G20 Gerüchte | Bildquelle: dpa

Gerüchte rund um G20 Weder Panzer noch Raketen

Stand: 09.07.2017 09:12 Uhr

Die Lage rund um den G20-Gipfel ist von Tag zu Tag unübersichtlicher geworden. Die Gewalt ist eskaliert, die Gerüchteküche brodelt. Im Umlauf sind falsche Meldungen und Mutmaßungen.

Von Kristin Becker und Nele Pasch, SWR

Nein, schreibt die Hamburger Polizei, "es wurde weder der Notstand noch der Katastrophenfall ausgerufen!" Mit Tweets wie diesem dementiert sie Falschmeldungen, die sich im Netz rund um den G20-Gipfel verbreiten. So zum Beispiel auch die Vermutung, dass Panzer der Bundeswehr im Einsatz seien. Oder die Behauptung, dass ein Krankenhaus angegriffen worden sei. Und nein, die Polizei habe auch keine Atomrakete aufgefahren. Die Gerüchte florieren angesichts der chaotischen Situation trotzdem.

Die Polizei schießt - aber nicht bei Demos

Gegen 20 Uhr am Freitag mehren sich Hinweise auf Twitter, dass seitens der Polizei geschossen wurde. Die Gründe dafür sind zunächst unklar. Die Polizei selbst schreibt, ein Beamter im Schanzenviertel sei angegriffen worden und habe einen Warnschuss abgegeben. Ihr Tweet endet mit dem Hashtag #G20HAM17.

Viele Twitternutzer vermuten daraufhin, dass die Polizei von gewalttätigen Demonstranten attackiert worden sei und deshalb geschossen habe. Im Netz bricht eine Diskussion darüber aus, ob die Gewalt rund um den Gipfel in Hamburg nun endgültig eskaliere. Etwa 20 Minuten später stellen die Beamten klar - der Schuss fiel nicht bei den Protesten. Ein ziviler Polizist sei von Gewalttätern enttarnt und daraufhin massiv von ihnen angegriffen worden sei. Er habe sie beim Straßenraub beobachtet und sei eingeschritten. Zum eigenen Schutz habe er den Warnschuss abgefeuert.

Gegen 21 Uhr dann die Bestätigung der Polizei, dass der Vorfall "offensichtlich nichts mit G20 zu tun" habe.

Update: Wie "Spiegel Online" berichtet, stellte sich die Situation tatsächlich aber anders dar. Demnach sei der Warnschuss gefallen, als ein Beamter in Zivil einem Mann helfen wollte, der von Autonomen geschlagen und getreten worden war. "Womöglich tat er es, weil er den Bedrängten für einen Kollegen hielt - fälschlicherweise".

Kein Angriff auf Krankenhaus

Ein weiteres Gerücht verbreitet sich Freitagabend vor allem über Messenger-Dienste wie WhatsApp. Es handelt sich um eine Sprachnachricht einer vermeintlichen Polizistin. Sie erzählt, was sich scheinbar in Hamburg wirklich zugetragen habe, aber nicht an die Öffentlichkeit gelange. Dabei maßregelt sie immer wieder ihren Hund, mit dem sie während der Aufnahme angeblich spazieren geht. In der Sprachnachricht behauptet die Frau, es gäbe einen schwer verletzten Polizisten und eine Kollegin sei entwaffnet worden. Außerdem habe es Angriffe auf die Notaufnahme des Krankenhauses St. Georg und auf einen Kindergarten gegeben.

Diese Informationen solle der Empfänger der Sprachnachricht gerne verbreiten, damit die Wahrheit an die Öffentlichkeit gelange. Wer die Frau ist und zu welcher Polizeieinheit sie angeblich gehört, verrät sie nicht. Kurz vor Mitternacht dementiert die Hamburger Polizei mit klaren Worten: "Gerüchte! Es gab keinen Angriff auf das Krankenhaus St. Georg! Es wurden keine Dienstwaffen durch Störer entwendet!"

Sturm auf die Flora?

Am späten Freitagabend steht auch die "Rote Flora", das linksautonome Kulturzentrum im Schanzenviertel, im Mittelpunkt der Vermutungen. Das ehemalige Theater ist seit Jahren besetzt und gilt als Schaltstelle linker Proteste. Gerüchte, dass die Flora gestürmt worden sei, kursieren auf den Live-Blogs einzelner Nachrichtensender und im Netz. Kurz vor Mitternacht twittert unter anderem die Politikerin Jutta Ditfurth: "Um die Ecke wird die Flora von der Polizei angegriffen - hören wir."

Ein anderer Twitternutzer schreibt anderthalb Stunden später: "Jetzt ist es keine Frage mehr ob, jetzt ist es Gewissheit: Die Polizei stürmt die Rote Flora."

Tatsächlich ist die Polizei vor der "Roten Flora" im Einsatz, in deren Umfeld es Ausschreitungen und Zerstörungen gegeben hat. Gestürmt wird das Gebäude allerdings nicht. Entwarnung kommt dementsprechend kurze Zeit später von Seiten linker Aktivisten ebenfalls auf Twitter.

Panzer in Hamburg - aber keine Raketen

Und dann wäre da noch die Sache mit den Panzern, die am ersten Gipfeltag für Verwirrung sorgt. Passanten bemerken einen Panzer-Konvoi der Bundeswehr auf dem Weg durch Hamburg-Altona. Unterstützt das Militär nun die Polizei vor Ort? Nein - die Armee hat lediglich Parkplatzprobleme und lässt drei Transportpanzer in eine andere Kaserne verlegen. Der Zeitpunkt sei nicht optimal gewählt worden, sagt die Bundeswehr auf Nachfrage.

Noch größere Geschütze hält die Satirewebsite "Der Postillon" bereit: "Zur Deeskalation: Hamburger Polizei fährt Atomrakete auf", heißt es dort. Die Rede ist von einer Bombe mit einer Sprengkraft von 1,3 Megatonnen, von der die Polizei aber nur im Notfall Gebrauch mache. Etwa, wenn jemand vermummt sei oder mit Steinen oder Flaschen werfe. Die Meldung sorgt für so viel Aufregung, dass die Hamburger Polizei wieder einmal zum Handy greift und den Spaß richtig stellt:

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