Personen und Polizeiwagen vor einem Imbiss in der Göttinger Fußgängerzone | Bildquelle: dpa

Zwischenfall in Göttingen Aufgeheizte Stimmung - aber keine Massenschlägerei

Stand: 14.08.2017 14:59 Uhr

Haben sich 200 Syrer und Libanesen in der Göttinger Innenstadt geprügelt? Die Polizei hat Meldungen über eine angebliche Massenschlägerei korrigiert. Sie spricht aber von einem "extrem aufgeheizten Konflikt".

Von Fiete Stegers, NDR

Laut Polizei waren nur wenige Personen direkt an der Auseinandersetzung beteiligt.

"Massenschlägerei mit 200 Beteiligten in Göttingen" - so oder so ähnlich überschrieben verschiedene Online-Medien am Sonntagabend und in der Nacht eine Meldung. Von einem "Großeinsatz der Polizei" mit 25 Beamten war die Rede. Eine Nachricht, die sich in den sozialen Netzwerken weiterverbreitete, auch, weil Rede davon war, dass es sich bei den Beteiligten um Syrer und Libanesen gehandelt habe.

"Fest steht bisher, dass am Sonntagabend zwei große Personengruppen unterschiedlicher Herkunft aufeinander losgingen", zitierte die Deutsche Presse-Agentur einen Polizeisprecher. Auf Nachfrage des ARD-Faktenfinders erklärt die dpa, dass sie zu diesem Zeitpunkt davon ausging, dass sich tatsächlich 200 Menschen geprügelt hatten. Die Nachrichtenagentur verbreitete das Thema um 1:33 Uhr über ihren Dienst, auf den sich viele andere Redaktionen stützen, verwies aber auch auf die "unübersichtliche" Situation und fehlende Details.

In einer nachfolgenden Meldung um 8:15 stellte dpa klar:

Viele sollen nur zugeschaut haben. Wie viele Menschen sich schlugen, war zunächst noch unklar. Ernsthaft verletzt wurde niemand.

Eine Person sei kurzzeitig in Polizeigewahrsam gewesen.

Erst dramatische Meldung, dann Kuriosität in den Medien

Bei manchen Medien führten die neuen Informationen am Montagmorgen zu spekulativen Formulierungen: "So etwas hat es wohl noch nie gegeben: 200 Personen gehen am Sonntag in Göttingen aufeinander los. Doch wie durch ein Wunder soll dabei niemand verletzt worden sein", schrieb die "Welt". "Kurios: 200 prügeln sich, aber keiner ist verletzt" wundert sich die Boulevard-Zeitung "Krone" aus Österreich. Und "Bild" rätselte von einer "mysteriösen Massenschlägerei" von "200 Chaoten". Der "Merkur" schreibt von einer "Verwirrung um angebliche Massenschlägerei."

Die dpa sah sich verpflichtet, in einer Korrektur in ihrer ersten Nachricht deutlich zu machen

... dass es sich nicht um eine Massenschlägerei handelte, bei der sich 200 Menschen prügelten. Die Polizei hat missverständliche Angaben aus der Nacht klargestellt.

An direkter Auseinandersetzung nur wenige beteiligt

Gegenüber dem ARD-faktenfinder sprach die Polizei Göttingen von einer "körperlichen Auseinandersetzung" mit fünf bis sechs Beteiligten: "Es war keine Massenschlägerei".

Im Online-Artikel des "Göttinger Tageblatt" ist entsprechend auch nur noch von einer "Rangelei" die Rede.

Allerdings habe nach Darstellung der Polizei die Gefahr einer Eskalation bestanden: Es haben einen "emotional extrem aufgeheizten Konflikt" gegeben, in den Menschen syrischer und libanesischer Herkunft involviert gewesen seien, heißt es in der Pressemitteilung.

Der Auslöser der Auseinandersetzung liegt zurzeit noch im Dunkeln. Im Rahmen erster Ermittlungen wurde lediglich bekannt, dass es im Vorfeld zu einem Streit zwischen zwei Männern mit anschließender Bedrohung gekommen sein soll.

Ein vor Ort anwesender Fotograf sagte dem ARD-faktenfinder, er habe eine aufgeheizte Stimmung und viele Personen mit Migrationshintergrund wahrgenommen.

Polizei muss nach eigenen Angaben Gruppen trennen

Als die Streifenwagen eingetroffen seien, hätten sich bereits geschätzte 200 Personen versammelt, so die Polizei. Zur Trennung der Beteiligten sei auch Pfefferspray eingesetzt worden. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben einen 23-jährigen Syrer vorübergehend in Gewahrsam, den sie als Rädelsführer ansah. Gegen weitere Anwesende seien Platzverweise ausgesprochen worden. Ein Mann sei leicht verletzt worden. Nach etwa einer Stunde habe sich die Menge zerstreut. Die Ermittlungen zu den Hintergründen und möglichen Tatbeteiligten dauerten noch an.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. August 2017 um 09:11 Uhr.

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