Horst Seehofer | Bildquelle: dpa

Ankündigung eines Rücktritts Seehofer sorgt für Verwirrung

Stand: 02.07.2018 12:01 Uhr

Seehofer tritt zurück: Diese Meldung verbreitete sich am Sonntagabend rasend schnell. Wenig später wurde bekannt: Er bleibt doch im Amt - vorerst. Die Verwirrung vieler Nutzer war groß. Aber wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Lage?

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Die Lage am Sonntagabend war äußerst angespannt und unübersichtlich. Im Streit zwischen CSU und CDU schien sich keine Lösung abzuzeichnen. Um 22:43 Uhr meldete dann die dpa, Horst Seehofer wolle zurücktreten:

München (dpa) - Im erbitterten Asyl-Streit mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will Bundesinnenminister und CSU-Chef Horst Seehofer beide Ämter aufgeben. Das sagte er am Sonntag in einer CSU-Vorstandssitzung in München, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

Um 22:45 Uhr veröffentlichte dann die Nachrichtenagentur AFP eine Eilmeldung:

München (AFP) - Seehofer tritt als CSU-Chef und Minister zurück (Parteikreise)

In ihrer Sendung griff Anne Will diese Meldungen aktuell auf - und sagte, Seehofer sei offenbar bereit, zurückzutreten. tagesschau.de verschickte um 22:51 Uhr eine Eilmeldung, wonach Seehofer offenbar zurücktritt.

Auch viele andere Medien veröffentlichten ähnliche Meldungen. In sozialen Medien wurde von vielen Nutzern interpretiert, der Minister sei bereits zurückgetreten. Doch dies war nicht der Fall, wie schnell klar wurde. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete beispielsweise um 22:57 Uhr:

München, 01. Jul (Reuters) - Horst Seehofer will offenbar seine Ämter als Bundesinnenminister und als CSU-Vorsitzender zur Verfügung stellen. Das verlautete am Sonntagabend aus Parteikreisen. Sitzungsteilnehmern zufolge soll es noch Bemühungen geben, Seehofer umzustimmen.

Zuvor hatte Seehofer drei Optionen für das weitere Vorgehen skizziert: Als erste Option habe er genannt, die Forderungen der CSU aufzugeben. Als zweite Option dann habe Seehofer seine Handlungsoptionen als Bundesinnenminister benannt, berichtete der CSU-Politiker Andreas Lenz bei Twitter. Die dritte Option sei das Angebot des Rücktritts als Bundesinnenminister und Parteivorsitzender gewesen.

Unsicherheit unter Teilnehmern

BR-Reporter Julian von Löwis erläuterte in den tagesthemen, dass es unterschiedliche Meldungen gebe - aber noch keine offiziellen Stimmen. Daher sollte man auf eine Stellungnahme warten. Von Löwis bestätigte, dass es auch unter den Teilnehmers der CSU-Sitzung unterschiedliche Darstellungen gebe, was Seehofers Ankündigung angeht.

Julian von Löwis, BR, zum Rücktrittsangebot von Seehofer
tagesthemen 23:15 Uhr, 01.07.2018

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Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, das Rücktrittsangebot von Seehofer sei von den Teilnehmern unterschiedlich interpretiert worden. Der CSU-Vorsitzende und Bundesinnenminister habe mit seiner politischen Karriere abgeschlossen, sagten die einen. Andere wiederum hielten einen taktischen Schachzug für möglich, um die CSU hinter sich zu scharen und Kritiker des harten Asylkurses zu disziplinieren.

"Zwischenschritt"

Am frühen Montagmorgen verließ Seehofer dann die CSU-Zentrale in München. Vor Journalisten gab er eine kurze Erklärung zum weiteren Vorgehen ab. Wörtlich sagte Seehofer:

Ich habe ja gesagt, dass ich beide Ämter zur Verfügung stelle, dass ich das in den nächsten drei Tagen vollziehe. Und dass wir aber jetzt noch mal einen Zwischenschritt einlegen zu einer Verständigung mit der CDU. Alles Weitere wird dann entschieden nach dem Gespräch mit der CDU.

Tatsächlich hatte Seehofer also gesagt, dass er zurücktrete. Als ein Zwischenschritt solle es aber noch ein Gespräch mit der CDU geben. Dies sei ein "Entgegenkommen" von ihm, so der Innenminister.

Keine Falschmeldung

Die Meldung, Seehofer tritt zurück, war also keine Falschmeldung, sondern zu diesem Zeitpunkt zutreffend. Der CSU-Chef hatte dies angekündigt, wie er später selbst bestätigte. Allerdings wurde diese Ankündigung selbst unter den Teilnehmern der Sitzung unterschiedlich interpretiert.

Im Verlauf des späten Abends wurde der CSU-Chef dann offenbar umgestimmt oder entschied selbst, dass es doch noch ein Gespräch mit der CDU geben solle. Dieses Treffen soll heute Nachmittag stattfinden. tagesschau.de berichtet über die aktuelle Entwicklung im Liveblog.

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