Wahlempfehlung für die AfD der Webseite "Jewiki" (Screenshot).

Angebliche Wahlempfehlung Jüdischer Wahlaufruf für die AfD?

Stand: 24.09.2017 17:05 Uhr

Kurz vor der Wahl buhlen prominente AfD-Politiker offenbar gezielt um jüdische Wählerstimmen. Angeblich rufe die "jüdische Wikipedia" zur Wahl der Partei auf. Doch dahinter verbirgt sich eine One-Man-Show, wie das Medienportal "Übermedien" berichtet.

Die AfD schmückt sich mit einer angeblichen Unterstützung aus der jüdischen Gemeinde: So verbreitet AfD-Parteichef Jörg Meuthen einen Wahlaufruf der Webseite "Jewiki" auf Facebook und behauptet, die "jüdische Gemeinschaft" erkenne "immer mehr, dass die Alternative für Deutschland die freiheitlich-demokratische Grundordnung verteidigt wie keine andere". Daher könne die Wahlempfehlung der "Wikipedia für jüdische Themen" nicht verwundern.

Doch wie der Medienjournalist Stefan Niggemeier auf "Übermedien" schreibt, handelt es sich bei dem Portal keineswegs um die "jüdische Wikipedia", sondern um das Projekt eines deutsch-schweizerischen Religionswissenschaftlers namens Michael Kühntopf. Dessen "Jewiki" besteht aus Abertausenden von der Wikipedia übernommenen Artikeln und eigenen Inhalten, die Kühntopf weitgehend selbst verfasst. Auf seiner Facebook-Seite teilt Kühntopf teilweise im Minutentakt AfD-Inhalte, Verschwörungstheorien, Hass-Tiraden gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel und anti-islamische Inhalte.

Eine jüdische Organisation repräsentiert Kühntopf dagegen in keiner Weise. Dennoch nutzen neben Meuthen viele AfD-Kreisverbände und Politiker Kühntopfs Wahlempfehlung, um für sich damit zu werben, dass die AfD von Jüdinnen und Juden empfohlen werde - und damit gar nicht antisemitisch sein könne.

Zentralrat positioniert sich gegen die AfD

Die Repräsentanten jüdischer Organisationen in Deutschland haben sich in der Vergangenheit allerdings explizit gegen die AfD positioniert. So sagte der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, dem "Tagesspiegel", es bedrücke ihn, dass Umfrageinstitute einen Einzug der AfD in den Bundestag mit mehr als zehn Prozent für möglich halten. "Ich hätte mir vor vier, fünf Jahren nicht vorstellen können, dass einer rechtspopulistischen Partei in Deutschland ein zweistelliges Ergebnis vorausgesagt wird."

Vize-Präsident Abraham Lehrer ging sogar einen Schritt weiter und bezeichnete die AfD gegenüber dem Deutschlandfunk als "eine Bedrohung unserer Demokratie, unserer Freiheit. Das wissen wir, und das erzählen wir auch immer unseren Gemeindemitgliedern", so Lehrer.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. September 2017 in den Sondersendungen zur Wahl ab 09:00 und 12:00 Uhr.

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