Standbild aus einem Überwachungsvideo, das den Angriff auf AfD-Politiker Magnitz zeigen soll | Bildquelle: dpa

Magnitz-Video Polizei weist Manipulationsvorwürfe zurück

Stand: 14.01.2019 13:52 Uhr

Nach der Veröffentlichung des Videos mit dem Angriff auf den AfD-Politiker Magnitz wird der Polizei im Netz Manipulation vorgeworfen. Die Polizei weist dies zurück.

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Patrick Gensing, tagesschau.de

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Der Überfall auf den AfD-Politiker Frank Magnitz sorgt weiterhin für Spekulationen im Internet. So twitterte Erika Steinbach, ehemalige CDU-Abgeordnete und jetzt Vorsitzende der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, "vermutlich" sei das Video geschnitten worden.

Zudem sei "deutlich erkennbar", dass ein Angreifer mit der linken Hand zugeschlagen und etwas an einen Komplizen weitergereicht habe. Dies behauptete auch Magnitz selbst gegenüber der tagesschau.

Unter anderem das Portal "PI-News" schreibt, bei dem Video sei "technisch getrickst" und manipuliert worden. YouTube-Videos, in denen die Aufnahmen "investigativ" analysiert worden seien, wurden in den vergangenen Tagen zehntausendfach abgerufen.

Erika Steinbach will "deutlich" erkannt haben, dass der Täter etwas weiterreicht.

Auf YouTube wird der Polizei sogar Strafvereitelung im Amt vorgeworfen.

Verschwörungstheoretiker werfen der Polizei sogar "Strafvereitelung im Amt" vor. Und einige Kommentatoren gehen noch weiter und behaupten, die komplette Aufnahme sei von Staatsanwaltschaft und Polizei inszeniert, um den Angriff mit einem Kantholz zu verschleiern.

Täter greift Magnitz von hinten an

Das betreffende Video hatte die Polizei am Freitag veröffentlicht. Die Aufnahmen wurden von zwei verschiedenen Kameras in der Sankt-Pauli-Passage beim Theater am Goetheplatz aufgenommen - dementsprechend besteht das Fahndungsvideo aus zwei Einstellungen, wie die Polizei Bremen selbst mitgeteilt hatte: Zunächst ist AfD-Politiker Magnitz von vorne zu sehen, verfolgt von drei Personen. Die zweite Einstellung zeigt, wie Magnitz von einer Person von hinten attackiert wird, zu Boden stürzt und regungslos liegen bleibt, während die Angreifer fliehen.

Der Beginn der zweiten Einstellung steht besonders im Fokus der Kritiker: Dort erscheinen Magnitz und die Angreifer wie von Geisterhand im leeren Bild, es ist von einem "Ghosting"-Effekt die Rede. Dies wird als Beweis für eine Manipulation gewertet.

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Bewegungsmelder

Die Staatsanwaltschaft Bremen erklärte auf Anfrage des ARD-faktenfinder, es gebe dafür eine einfache Erklärung: Die Überwachungskamera sei mit einem Bewegungsmelder ausgestattet. Dies ist bei solchen Kameras tatsächlich eine übliche Technik, um Akku sowie Speicherplatz zu sparen. Es werden nur Bilder aufgenommen, wenn die Kamera über Sensoren eine Bewegung, Veränderung der Lichtverhältnisse oder Wärmequellen wahrnimmt.

Zudem, so betont Pressesprecher Frank Passade, gehe es bei der Veröffentlichung des Videos nicht darum, die Tat lückenlos zu rekonstruieren, das geschehe vor Gericht, sondern um die Identifikation der Täter. Daher sei Material - auch in Zeitlupe - veröffentlicht worden, auf dem die Täter am besten zu sehen seien. Die Staatsanwaltschaft Bremen lobte außerdem eine Belohnung von 3000 Euro aus.

"Kein Schlaggegenstand"

Passade betonte, der AfD-Politiker Magnitz habe selbstverständlich die Möglichkeit, sich als Geschädigter das gesamte Material aus Überwachungskameras anzuschauen. Dies habe er bislang allerdings nicht in Anspruch genommen.

Die Behauptungen, auf dem Video sei eindeutig ein Schlaggegenstand zu sehen, wies die Staatsanwaltschaft zurück. Man habe sämtliche Videoaufnahmen Bild für Bild untersucht - nirgendwo habe man einen Gegenstand sehen können, geschweige denn ein Kantholz.

Polizei reagiert auf Twitter

Auf Twitter reagierte die Polizei Bremen bereits auf die zahlreichen Vorwürfe und erklärte, die Manipulationsvorwürfe entbehrten "jeglicher Grundlage".

Die Darstellung von Polizei und Staatsanwaltschaft erscheint nachvollziehbar: Auf dem veröffentlichten Video ist kein Schlaggegenstand zu erkennen - weder in der ersten noch in der zweiten Einstellung. Bei dem Angriff auf Magnitz ist zu sehen, wie der Täter ihn von hinten anspringt, gleichzeitig erst mit dem rechten Ellenbogen und dann mit der linken Faust zuschlägt. Danach scheint sich der Angreifer möglicherweise mit einem Komplizen abzuklatschen, was unter anderem Steinbach als Beweis bewertet, dass ein Gegenstand übergeben worden sei.

Unklar ist, warum der Täter hier einen Schlaggegenstand, der überhaupt nicht zu erkennen ist, übergeben sollte. Zudem ergaben Untersuchungen der Staatsanwaltschaft zufolge, dass Magnitz' Verletzungen allein vom ungebremsten Sturz auf den Kopf stammten - und nicht von einem Angriff mit einem Schlagwerkzeug.

Ebenfalls unklar ist, warum Polizei und Staatsanwaltschaft ein Video manipulieren sollten, das sie selbst zur Fahndung nach den Tätern veröffentlichten - sogar in Zeitlupe.

Falsche Darstellungen

In dem Fall waren bereits mehrfach Informationen verbreiten worden, die nicht richtig waren. So hatte die AfD-Bremen nicht nur behauptet, Magnitz sei mit einem Kantholz niedergeschlagen worden, sondern die Angreifer hätten auch noch auf das am Boden liegende Opfer eingetreten. Zudem hätte ein Bauarbeiter die Täter vertreiben müssen. Diese Darstellungen erwiesen sich als falsch.

Außerdem war in der vergangenen Woche ein Bekennerschreiben im Internet veröffentlicht worden, das angeblich von der "AntiFa Bremen" stammt. An der Authentizität gibt es aber erhebliche Zweifel. Die Staatsanwaltschaft Bremen teilte auf Anfrage mit, die Prüfung des Schreibens dauere noch an.

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