Schwimmer und Bootsfahrer in einem See | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zustand von Gewässern Getrübter Blick auf die Qualität

Stand: 13.04.2018 20:36 Uhr

Viele Seen sind nach EU-Kriterien in einem schlechten ökologischen Zustand. Dann wieder gibt die EU gute Noten für Badeseen. Was steckt hinter solchen Einstufungen? Und wie kommen sie zustande?

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Werner Eckert, SWR

Von Werner Eckert, SWR

Mal heißt es: "Alles prima - man kann in Deutschland unbekümmert in jeden Badesee springen", dann heißt es mal wieder: "Drei Viertel der Seen in keinem guten Zustand." Die Lage scheint verworren. Aber nur so lange man ausschließlich die Schlagzeilen liest.

Im einen Fall ist die Quelle der jährliche Report der Europäischen Umweltagentur EEA zur Qualität der europäischen Badegewässer. Der basiert auf der Badegewässer-Richtlinie von 2006. 2300 Seen und Strände werden dort in Deutschland erfasst und hier ist die Welt in Ordnung. Immer deutlich mehr als 90 Prozent bekommen gute Noten.

Kein Wunder: Da werden vor allem Gefahren für die Schwimmer bewertet. Sind Fäkalkeime wie Enterokokken oder Escherichia coli im Wasser? Oder besteht die akute Gefahr einer Massenvermehrung von Cyanobakterien oder sonstiger Algen? Überspitzt: Ein olympisches Schwimmbecken mit klarem Leitungswasser ist als Badegewässer optimal. Da wird aber auch deutlich: "Naturnah" sieht anders aus.

Kriterium: naturnah

Und genau mit solchen ökologischen Kriterien beschäftigt sich die EU-Wasserrahmen-Richtlinie. Die stuft sowohl Flüsse und Bäche als auch Seen und Küstengewässer sowie Grundwasserkörper ein. Und zwar nach der chemischen Belastung und der ökologischen Funktion. Kriterium ist dabei: Wie nah am natürlichen Zustand sind sie? Die Bewertung ist wesentlich umfangreicher und schon wenn ein einziger Punkt verfehlt wird, gilt der Zustand als nicht mehr gut. Die Zahlen werden nach einem ganz anderen Messnetz erhoben und alle paar Jahre veröffentlicht. Die Daten, die jetzt gerade wieder zirkulieren, stammen aus dem Gewässerbericht 2015.

Flüsse sind darin praktisch alle in einem "schlechten" Zustand, weil sie teilweise befestigte Ufer haben und Staustufen, die die Fischwanderung behindern. Das natürliche Gleichgewicht der Arten ist - mangels Auenwäldern und wegen der hohen Düngerlast - meistens nachhaltig gestört. Auch die Seen sind - wegen der Überdüngung und der damit verbundenen hohen Algenproduktion - überwiegend in keinem "guten" Zustand.   

In schlechtem Zustand? Der europäische Fischotter muss mit schwierigen Bedingungen in Flüssen klarkommen.

Weniger Gift im Gewässer

Schaut man sich die Entwicklung aber genauer an, dann hat die chemische Belastung durch Giftstoffe in den Gewässern mit der Zeit abgenommen. Bei Schwermetallen etwa um den Faktor zehn. Das ist die gute Botschaft. Auch bei den Einträgen von Nitrat und Phosphaten hat sich viel verändert. Die Phosphatbelastung war etwa in den 1980er-Jahren, als es noch phosphathaltige Waschmittel gab, gut dreimal so hoch wie heute. Der Stickstoffeintrag hat sich in dieser Zeit etwa halbiert. Mehr und bessere Abwasser-Kläranlagen zeigen da Erfolge.

Auch bei der Landwirtschaft hat es Verbesserungen gegeben. Aber nur kleine. Und das Problem ist: Die Belastungen wirken lange nach. Vor allem im Grundwasser. Das ist vor allem in Regionen mit viel Tiermast ein anhaltendes Problem.

Die EU-Wasserrahmen-Richtlinie sieht vor, dass spätestens bis 2027 alle Gewässer in einem guten ökologischen Zustand sein sollten. Eigentlich war das schon mal für 2015 vorgesehen gewesen. Aber auch im jüngsten Bericht zur Lage der Gewässer steht drin, dass es viel länger dauern wird, den guten Zustand herzustellen. Zumindest in Regionen mit starker wirtschaftlicher und landwirtschaftlicher Aktivität.

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