Die Rückseite der G20-Akkreditierung eines Journalisten. | Bildquelle: dpa

Vorwürfe beim G20-Gipfel in Hamburg NDR-Reporter soll angeblich "Reichsbürger" sein

Stand: 14.07.2017 14:58 Uhr

Belege liefern die Polizisten nicht, als sie Christian Wolf vor dem G20-Gipfel am Betreten des Pressezentrums hindern und ihm mitteilen, er sei ein "Reichsbürger". Der NDR-Reporter bezeichnet den Vorwurf als haltlos und völligen Quatsch.

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Jenny Stern, BR

Als Christian Wolf am Donnerstagmorgen vor dem G20-Gipfel im Pressezentrum einchecken will, kommt es zu einem Problem. "Auf einmal kamen ein Mann und eine Frau und sagten, sie müssten mit mir reden", erzählt der NDR-Reporter dem ARD-faktenfinder.

Die Polizisten hätten Wolf erklärt, er sei bei einer neuen Sicherheitsüberprüfung auffällig geworden: Der Staatsschutz ermittle gegen ihn, weil er "Reichsbürger" sei. Seine Akkreditierung behalten die Beamten zunächst ein, der Zugang zum Pressezentrum wird ihm verwehrt.

Versuch der Einschüchterung?

Der Polizist habe ihm noch geraten, seinen Arbeitgeber nicht über den Vorfall zu informieren, erinnert sich Wolf und zitiert ihn mit den Worten: "Wer weiß, wie der reagiert, wenn der erfährt, dass Sie 'Reichsbürger' sind". Bei seinem Arbeitgeber dann, im Schleswig-Holstein Magazin des NDR, erzählt Wolf rückblickend, er habe den Hinweis als Einschüchterung interpretiert.

Der Journalist bezeichnet den Vorwurf, ein "Reichsbürger" zu sein, gegenüber dem ARD-faktenfinder als "haltlos" und "völligen Quatsch". Weder habe er jemals über die "Reichsbürger" berichtet, noch auf diesem Gebiet recherchiert. Nach langer Überlegung fällt dem Journalisten ein, er habe sich "Ende 2015 oder Anfang 2016" kurz mit der Identitären Bewegung beschäftigt und im Internet recherchiert, wer in Schleswig-Holstein dazugehöre. Mehr fällt ihm zu dem Thema nicht ein. Auch seinen gesamten Freundes- und Bekanntenkreis habe er wegen möglicher Verbindungen abgefragt - ohne Ergebnis.

Probleme bei G20-Akkreditierung
14.07.2017

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Ein "Reichsbürger" auf der Liste

Von näheren Details zu den 32 Journalisten, denen laut Bundespresseamt die Akkreditierung nachträglich entzogen werden sollte, berichten am Donnerstag der "Tagesspiegel" und die "Süddeutsche Zeitung". Demnach sollen sich auf der Liste auch ein "Reichsbürger" und "mehrere Personen, die mit Straftaten aufgefallen waren", befunden haben.

Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigt am Freitag, dass sich unter den betroffenen Journalisten auch eine Person befand, "bei der es verdichtete Erkenntnisse gab, dass sie dem Reichsbürgerspektrum zuzuordnen ist". Bei dem "Reichsbürger" handele es sich um einen Mann aus Bayern, schreibt der "Tagesspiegel" und bezieht sich dabei auf Sicherheitskreise. Dem Verfassungsschutz sei der Mann als Mitglied der "Exilregierung Deutsches Reich" bekannt.

Dem Journalisten Wolf sei die "Exilregierung Deutsches Reich" nicht bekannt. Davon habe er noch nie gehört, sagt er dem ARD-faktenfinder. Auch zu Bayern habe der NDR-Reporter - abgesehen von zahlreichen Urlauben in Garmisch-Partenkirchen in seiner Kindheit - keine Beziehung. "Ich habe ja sogar einen Personalausweis dabei gehabt", sagt er stattdessen."Das hat den Polizisten verwundert."

Wolf bekommt Akkreditierung zurück

Ob Wolf einer der 32 Journalisten ist, die auf der Liste der Behörden stehen, ist nicht klar. Auch nicht, ob es sich womöglich um eine Verwechslung handeln könnte. Denn im Gegensatz zu anderen betroffenen Journalisten bekommt der NDR-Reporter nach mehr als einer Stunde seine Akkreditierung zurück.

Er dürfe weiter auf dem Gipfel herumlaufen, stehe aber unter Beobachtung, habe ihm der Polizist gesagt. Die NDR-Rechtsabteilung hat beim Bundeskriminalamt nun nähere Details zu seinem Mitarbeiter angefordert und zieht auch rechtliche Schritte in Betracht. Eine offizielle Erklärung des BKA steht noch aus.

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