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Fake über Flüchtling Der Jeside, den es angeblich nicht gibt

Stand: 10.09.2018 15:25 Uhr

Oft wird behauptet, es gebe viel mehr Flüchtlinge als bekannt. Über Aras Bacho heißt es dagegen, er existiere gar nicht - denn es könne nicht sein, dass ein Flüchtling so gut Deutsch könne.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

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Patrick Gensing, tagesschau.de

Er habe noch nie einen Flüchtling mit so gutem Deutsch gesehen. Dies schrieb ein Zuschauer der tagesschau an die Redaktion - verbunden mit der Bitte zu überprüfen, ob es tatsächlich einen syrischen Flüchtling namens Aras Bacho gebe.

Eine Netz-Suche nach Aras Bacho erbringt bereits zahlreiche Treffer - beispielsweise Kolumnen in der "Huffington Post". Dort schreibt er bereits seit 2016 über sein Leben. Seinen ersten Beitrag im August 2016 begann der heute 20-Jährige so:

Syrien vor zwölf Jahren, im Jahr 2005. Ich führte das Leben eines fröhlichen kleinen Jungen. Ich war sehr gut in der Schule, immer Klassenbester. Aber plötzlich veränderte sich alles. 

Was er damit meinte: Seine Mutter erkrankte schwer und starb. Aras vermutete, die Ärzte in Aleppo hätten seine Mutter sterben lassen. "Wir Jesiden haben es in Syrien nie leicht gehabt. Oft hat man uns behandelt wie Bürger zweiter Klasse."

Drohungen im Netz

Aras Bacho kam 2010 nach Deutschland. Mittlerweile ist er 20 Jahre alt. In seinen Kolumnen berichtet er seit Jahren über den Hass, der ihm hierzulande entgegenschlägt. Im Oktober 2016 schreibt er beispielsweise:

Es ist traurig, was für Kommentare mancher deutsche Wutbürger über uns Flüchtlinge im Internet verbreitet. Es ist schon unglaublich, wie oft und wie heftig wir beschimpft werden. Das Schlimmste, was ich gelesen habe, war folgender Kommentar: "Wir können auch anders mit euch umgehen. Oder habt Ihr vergessen, was mit den Juden passiert ist?"

Hassobjekt

Durch seine Kolumnen und Tweets wird Bacho zum Hassobjekt. Ein Nutzer mit dem Pseudonym "Alfred Hugenberg" schreibt von einem "dreckigen syrischen Eselficker-Schwein". Araber sollten vergast werden. Besonders viel Hass erfährt Aras Bacho, weil er sich für ein Miteinander und gegen Hass einsetzt. Im Mai 2018 schreibt er an die "lieben besorgten Bürger":

Was muss ich denn tun, um als ein normaler Mensch anerkannt zu werden, liebe Wutbürger? Warum fühlt Ihr euch in eurem eigenen Land fremd und was haben wir damit zu tun? Sind wir ein Problem, weil wir geflüchtet sind oder ist es eure Ideologie? Und wovor habt ihr Angst? Wir haben es satt, wir haben es satt und wir haben es satt, wie ihr über uns denkt und schreibt. Ich hoffe auch in der fernen Zukunft, dass wir akzeptiert werden und die ganzen Vorurteile ein Ende haben. Der Krieg und dazu noch diese Hass-Kommentare machen viele Flüchtlinge und mich innerlich kaputt.

Verschwörungslegenden

Doch es ist nicht nur offener Hass, sondern es sind Verschwörungslegenden, die Bacho sogar die Existenz absprechen. Die Vermutung: Aras Bacho sei als eine Art Propaganda-Figur erschaffen worden. In Hunderten Kommentaren wird behauptet, Aras Bacho existiere gar nicht. Ein Unbekannter setzt sogar ein eigenes Blog auf, um zu beweisen, dass der syrische Kolumnenschreiber ein Fake sei. Titel: "Aras Bacho entlarven"

Im Netz wird behauptet, Aras Bacho existiere gar nicht, sondern sei ein Fake.

Auf YouTube, wo sich ganze Videos mit dem 20-Jährigen beschäftigen, schreibt ein Kommentator:

Ich vermute nach wie vor, dass es sich bei diesem "Aras Bacho" um ein Konstrukt der "Huff-Post" handelt. Geschöpft, nur um zu spektakeln, zu provozieren und allen Nichtlinken, sprich all den elenden Nazideutschen, ein Stöckchen zum Drüberspringen hinzuhalten. Wäre mal interessant und eine lohnende Aufgabe zu ermitteln, wer oder was hinter dieser Figur steckt.

Treffen mit Bacho

Wer steckt also "hinter dieser Figur"? Und gibt es ihn überhaupt? Im Gespräch mit dem ARD-faktenfinder sagt Aras Bacho, er müsse bisweilen über die Behauptungen über seine Person lachen. Aber wie man sieht, sei er eine echte Person - und kein Fake von der Regierung.

Aras Bacho im Gespräch mit dem ARD-faktenfinder
WDRforyou, 10.09.2018, Aras Bacho im Gespräch mit dem ARD-faktenfinder

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Im Interview mit WDRforyou berichtet der 20-Jährige zudem über seine Pläne: Praktika bei Medien und Abitur zu machen.

Nach dem Auftritt von Bacho im WDR wird auf rechtsradikalen Seiten nun zumindest zur Kenntnis genommen, dass es Aras Bacho wirklich gibt. Doch der Hass tobt weiter: "Das macht mich nur noch wütend", schreibt einer. Und ein anderer kommentiert: "Raus, Du Laus!"

"Hier habe ich verstanden, was Freiheit bedeutet"

Doch der Jeside will sich nicht vertreiben lassen: "Deutschland hat mir die Augen geöffnet, und eine neue Welt gezeigt, die ich vorher nicht kannte. Hier habe ich mich entwickelt, hier habe ich verstanden, was Bildung und Freiheit bedeuten." Hier sei er frei und habe sein Leben selbst in der Hand, sagt Bacho. "Und auch wenn hier manche das nicht glauben, herrscht vor allem Frieden in diesem Land. Das kann man nicht hoch genug schätzen."

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