Jens Spahn | Bildquelle: dpa

Spahn-Aussagen Mehr Therapeuten, längere Wartezeiten?

Stand: 24.01.2019 14:24 Uhr

Gesundheitsminister Spahn hat behauptet, je mehr Psychotherapeuten es in einer Region gebe, desto länger seien die Wartezeiten. Als Beispiel nannte er Freiburg. Ärzteverbände widersprechen.

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Patrick Gensing, tagesschau.de

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

In der Debatte über Wartezeiten bei Psychotherapeuten hat die Bundespsychotherapeutenkammer Gesundheitsminister Jens Spahn falsche Aussagen vorgeworfen. So hatte der CDU-Politiker am 26. September 2018 im Bundestag ausgeführt:

Die Stadt mit dem höchsten Versorgungsgrad im psychotherapeutischen Bereich in Deutschland ist Freiburg; die Stadt mit den längsten Wartezeiten ist Freiburg. Deswegen - die meisten Psychotherapeuten und die längsten Wartezeiten - scheint die Versorgungssteuerung da noch ausbaufähig zu sein.

Ähnlich äußerte er sich am 12. Dezember im ARD-Morgenmagazin. Dort sagte Spahn, in den Regionen mit den meisten Psychotherapeuten gebe es die längsten Wartezeiten.

Die Psychotherapeutenkammer betont, dies sei falsch. Dort, wo es mehr Therapeuten gebe, seien die Wartezeiten kürzer. In Großstädten, in denen mehr Therapeuten zugelassen seien als auf dem Land, warteten psychisch kranke Menschen deutlich kürzer auf eine Behandlung: In Berlin seien es beispielsweise 13,4 Wochen, im Saarland hingegen 23,6 Wochen.

Im Bundesdurchschnitt liege die Zahl bei 19,9 Wochen; diesen Wert nennt das Bundesgesundheitsministerium auch selbst in einer Mitteilung zum Thema.

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Wartezeiten in Freiburg deutlich kürzer

Die Zahlen stammen aus einer Studie der Psychotherapeutenkammer vom April 2018. Demnach müssen Patienten im bundesweiten Durchschnitt 5,7 Wochen auf eine Sprechstunde warten. Bei Akutbehandlungen liege die Wartezeit bei mehr als drei Wochen, bei einer Richtlinienpsychotherapie bei den erwähnten 19,9 Wochen, wobei das Ruhrgebiet mit fast 30 Wochen negativ heraussticht.

In Freiburg beträgt die Wartezeit auf einen ersten Termin in der Sprechstunde demnach lediglich 3,4 Wochen und auf einen Behandlungstermin 12,5 Wochen - also deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt. Die Behauptung von Spahn ist demnach falsch. Auf eine Anfrage des ARD-faktenfinder, auf welche Quelle sich der Minister bezogen habe, verwies das Bundesgesundheitsministerium auf eine Antwort der Bundesregierung vom 22. Januar 2019. Darin bezieht sich die Regierung vor allem auf die bereits erwähnte Studie der Psychotherapeutenkammer. Eigene Daten würden nicht erhoben.

Die Grafik zeigt: In Metropolen wie Berlin und Hamburg ist die Wartezeit auf einen ersten Termin bei einem Psychotherapeuten deutlich kürzer. (Quelle: Studie der Psychotherapeutenkammer)

Erzeugen mehr Ärzte mehr Nachfrage?

Spahns Äußerungen legen zudem den Schluss nahe, dass eine hohe Zahl von Psychotherapeuten eine erhöhte Nachfrage erzeuge. Einen Beleg dafür gibt es allerdings nicht. Das ZDF hatte beim Ministerium danach gefragt und als Antwort einen Verweis auf eine "Studie" der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg erhalten, dazu eine Auswertung der Zahl der Psychotherapeuten und Sprechstunden. In einem separaten Dokument, dessen Urheber nicht zu erkennen sei, wurde dem ZDF zufolge dann die vermeintliche Untersuchung so zusammengefasst: "Je mehr Psychotherapeuten pro Einwohner, je höher die Nachfrage nach Psychotherapie-Leistungen."

Eine Nachfrage bei der Kassenärztlichen Vereinigung ergab allerdings, dass man dort diese "Studie" gar nicht kenne. Die vom Ministerium präsentierten Daten seien zwar von der Vereinigung - mit der Auswertung habe man aber nichts zu tun. Zudem wies die Vereinigung die Schlussfolgerung und These von Spahn zurück: "Dass sich die Nachfrage nach Psychotherapie durch ein höheres Angebot erhöht, bestreiten wir. Das lässt sich aus unseren Abrechnungsdaten auch nicht herleiten", sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung.

Fragwürdige Zahl zu Hausärzten

Spahn behauptete am 12. Dezember im ARD-Morgenmagazin außerdem: "Wir haben heute so viele Psychotherapeuten zugelassen zur Versorgung wie Hausärzte."

Die Psychotherapeutenkammer weist auch diese Behauptung zurück: In Deutschland gebe es mehr als doppelt so viele Hausärzte wie Psychotherapeuten. Am 31. Dezember 2017 waren genau 51.914 Praxissitze für Hausärzte zugelassen - und 23.717 Praxissitze für Psychotherapeuten.

Spahn korrigiert sich

Auf Anfrage des ARD-faktenfinder erklärte das Gesundheitsministerium, Spahn habe seine Aussage am 14. Januar im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages korrigiert. Dort sagte Spahn:

Nein, die Zahl stimmt - bezogen auf die reine Zahl der zugelassenen Psychotherapeuten - so nicht. Da muss ich mich korrigieren. Wenn ich aber andere, die in diesem Bereich tätig sind, hinzuziehe - es gibt ja auch Psychiater und andere, die Therapien anbieten, dann verändert sich die Zahl natürlich. Ich wollte - und lasse jetzt den Vergleich mit den Hausärzten mal weg - eigentlich nur zeigen, dass die Zahl der Psychotherapeuten in den letzten Jahren sehr stark gewachsen ist.

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