Ein Kamel | Bildquelle: dpa

Gerüchte rund um G20 Kamele in Hamburg?

Stand: 30.06.2017 15:27 Uhr

Bringen die Saudis ihre eigenen Kamele und Lämmer mit? Es heißt: Der saudische König wolle während des G20-Gipfels nicht auf Kamelmilch verzichten. Zahlreiche kuriose Gerüchte kursieren im Netz - für die es kaum Beweise gibt. Eine Spurensuche.

Von Nele Pasch, SWR

Nele Pasch Logo SWR
Nele Pasch, SWR

Es brodelt in der Gerüchteküche rund um den G20-Gipfel in Hamburg. So schreibt das Hamburger Abendblatt, das saudische Königshaus habe ein ganzes Luxushotel gemietet und wolle eigene Lämmer grillen, 30 Stück an der Zahl. Darauf antwortet ein User in der Kommentarspalte: "Nun kommt es noch dicker: Salman lässt 2 - 4 Kamele einfliegen, da er auf die Kamelmilch nicht verzichten will." Salman ibn Abd al-Aziz ist der König von Saudi-Arabien. Da im Tierpark Hagenbeck kein Platz für die Tiere sei, solle nun auf dem Bundeswehr-Gelände ein abgesicherter Bereich für die Tiere geschaffen werden. Kurze Zeit später aktualisiert der Nutzer seinen Kommentar und schreibt: "Sorry - neuer Platz für die Kamele ist der abgesicherte Bereich der Hamburger Reiterstaffel der Polizei!"

Gerücht kann nicht bestätigt werden

Der Hamburger Polizei ist von dem Vorhaben bisher nichts bekannt, sie verweist an das Bundespresseamt. Doch auch dort weiß man nichts über die Kamele vom Golf. Zeit Online hat daraufhin bei der saudischen Botschaft direkt nachgefragt: Auch hier wieder ein Dementi. Dieses Gerücht entspreche nicht der Wahrheit.

Dass die saudische G20-Delegation das gesamte Hotel "Vier Jahreszeiten" am neuen Jungfernstieg gebucht hat, ist offiziell bestätigt. Dem Hotel zufolge haben die Saudis das Haus mit 156 Zimmern und Suiten vom 4. bis zum 9. Juli komplett gebucht. Nach jetzigem Stand werden König Salman und sein Sohn Vizekronprinz Mohammed bin Salman, der Verteidigungsminister von Saudi-Arabien ist, mit ihrem Gefolge nach Hamburg reisen. Da die gesamte Delegation aber aus mehreren hundert Personen besteht, reicht das Kontingent im "Vier Jahreszeiten" nicht aus. So sind auch Zimmer im "The Westin" in der Elbphilharmonie und im "Sofitel" am Alten Wall für die Gäste aus Saudi Arabien reserviert.

Bisher weder Lämmer noch Kamele entdeckt

Kamele im Berliner Zoo | Bildquelle: AP

Kamele in Hamburg?

Von mitreisenden Lämmern und Kamelen ist den Hotelmitarbeitern nichts bekannt. Auf Anfrage des ARD-faktenfinders sagte eine Sprecherin des Luxushotels: "Tiere sind bei uns im Hotel grundsätzlich verboten. Wir haben zwar eine Hundelounge, da finden aber weder 30 Lämmer noch Kamele Platz." Und mit Blick in den Innenhof konnte die Sprecherin bisher kein Kamel entdecken. Ein paar Mitglieder der Delegation seien schon angereist. "Bisher ist schon sehr, sehr viel Gepäck aus Saudi-Arabien angekommen. Auch Essen, doch keine lebenden Tiere", so die Sprecherin. Ansonsten hätten die Saudis nicht verraten, was genau in ihren Koffern sei.

Verordnete Freizeitkleidung für Banker?

Ein weiteres Gerücht besagt, dass einige Banken ihre Angestellten aufgefordert hätten, in Freizeitkleidung zu erscheinen, um Kapitalismus-Gegner nicht zu provozieren. Der Pressesprecher der Hamburger Sparkasse lachte kurz auf und sagte, von dieser Aufforderung habe er noch nichts gehört. Die Commerzbank allerdings bestätigte die Anfrage. "Wir haben unseren Mitarbeitern der Innenstadtfilialen angeboten, in legerer Kleidung zur Arbeit zu kommen. Wir wollen nicht unnötig Konfrontationsflächen bieten", sagte die Pressesprecherin der Commerzbank Hamburg.

Als teilweise richtig stellt sich eine Meldung des Magazins Focus heraus. Demzufolge soll sogar ein Kriegsschiff der Bundesmarine in den Hamburger Hafen verlegt werden, so dass im Falle eines Anschlags die Regierungschefs dort Schutz fänden und im Notfall Richtung Nordsee gerettet werden könnten. Das Verteidigungsministerium bestätigte auf Anfrage: Während des G20-Gipfels werde das Landungsboot "Lachs" im Hafen stationiert - zur logistischen Unterstützung. Ob in dem 40 Jahre alten Frachtschiff Regierungschefs vor Anschlägen sicher seien, sei jedoch fraglich, so ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Während des Gipfels werden in der Hansestadt rund 6500 Delegierte erwartet, dazu mehr als 3000 Journalisten und rund 15 000 Beamte. Solch ein Aufgebot lädt zu reichlich Spekulation ein.

Darstellung: