Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz nach der Befreiung | Bildquelle: picture alliance / akg-images

NS-Verbrechen Wie viele Schüler wissen vom Holocaust?

Stand: 31.01.2019 12:26 Uhr

Der Historiker Wolffsohn warnt, rund 40 Prozent der Schüler wüssten nicht, dass Auschwitz ein Vernichtungslager war. Studien belegen die Zahl. Sie zeigen, dass das Wissen mit dem Alter wächst.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Der Bundestag hat mit einer Gedenkstunde an die Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau erinnert. Die Rote Armee hatte dort am 27. Januar 1945 die Überlebenden befreit. Der israelische Historiker und Holocaust-Überlebende Saul Friedländer rief als Gastredner die Deutschen dazu auf, für Toleranz, Menschlichkeit und Freiheit, "kurzum: die wahre Demokratie" zu kämpfen. 

"Gedenkkultur geht an Bevölkerung vorbei"

Der Historiker Michael Wolffsohn warnte im Deutschlandfunk, die Gedenkkultur gehe an der Bevölkerung vorbei. Es sei notwendig, sich Gedanken darüber zu machen, wie man das so wichtige Gedenken verbessern könne. 40 Prozent aller Jugendlichen in Deutschland wüssten nicht, was Auschwitz gewesen sei.

Wolffsohn bezog sich mit dieser Zahl offenbar auf eine Studie der Körber-Stiftung aus dem September 2017. Demnach wussten von den 14- bis 29-Jährigen in Deutschland 78 Prozent, dass Auschwitz ein Vernichtungslager war.

Bei den Schülern sind es hingegen nur 59 Prozent. Allerdings steigt diese Zahl bei älteren Schülern: Sind es bei den 14- bis 16-Jährigen lediglich 47 Prozent, die von dem Vernichtungslager wussten, steigt die Zahl bei den Schülern ab 17 Jahren auf 71 Prozent.

Dass Auschwitz ein Vernichtungslager war, wissen...
GruppeProzent
14-29-Jährige78
30-44-Jährige87
45-69-Jährige90
60 Jahre und älter87
Schüler59
14-16-Jährige47
17 Jahre und älter71

Die Zunahme dürfte unter anderem mit einem wachsenden politischen Interesse bei Älteren zu erklären sein. Zudem wird der Holocaust in der neunten und zehnten Klasse zum Thema im Geschichtsunterricht. In der Sekundarstufe 2 wird das Thema NS-Zeit dann vertieft.

Fünf Prozent noch nie vom Holocaust gehört

Eine CNN-Studie aus dem November 2018 zum Antisemitismus in Europa kam zu dem Ergebnis, dass fünf Prozent der 18- bis 34-Jährigen in Deutschland noch nie vom Holocaust gehört hätten. 35 Prozent schätzten demnach, sie wüssten nur wenig über den Völkermord. 44 Prozent meinten, sie wüssten einiges darüber, 16 Prozent waren der Ansicht, sie wüssten viel über den Holocaust.

Die Studie stellte aber einen weit verbreiteten Antisemitismus in Europa fest. Antisemitische Stereotypen seien in Europa lebendig, während die Erinnerung an den Holocaust zu schwinden beginne. Mehr als ein Viertel der befragten Europäer glaubt den Ergebnissen zufolge, dass Juden zu viel Einfluss auf Wirtschaft und Finanzen haben.

Fast 25 Prozent meinen, dass Juden zu viel Einfluss auf Konflikte und Kriege auf der ganzen Welt hätten. Und jeder Fünfte sagte, dass Juden zu viel Einfluss in Medien und Politik hätten.

Ein Drittel der von CNN befragten Personen meinte, dass Israel den Holocaust nutze, um seine Handlungen zu rechtfertigen. Zudem glaubt ein Drittel der Europäer, die Erinnerung an den Holocaust lenke von anderen Gräueltaten ab. Dieser Behauptung stimmten überdurchschnittlich viele Polen, Ungarn, Österreicher und Deutsche zu.

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