Zeitschriften an einem Kiosk | Bildquelle: picture alliance / dpa

Studie zur Mediennutzung AfD-Wähler misstrauen Medien am stärksten

Stand: 06.10.2017 15:12 Uhr

Wie glaubwürdig sind Medien? Eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung hat festgestellt, dass viele Bürger dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Qualitätsmedien vertrauen. Allerdings wächst die Zahl von Menschen, die Medien stark misstrauen; besonders groß ist der Anteil unter AfD-Wählern.

Das Vertrauen in Medien bleibt in Deutschland insgesamt hoch. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung, die Wissenschaftsstiftung der IG Metall. Die Forscher stellten darin fest, dass die Glaubwürdigkeit der Medien und das Vertrauen in demokratische Institutionen eng gekoppelt seien: So sind lediglich 18 Prozent der Menschen, die Medien misstrauen, mit der Demokratie zufrieden. Ein weiteres Ergebnis: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sowie Qualitätszeitungen schaffen Medien- und Demokratievertrauen. Dafür stellt das Internet mit seinen "Echokammern" eine große Herausforderung dar.

Die Studie belegt somit eine gesellschaftliche Polarisierung bei der Mediennutzung und Demokratiezufriedenheit: Einerseits bleibe zwar die Glaubwürdigkeit der Medien vergleichsweise stabil und hoch - andererseits wachse aber auch der Anteil derjenigen, die Medien kaum glauben. Diejenigen Milieus, die sich durch Ablehnung der demokratischen Grundwerte auszeichnen, sind auch durch ein starkes Misstrauen gegenüber allen Medien geprägt.

Boulevard und Internet-Medien wenig vertrauenswürdig

Das Vertrauen in Medien ist sehr unterschiedlich ausgeprägt: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Tageszeitungen erzielen nach wie vor hohe Werte. Allerdings sind diese zum Beispiel in den antidemokratisch-autoritären Milieus deutlich auf unter 40 Prozent gesunken. Die Boulevardpresse und vor allem das Internet sind weit abgeschlagen - quer durch alle Milieus glaubt nur jeder Fünfte, was dort zu lesen ist.

"Menschen, die den klassischen Medien misstrauen, informieren sich öfter über das Internet - und misstrauen auch den dortigen Nachrichten", stellt der Studienleiter Oliver Decker fest. Man sehe "hier ganze politische Milieus, die sich in der demokratischen Gesellschaft nicht mehr repräsentiert fühlen".

Wechselwirkung

Die Untersuchung stellte zudem eine Wechselwirkung zwischen Medienvertrauen und Demokratiezufriedenheit fest: Wer die Glaubwürdigkeit der Medien hoch einschätzt, ist demnach auch mit dem Funktionieren der Demokratie hoch zufrieden.

Umgekehrt gelte: Wer Medien als unglaubwürdig einstufe, sei höchst unzufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie, so die Forscher. Die Folgen dieser Wechselwirkung seien beträchtlich: Unter diesen Menschen wählen knapp 60 Prozent gar nicht oder die AfD. Dabei hat die Art des konsumierten Mediums ebenfalls einen großen Einfluss auf die Vertrauensbildung: In der Gruppe von Personen, die sich ausschließlich im Internet informieren, ist der Anteil der Nicht- und AfD-Wähler stark erhöht. Ihr Vertrauen in alle gesellschaftlichen Institutionen - von Gewerkschaften und Kirchen über Polizei und Justiz bis hin zu Regierung, Parlament und Parteien - ist der Studie zufolge deutlich niedriger als im Rest der Bevölkerung.

Gefahr für die Demokratie

"Die Ergebnisse bestätigen", so der Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung, Jupp Legrand, "dass es hinsichtlich der Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise der Medien trotz eines weiterhin hohen Zuspruchs vieler Menschen keine Entwarnung geben kann und darf".

Großes Vertrauen bleibe zwar stabil und hoch, aber auch tiefes Misstrauen steige kontinuierlich an. Legrand warnte vor den Folgen für die Demokratie, wenn "ein relevanter Teil der Bevölkerung weder durch gemeinsame Werte und Überzeugungen, noch durch die Teilhabe an einer gemeinsamen Öffentlichkeit für die Gesellschaft erreichbar" sei.

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