Erwin Rommel mit Soldaten in Nordafrika um 1942 | Bildquelle: picture-alliance / akg-images

Aussagen von CDU-Politiker Rommel mit Widerstand verbunden?

Stand: 17.10.2018 12:03 Uhr

Erneut sorgt die Rolle des Wehrmacht-Generalfeldmarschalls Rommel für Diskussionen. CDU-Politiker Tauber meint, Rommel sei mit dem Widerstand verbunden gewesen. Viele Historiker bezweifeln das.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Der CDU-Politiker Peter Tauber hat eine erneute Debatte über die Rolle von Erwin Rommel ausgelöst. Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium twitterte, vor 74 Jahren sei Rommel von den Nazis zum Selbstmord gezwungen worden. Kritiker warfen Tauber daraufhin vor, er stelle den "Lieblingsgeneral" von Adolf Hitler quasi als NS-Opfer dar.

In der "Bild"-Zeitung verteidigte Tauber seinen Tweet und betonte, Rommel habe "wiederholt verbrecherische Befehle" missachtet und sei dem Widerstand gegen Hitler verbunden gewesen.

"Rolle im Widerstand"

Ähnliches hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen 2017 behauptet. Dabei ging es um eine mögliche Umbenennung der "Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne" im nordrhein-westfälischen Augustdorf. Diese Kaserne sei "bewusst an einem Jahrestag des Widerstands" so benannt worden, sagte von der Leyen am 10. Juni 2017.

Das zeige, "dass Rommel seine Rolle auch im Widerstand gehabt hat", so von der Leyen. Angesichts dieser Geschichte sei beschlossen worden, die Kaserne nicht umzubenennen.

Von der Leyen über Rommel: "Wüstenfuchs" im Widerstand?

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Wichtige Figur der NS-Propaganda

Rommel war im Zweiten Weltkrieg Befehlshaber an verschiedenen Fronten. Auf den Kriegsschauplätzen wurde er von Propagandakompanien begleitet und so als "Wüstenfuchs" zu einer wichtigen Figur der NS-Propaganda. Rommels Erfolge in Afrika bewegten Joseph Goebbels und Adolf Hitler, ihn zum Volkshelden zu stilisieren.

Der Historiker Ernst Piper, der zahlreiche Publikationen zum Nationalsozialismus veröffentlicht hat, sagte im Gespräch mit dem ARD-faktenfinder, Rommels Rolle sei zwiespältig gewesen. Kontrovers sei vor allem, ob er möglicherweise von den Attentatsplänen auf Hitler gewusst habe - aber das sei "sehr fraglich", so Piper. Sicher sei: Rommel gehörte nicht zum Widerstand.

Der britische Historiker Richard Overy betonte im SWR ebenfalls, es sei sehr umstritten, ob Rommel Teil des militärischen Widerstands gewesen sei. "Es gab viele Soldaten, die den Widerstand vehement ablehnten, so Overy. Und dann habe es noch Soldaten gegeben, "die spätestens 1944 dachten, dass Hitler Deutschlands Zukunft aufs Spiel setze". Diese Soldaten hätten nichts dagegen gehabt, wenn irgendetwas passiere, seien aber nicht selbst bereit gewesen zu handeln, erklärt Overy. Er glaube, zu dieser Kategorie habe Rommel gehört.

Erwin Rommel (Mitte) und Adolf Hitler an der Front in Polen, September 1939

Der Historiker Peter Steinbach meint, Rommel habe "nur" Soldat sein wollen. Über die politischen, moralischen, menschlichen und rassenideologischen Dimensionen der Befehle, die er ausführte, habe er nie nachgedacht. Da sei er blind gewesen, so Steinbach. "Und das unterscheidet ihn von vielen Regimegegnern, die gerade in der Auseinandersetzung mit der Realität des Dritten Reichs ihre Anti-Position zu Hitler festigten."

"Verschwörung näher als angenommen"

Peter Lieb vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr meint hingegen in der "Bild"-Zeitung, man könne Rommel "zweifelsohne" als Opfer der Nazis sehen, auch wenn er "jahrelang im Bann Hitlers stand" und sich "von der NS-Propaganda instrumentalisieren ließ".

Lieb schrieb 2013 in dem Aufsatz "Widerstandskämpfer oder Nationalsozialist?: Rommel sei "sicherlich keine zentrale Persönlichkeit des 20. Juli" gewesen, doch zeige "eine Vielzahl von teils neuen Indizien, dass er der Verschwörung deutlich näher stand, als in letzter Zeit angenommen wurde".

"Wohl noch als hitlertreuer General angesehen"

In einer SWR-Dokumentation aus dem Jahr 2014 wurde ausführlich die Frage untersucht, wie viel Rommel von den Attentatsplänen auf Hitler gewusst haben könnte. Darin heißt es:

Im Mai 1944 kommt Rommel mit Carl-Heinrich von Stülpnagel zusammen, 1944 Militärbefehlshaber in Frankreich und Mitverschwörer Stauffenbergs. Beide treffen sich in einem Landhaus vor den Toren vor Paris. Ob Stülpnagel Rommel dabei auf Attentatsvorhaben angesprochen hat, ist unbekannt, der Inhalt des Gesprächs ist nicht überliefert. Dagegen spricht, dass Rommel zu dieser Zeit von den Verschwörern wohl noch als hitlertreuer General angesehen wurde, der davon überzeugt schien, den Versuch einer alliierten Invasion erfolgreich abwehren zu können.

Anders ist die Lage dann am 9. Juli 1944, als der Mitverschwörer Caesar von Hofacker Rommel in dessen Hauptquartier in La Roche-Guyon aufsucht. Zu diesem Zeitpunkt ist die Landung der Alliierten nicht nur geglückt, sondern es droht sogar ein rascher Zusammenbruch der gesamten deutschen Westfront.

Im Zuge der Debatte im Jahr 2017 teilte das Bundesverteidigungsministerium auf Anfrage des ARD-faktenfinder nicht mit, welche Rolle Rommel "auch im Widerstand" gehabt haben solle. Es sei nicht die Aufgabe des Ministeriums, eine geschichtswissenschaftliche Diskussion zu führen.

Rolle höchst umstritten

Zusammengefasst: Die Aussagen von Tauber und von der Leyen sind zumindest fragwürdig. Dass Rommel "seine Rolle auch im Widerstand" hatte, beziehungsweise mit dem Widerstand verbunden gewesen sei, ist keineswegs bewiesen, sondern unter Historikern höchst umstritten.

Zudem hatte Rommel erst unter Hitler eine steile Karriere gemacht und wurde zu einer wichtigen Figur der Nazi-Propaganda aufgebaut. Unter anderem der Historiker Götz Aly wies darauf hin, dass Rommel 1943 unverblümt zu Verbrechen an italienischen Soldaten und Zivilisten aufgerufen habe. Zu Rommels Krieg habe es auch gehört, revolutionäre Aktionen der "arabischen Freiheitsbewegung" zu entfachen und diese mit hemmungsloser antisemitischer Propaganda anzustacheln.

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