Merkel wird zu Flüchtlingspolitik angehört | Bildquelle: dpa

"Bild"-Umfrage Merkel ganz allein?

Stand: 14.06.2018 15:19 Uhr

"Merkel ganz allein" - so titelt die "Bild": Nur drei Unions-Abgeordnete würden sich im Asyl-Streit hinter die Kanzlerin stellen. Allerdings hatten sich die meisten gar nicht geäußert.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder, und Konstantin Kumpfmüller, MDR

Der Streit zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Horst Seehofer hat sich weiter zugespitzt. Die CSU fordert einen deutschen Alleingang; Merkel bat um Vertrauen, um bis Ende des Monats eine gemeinsame Asylregelung der EU zu erreichen.

Die Union scheint bei der Frage gespalten. Doch wie viele Abgeordnete sich tatsächlich gegen Merkel stellen würden, ist unklar.

Die "Bild"-Zeitung behauptet allerdings, Merkel sei "ganz allein". Nur drei Abgeodnete der Union hätten sich hinter die Kanzlerin gestellt. In der Online-Ausgabe der "Bild" heißt es:

Es ist die Frage, die zurzeit das ganze Land bewegt - und an der die GroKo zerbrechen könnte! Sollen Asylsuchende, die bereits in anderen EU-Ländern registriert sind, an den deutschen Grenzen zurückgewiesen werden? BILD fragte alle Unions-Abgeordneten des Bundestags, ob sie FÜR oder GEGEN eine Zurückweisung von bereits registrierten Flüchtlingen sind. Wie sie antworteten, und wer noch Rückendeckung für Merkel oder Seehofer gab, lesen Sie mit BILDplus.

Nur 69 von 246 Abgeordneten haben geantwortet

In der Print-Ausgabe erfährt man hingegen auf der zweiten Seite immerhin, welche Abgeordneten sich hinter Merkel gestellt hatten. So schreibt die "Bild":

Von den 246 Bundestagsabgeordneten der Unionsfraktionen stellten sich lediglich Sybille Benning, Antje Tillmann und Kees de Vries (alle CDU) hinter die Haltung der Kanzlerin.

Was man allerdings erst auf der dritten Seite erfährt: Von den 246 angefragten Abgeordneten hatten überhaupt nur 69 geantwortet - die meisten davon CSU-Politiker. Aber auch der CDU-Politiker Gunther Krichbaum wird von der "Bild" als Unterstützer des CSU-Kurses ausgewiesen. Allerdings legte Krichbaum in einer Anmerkung Wert auf die Feststellung, er sei für die Zurückweisung, wenn in den kommenden zwölf Monaten keine europäische Lösung gefunden werde. Doch genau das will Merkel erreichen.

Aber warum haben so viele Abgeordnete nicht auf die "Bild"-Anfrage geantwortet? Während die CSU eine klare Haltung formuliert hat, sucht die CDU noch nach einer gemeinsamen Position. Aus Unionskreisen hieß es dazu, man habe nicht auf die Anfrage reagiert, weil man die Frage zunächst intern diskutieren wollte.

Rückendeckung aus dem Präsidium

Klar ist: Merkel steht unter Druck. "Ganz allein" scheint sie aber keineswegs zu sein, so wie es der Aufmacher der "Bild"-Zeitung suggeriert. Oliver Köhr aus dem ARD-Hauptstadtstudio berichtete, tatsächlich seien die Reihen in der eigenen Fraktion nicht gänzlich geschlossen. Das Präsidium der CDU habe sich aber bis auf eine Ausnahme hinter Merkel gestellt.

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