Polizeieinsatz | Bildquelle: dpa

Fragen und Antworten Was verrät die Kriminalstatistik?

Stand: 08.05.2018 10:42 Uhr

Welche Angaben und Daten enthält die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS)? Welche Schlüsse lassen sich aus ihr ziehen - und wo ist ihre Aussagekraft begrenzt? Von Andrej Reisin.

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Von Andrej Reisin, NDR

Welche Straftaten werden von der PKS erfasst?

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) erfasst alle von der Polizei bearbeiteten Straftaten, sowohl vollendete wie auch solche, bei denen es lediglich beim strafrechtlich relevanten Versuch geblieben ist. In der PKS finden sich die absoluten Zahlen aller Straftaten und Tatverdächtigen, als auch die relativen Zahlen, die über die Häufigkeit von Straftaten in Bezug zur Anzahl der Einwohner oder Angehöriger bestimmter Gruppen (Altersgruppen, Geschlecht, Nationalität) Aufschluss geben. Letzteres ist besonders wichtig, um die Vergleichbarkeit der Zahlen über Jahre hinweg zu gewährleisten.

Denn die absolute Anzahl an Straftaten hängt auch von äußeren Faktoren wie zum Beispiel dem Anstieg oder der Abnahme der Gesamtbevölkerung ab. Im Zusammenhang mit starker Zuwanderung sind diese relativen Zahlen besonders relevant, denn mehr Menschen begehen insgesamt auch mehr Straftaten.

Welche Kriminalitätsbereiche fehlen in der PKS?

Folgende wesentliche Gruppen von Straftaten sind nicht in der PKS enthalten: Verkehrsdelikte, Staatsschutzdelikte sowie Zoll- und Steuerstraftaten. Im Hinblick auf Verkehrsdelikte fehlt damit bereits ein großer Teil (rund 50 Prozent) aller Straftaten. Vermieden werden soll damit eine zu starke Abhängigkeit der PKS allein von möglichen Schwankungen bei Verkehrsdelikten. Zoll- und Steuerstraftaten, die in der Regel nicht zum Aufgabenbereich der Polizei gehören und unmittelbar bei der Staatsanwaltschaft angezeigt und bearbeitet werden, fehlen aus diesem Grunde ebenfalls in der PKS. Staatsschutzdelikte werden gesondert erfasst - und teilweise in einem Sonderbericht zur "Politisch Motivierten Kriminalität" (PMK) ausgewiesen.

Was bedeutet "Ausgangs-Statistik" im Hinblick auf die PKS?

Die PKS enthält alle angezeigten Straftaten, die der Polizei bekannt geworden sind und durch sie "endbearbeitet" wurden. Das bedeutet, dass die Fälle erst dann in die PKS Eingang finden, wenn die Polizei eine Straftat ausermittelt und an die Staatsanwaltschaft abgegeben hat. Auch eine Straftat, die nicht aufgeklärt werden konnte, weil kein Täter ermittelt wurde, findet Eingang in die PKS. Stellt sich dagegen im Laufe der polizeilichen Ermittlungen heraus, dass sich ein Tatverdacht nicht erhärten lässt, also gar keine Straftat vorliegt, so findet die Anzeige auch keinen Eingang in die PKS.

Welchen Zeitraum umfasst die PKS?

Aus der Definition einer Ausgangs-Statistik ergibt sich, dass die PKS nicht die Anzahl der in einem Jahr begangenen, sondern polizeilich ausermittelten Straftaten widerspiegelt. Das heißt, dass die PKS eines jeden Jahres zahlreiche Fälle enthält, die sich bereits im Jahr zuvor oder noch früher zugetragen haben können.

Was sind die Unterschiede zwischen PKS und anderen Kriminalstatistiken?

Regelmäßig unterscheidet sich die PKS erheblich von anderen Kriminalitätsstatistiken wie zum Beispiel der Strafverfolgungsstatisik des Statistischen Bundesamtes. Dabei gilt die Faustregel: Nicht alles Angezeigte wird aufgeklärt, nicht alles Aufgeklärte wird angeklagt und nicht alles Angeklagte wird verurteilt. Oftmals kommen Staatsanwaltschaften zu anderen Einschätzungen als die Polizei, im Hinblick darauf, ob der vorliegende Tatverdacht für eine Anklagerhebung und Verurteilung ausreicht. Insgesamt werden nur ungefähr 30 Prozent aller Tatverdächtigen auch verurteilt. All diese Ergebnisse finden aber keinen Eingang mehr in die PKS. Sie lässt sich daher nicht mit den Statistiken der Justiz abgleichen.

