Plakat von SED und Bildmontage

Bildmontage im Wahlkampf CDU-Slogan landet auf altem SED-Plakat

Stand: 30.08.2017 11:12 Uhr

Der Wahlkampfslogan der CDU 2017 - fast wortgleich mit einem Plakat für den SED-Parteitag 1986? Ein bei Facebook verbreitetes Foto suggeriert das, ist aber eine Bildmontage. Und ein weiteres SED-Plakat zeigt auch nicht Angela Merkel.

Von Fiete Stegers, NDR und Melanie Bender, WDR

Ihr Wahlkampfmotto "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben." hat der CDU wegen seiner offiziellen Abkürzung #fedidwgugl schon manchen Spott beschert.

Da schien es für viele Internet-Nutzer ins Bild zu passen, was die Facebook-Seite "Politik & Zeitgeschehen" mit stattlichen 215.000 Fans am Dienstag im Netz verbreitete: Ein aktuelles CDU-Wahlplakat mit Kanzlerin Angela Merkel – kombiniert mit einem Foto eines Großplakats, das fast wortgleich für den XI. Parteitag der DDR-Staatspartei SED warb: "Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben." Tausende Nutzer verbreiteten die Gegenüberstellung weiter oder klickten auf "Gefällt mir". Aber das zweite vermeintliche schwarz-weiße Beweisfoto ist eine Bildmontage.

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#bildbeweis

Poster mit Slogan XI. SED Parteitag 1981 - Fälschung?
Poster mit Slogan XI. SED Parteitag 1981

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Das Originalfoto ist hingegen in Farbe. Es stammt zwar nach Angaben des Fotografen Marco Moerland aus der DDR. Der XI. Parteitag der SED fand dort vom 17. bis 21. April 1986 statt. Moerland zufolge wurde das Bild aber bereits am 1. Juli 1981 gemacht. Und vom XI. Parteitag ist auf dem Plakat auf seinem Foto natürlich noch keine Rede.

Stattdessen lauten die Parolen im Original "Alles zum Wohl des Volkes" und "Alle Kraft zur Stärkung unseres sozialistischen Vaterlandes, der deutschen Demokratischen Republik." In der Fälschung wird außerdem eine völlig andere Schriftart verwendet, die verdächtig an "Times" erinnert, die zu den Standard-Schriftarten des PC-Zeitalters gehört.

Das Original aus Flickr geklaut

Fotograf Moerland hatte das Bild vor vier Jahren in der Foto-Community Flickr hochgeladen, wo er Fotos von seinen Reisen veröffentlicht – vor allem von Straßenbahnen und Zügen. "Seit 1972 reise ich, um überall in der Welt Straßenbahnen zu fotografieren", sagte der Niederländer dem ARD-faktenfinder.

"Das Propagandaschild habe ich bei meiner zweiten DDR-Reise in Nordhausen aufgenommen. Wegen der Straßenbahn-Besuche kam man auf weniger touristisch aufgeschlossene Stellen. Nebenbei habe ich also Alltagsbilder gemacht wie das Bild des Schildes." Rückblickend seien dies interessante Zeitpunkte, so Moerland. Für ihn als Student habe die DDR schon damals wie eine Zeitmaschine gewirkt.

Vom ARD-faktenfinder auf die Zweckentfremdung seines Bildes aufmerksam gemacht, sagt Moerland: "Ich bin mir bewusst, dass wenn ich Bilder veröffentliche, diese Bilder auch geklaut oder missbraucht werden. Die Alternative wäre, dass ich nichts mit den Bildern mache. Aber das wäre auch schade."

Erst oft geteilt - dann gelöscht

Die Facebook-Seite "Politik & Zeitgeschehen" hat eine Anfrage des ARD-faktenfinders zur Herkunft der Bild-Montage noch nicht beantwortet, aber nach Hinweisen von Usern reagiert. In ihrem ergänzten Eintrag verwies die Seite zunächst darauf, einer Fälschung aufgesessen zu sein. Das Foto selbst blieb aber stehen und wurde weitere tausende Male geteilt, bis die Seite es später löschte.

Auch der AfD-Bezirksverband Hamburg Nord, der das Foto auf Twitter verbreitet hatte, entfernte diesen Eintrag später. Andere Nutzer schrieben hingegen – wie so oft bei Fake News - ob das SED-Plakat echt sei, sei doch zweitrangig – die Politik der Bundeskanzlerin sei jedenfalls falsch.

SED-Wahlplakat: nicht das erste Mal

Eine Traktoristin in der DDR auf einem Plakat aus dem Jahr 1981 aus dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig. | Bildquelle: Gerhard Hammer und Olaf Brauer

2015 war Merkel schon einmal in Zusammenhang mit einem Parteitagsplakat der SED gebracht worden - allerdings einem echten. Das Foto einer Traktoristin in Latzhose, die für den 10. Parteitag die Losung "Alles zum Wohl des Volkes - das schaffen wir!" ausgibt, erinnerte nicht nur "Welt"-Autor Henryk M. Broder an die Frisur der Kanzlerin. Das Motiv ist als historisches Dokument in mehreren Museen mit den Namen von Fotograf und Grafiker katalogisiert - aber die Kanzlerin ist darauf natürlich nicht abgebildet.

Trotzdem wird auch dieses Plakat wieder zigfach geteilt und gepostet. Wahrscheinlich vor allem wegen der Nähe der Losung zu Merkels Ausspruch in der Flüchtlingskrise 2015: "Wir schaffen das!"

Immer wieder werden Wahlplakate gefälscht. Teils offen als Satire, teils als bewusstes Mittel der Manipulation. Zuletzt ist dies mit einem CDU-Plakat geschehen, das aktuell in sozialen Medien geteilt wird. Darauf zu sehen, ist ein Sarg mit dem Aufruf der CDU zur Briefwahl "Falls am Wahltag etwas dazwischen kommt". Im Original wurde der Slogan mit einem Senioren kombiniert. Wie der Verein Mimikama nachwies, stammt das Foto mit dem Sarg von der dpa.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. August 2017 um 14:08 und 15:50 Uhr.

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