grund: Twitter würde aus politischen Gründen gezielt Reichweite einschränken und Posts verstecken.

Hinter diesem Vorwurf stecken Neuerungen, mit denen Twitter seit einiger Zeit gegen sogenannte Trolle vorgehen will. Im Mai verkündete das Unternehmen Maßnahmen, mit denen es die Qualität der öffentlichen Diskussion auf der Plattform verbessern will.

Filtern statt Löschen

Als größtes Problem, das Nutzer beeinträchtige, sieht Twitter das gezielte Torpedieren und Manipulieren von Diskussionen. Dem soll mithilfe von maschinellem Lernen entgegengewirkt werden, so das Unternehmen auf seinem Blog.

We focus on developing machine learning tools that identify and take action on networks of spammy or automated accounts automatically. This lets us tackle attempts to manipulate conversations on Twitter at scale, across languages and time zones, without relying on reactive reports.

Der sogenannte Qualitätsfilter ist ein Tool, das dafür sorgen soll, dass "bösartige" Inhalte Nutzern gar nicht erst angezeigt werden. Weil vieles davon nicht gegen die Twitter-Richtlinien verstoße, könne es nicht gelöscht werden. Die Lösung: Filtern statt Löschen. Twitter will so vor allem in den Bereichen gegen Trolle vorgehen, die Nutzern auch angezeigt werden, ohne dem jeweiligen Account zu folgen: in Diskussionen und den Suchergebnissen.

Grundsätzlich bleiben die Inhalte aber auf Twitter. Sie werden angezeigt, wenn Nutzer auf "Weitere Antworten anzeigen" klicken oder ihre Einstellungen entsprechend ändern. Im Suchfilter gibt es zudem die Möglichkeit, den Qualitätsfilter ein- oder auszuschalten.

Wen betrifft das?

Twitter nennt Beispiele dafür, wen diese Neuerung betreffen soll: Accounts, die oft gemeldet werden, die ihre E-Mail-Adresse nicht bestätigen, die von einer Person gleichzeitig betrieben werden oder die wiederholt über andere Nutzer tweeten, die ihnen nicht folgen. Geahndet werde außerdem Verhalten, das auf ein koordiniertes Vorgehen mehrerer Profile hinweise.

Wie viele Accounts und Postings das betrifft, veröffentlichte Twitter nicht, ebenso wenig wie die konkreten Gründe. Unter dem Hashtag #QFD finden sich aber vor allem Seiten aus dem Umfeld der AfD und der "Identitären Bewegung".

Ob Posts dieser Accounts wirklich verborgen werden, lässt sich nur schwer überprüfen. Einem stichprobenartigem Test mithilfe eines automatisierten "Shadow-Ban-Testers" nach war keiner der Accounts in einem sogenannten "Shadow Ban".

Ein Shadow Ban?

Der Vorwurf des "Shadow Bans" existierte schon vor den neuesten Änderungen: Ohne dass Nutzer benachrichtigt werden, würde ihre Reichweite auf Twitter eingeschränkt.

Der Ursprung dieser Behauptung liegt unter anderem bei einem Video der Alt-Right-Organisation "Project Veritas". Zu sehen ist dort ein angeblicher Mitarbeiter von Twitter, der einen "Shadow Ban" bestätigte.

"Project Veritas" wollte damit beweisen, dass bestimmte politische Meinungen zensiert werden. Twitter widersprach dieser Darstellung allerdings. Es gebe kein Verbergen von Inhalten einer politischen Richtung, wohl aber ein Vorgehen gegen missbräuchliche Accounts.

Twitter zufolge zeigten die Maßnahmen Wirkung. Demnach sind die Beschwerden bei Suchergebnissen um vier Prozent und bei Diskussionen um acht Prozent gesunken.

Soziale Netzwerke unter Druck

Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter stehen in Europa zunehmend unter Druck. Die EU-Kommission hatte im April einen Aktionsplan gegen Desinformation vorgestellt. Online-Plattformen sollen demnach auf freiwilliger Basis einen Verhaltenskodex erarbeiten. Sollten sich diese Maßnahmen als nicht zufriedenstellend erweisen, könnte die Kommission weitere - auch regulatorische - Schritte vorschlagen.

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