CSU-Chef Horst Seehofer und Generalsekretär Markus Blume | Bildquelle: dpa

Meinungsumfrage CSU bundesweit bei 18 Prozent?

Stand: 22.06.2018 13:57 Uhr

Würde die CSU bundesweit zur Wahl antreten, bekäme sie 18 Prozent, so ein aktueller Meinungstrend. Doch wie aussagekräftig kann so eine Meinungsumfrage sein?

Von Konstantin Kumpfmüller, MDR

Die CSU als bundesweite Partei - ein Szenario, das in der Auseinandersetzung zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer auftaucht - nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Union. In den 1970er-Jahren drohte die CSU um Franz Josef Strauß eine bundesweite Konkurrenzpartei zur CDU aufzubauen. Der Plan wurde aber schnell wieder aufgegeben.

Würde die CSU diese Pläne heute in die Tat umsetzen, könnte sie bundesweit auf 18 Prozent der Stimmen hoffen. Das ist zumindest das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinsituts INSA.

Die CDU käme dann der Umfrage zufolge auf 22 Prozent, die Unionsparteien insgesamt also auf 40 Prozent. Zum Vergleich: Der INSA-Meinungstrend sieht CDU/CSU derzeit bei 29 Prozent. In diesem Szenario verlöre vor allem die AfD Stimmen. Sie käme statt auf 16 nur noch auf elf Prozent der Stimmen. Die SPD erreichte in der "alternativen Sonntagsfrage" 17 Prozent, die FDP sechs, die Grünen zehn und die Linke zwölf Prozent.

Aussage über eine Partei, die es nicht gibt

Den Ergebnissen der INSA-Umfrage liegt eine Online-Befragung mit 2000 Personen ab 18 Jahren zugrunde. Der Umfragetext lautete:

Aktuell bilden CDU und CSU eine gemeinsame Fraktion im Bundestag. Sollte es zu einem Bruch zwischen den beiden Parteien kommen, wäre es möglich, dass die CDU auch in Bayern und die CSU in den restlichen Bundesländern jeweils als eigenständige Parteien gewählt werden können. Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahlen unter diesen Bedingungen wären, wie würden Sie wählen?

Heiko Gothe vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap findet diese Fragestellung problematisch. Dadurch, dass kurz vor der Fragestellung von CDU und CSU die Rede ist, während andere Parteien nicht auftauchen, könnte die Entscheidung stark beeinflusst werden. Durch dieses Framing ergebe sich eine Verschiebung zugunsten der beiden Unionsparteien, sagte Gothe dem ARD-faktenfinder.

Die Fragestellung, ob die Befragten eine Partei wählen wurden, die es so noch gar nicht gibt, sei außerdem viel zu hypothetisch.

Mit der Abfrage von Parteien, die bisher im jeweiligen Wahlgebiet gar nicht wählbar sind und mit denen die befragten Personen gar keine Erfahrung haben, wird der hypothetische Charakter massiv gesteigert und die Befragten letztlich überfordert.

Die Umfrage des Instituts gebe zwar ein Stimmungsbild wieder, aber keine Prognose, betont Anton Reiter, Leiter des Projektmanagments bei INSA, gegenüber dem ARD-faktenfinder.

Sollte der Fall also tatsächlich eintreten, dass CDU und CSU bundesweit getrennt zu einer Bundestagswahl antreten, ändert sich auch die konkrete Sachlage, es gibt Wahlkampf und die anderen Parteien agieren auch. Das macht es nicht möglich, eine Prognose auf Basis dieses Umfrageergebnisses zu treffen, auch wenn es durchaus ein valides Abbild der derzeitigen Meinungslage ist.

Trotzdem werden die Umfragen in zahlreichen Artikeln als Vorhersage für den Fall eines Zerwürfnis der Unionsparteien gewertet. "Bild.de" schreibt beispielsweise "Umfrage prognostiziert der Partei bundesweit 18 Prozent".

Umfragen beeinflussen Politik

Der Kommunikationswissenschaftler Carsten Reinemann von der Ludwig-Maximilians-Universität München hält diese Umfragen für mehr als nur ein Spiegelbild der aktuellen Stimmungslage. Ihre Veröffentlichung in den Medien beeinflusse auch die Meinungsbildung.

Gerade Menschen, die sich nicht viel mit einem Thema beschäftigen, können aus Umfragen den Schluss ziehen: Wenn so viele das für richtig halten, dann kann es so falsch nicht sein.

Andersherum beeinflussten Umfragen auch die Politik. Sie könnten dazu führen, dass Politiker Meinungen der Bürger als gegeben betrachten und gar nicht mehr versuchen würden, für ihre eigenen Positionen zu werben. Und das sei für einen demokratischen Diskurs hochproblematisch.

Trotz aller Schwächen: Meinungsumfragen seien ein wichtiges Instrument zur politischen Stimmungsmessung, meint ARD-Wahlexperte Jörg Schönenborn. Sie müssten aber richtig eingeordnet werden.

Was ich mir wünsche, ist ein bisschen Grundverständnis dafür, dass man Umfragen sehr wissenschaftlich, sehr klug, sehr methodisch ausgefeilt machen kann, aber eben auch sehr schlicht, und damit auch sehr irreführend.

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