Was ist mit Hell- und Dunkelfeld gemeint?

Die PKS beschäftigt sich ausschließlich mit dem sogenannten "Hellfeld" der polizeilich bekanntgewordenen Kriminalität. Sie erfasst nicht das "Dunkelfeld" der Straftaten im Verborgenen, die gewissermaßen "erfolgreich" verübt wurden - ohne von der Polizei entdeckt oder bei ihr angezeigt zu werden.

In einigen Deliktsgruppen wie zum Beispiel sexuelle Belästigung oder Kindesmissbrauch, gilt ein großes Dunkelfeld in der kriminologischen Forschung als sehr wahrscheinlich, da Straftaten von den Opfern zum Beispiel aus Scham oder aufgrund von Abhängigkeitsverhältnissen entweder gar nicht oder erst Jahre später zur Anzeige gebracht werden. Auch sogenannte Kontrolldelikte, die im Wesentlichen erst durch polizeiliches Handeln Eingang in die Statistik finden, können eine hohe Dunkelziffer aufweisen. Dazu gehören Rauschgiftdelikte, Korruption, Schwarzfahren, Ladendiebstahl oder das Erschleichen von Sozialleistungen.

Gibt die PKS verlässlich Auskunft über die Kriminalitätsentwicklung?

Die PKS beruht auf dem Erkenntnisstand bei Abschluss der polizeilichen Ermittlungen. Sie unterliegt zahlreichen Einflüssen, die ihre Aussagekraft begrenzen. Dazu gehören zum Beispiel das Anzeigeverhalten der Bevölkerung. Dieses kann je nach gesellschaftlichen Entwicklungen stark variieren. Auch Versicherungsaspekte können Auswirkungen auf das Anzeigeverhalten haben.

Die Kontrollintensität der Polizei hat ebenfalls maßgeblichen Einfluss auf die Statistik. Eine hohe Polizeipräsenz führt in aller Regel auch zu mehr aufgedeckten und angezeigten Straftaten. Dies gibt aber keine Auskunft darüber, ob die tatsächliche Zahl der Straftaten gestiegen ist - oder lediglich diejenigen, die der Polizei bekannt geworden sind. Laut Bundeskriminalamt bietet die PKS "somit kein getreues Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit, sondern eine je nach Deliktsart mehr oder weniger starke Annäherung an die Realität."

Warum ist der Vergleich Deutsche/Nichtdeutsche Täter kompliziert?

Es gibt in der kriminologischen Forschung sehr konstante und belastbare Indikatoren für eine erhöhte Kriminalität: Erstens gibt es einen Kriminalitätsschwerpunkt in jüngeren Altersgruppen. Zweitens sind rund 75 Prozent aller Tatverdächtigen männlich - bei Gewaltkriminalität sogar ca. 85 Prozent. Drittens spielt die soziale Lage der Täter eine entscheidende Rolle: Je prekärer die soziale Lage, desto höher ist die Anfälligkeit für Kriminalität.

Die PKS weist in vielen Deliktsbereichen eine signifikant höhere Zahl an nichtdeutschen Tatverdächtigen auf als ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Daraus wird häufig die einfache Schlussfolgerung gezogen, wonach "Ausländer krimineller als Deutsche" seien.

Doch die Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ), die die Anzahl der Tatverdächtigen auf 100.000 Einwohner wiedergibt, kann für die Gruppe nichtdeutscher Tatverdächtiger nicht seriös berechnet werden, "da die Bevölkerungsstatistik bestimmte Ausländergruppen, die in der PKS als nichtdeutsche Tatverdächtige gezählt werden, wie beispielsweise Personen ohne Aufenthaltserlaubnis, Touristen/Durchreisende, Besucher, Grenzpendler und Stationierungsstreitkräfte, nicht enthält", wie es dazu in der PKS heißt.

Das BKA führt dazu weiter aus: Die Daten "lassen keine vergleichende Bewertung der Kriminalitätsbelastung von Deutschen und Nichtdeutschen zu. Einem wertenden Vergleich zwischen der deutschen Wohnbevölkerung und den sich in Deutschland aufhaltenden Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit stehen (auch) das doppelte Dunkelfeld in der Bevölkerungs- und in der Kriminalstatistik sowie der hohe Anteil ausländerspezifischer Delikte und die Unterschiede in der Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur entgegen."

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