Artikel mit Fake News auf Facebook-Seite

Fake-News-Experiment Kein "Gratis-Sex" in "Bad Eulen"

Stand: 31.07.2017 08:00 Uhr

Auf der Nachrichtenseite "Der Volksbeobachter" haben Wissenschaftler gezielt Falschmeldungen veröffentlicht. Mit dem Experiment wollten sie untersuchen, wie sich Fake News verbreiten. Ihr Fazit: Mit wenig Aufwand lässt sich eine große Reichweite erzielen.

"Gratis-Sex für Asylanten - Landratsamt zahlt!" - diese Meldung verbreitete sich Ende April 2017 in den sozialen Netzwerken. Veröffentlicht wurde die Geschichte auf dem Nachrichtenblog "Der Volksbeobachter". Weitere Meldungen folgten: "Flüchtling schnappt Deutschem den Job weg", hieß es. Oder auch: "Name missfällt: Grüne wollen Café 'Mohrenkopf' schließen".

All diese Meldungen haben eins gemeinsam: Sie sind frei erfunden. Es gab keinen Gratis-Sex, weder für Flüchtlinge noch für andere Bewohner der Stadt Bad Eulen, die überhaupt nicht existiert. Viele Nutzer wollten die Geschichten dennoch gerne glauben.

Der Blog "Der Volksbeobachter" und die dazugehörige Facebook-Seite gehören zu einem Experiment von Professor Wolfgang Schweiger und zwei Mitarbeiterinnen von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Der Versuch sollte zeigen, wie schnell sich Fake News verbreiten und wie selten Nachrichten auf ihre Echtheit geprüft werden.

Fakten finden im Netz der Lügen
tagesschau 12:00 Uhr , 31.07.2017, Claus Hanischdörfer, SWR

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Zusätzlich zur Webseite erstellten die Mitarbeiterinnen der Universität vier Fake-Profile, die sich mit Gleichgesinnten anfreundeten und rechtspopulistischen Seiten folgten. Nach zwei Wochen hatte eines der falschen Profile schon 251 Facebook-Freunde. Es war auch kein Problem, rechtspopulistischen Gruppen des sozialen Netzwerks beizutreten. "Auffallend war, dass unsere Facebook-Profile nie in Frage gestellt wurden, weder von Facebook, der Institution selber, noch von anderen Usern", so Schweiger im Gespräch mit dem SWR.

Besonders bemerkenswert war die Einseitigkeit der Themen, die in der Timeline der erfundenen Nutzer auftauchten. Schweiger warnt: "Wir werden diese Filterblasen und Echokammern weiterhin in den sozialen Netzwerken haben. Wenn diese als Nachrichtenquelle an Bedeutung gewinnen, dann wird das auf jeden Fall die Polarisierung, die bei uns auch allmählich anfängt, verstärken."

Wolkenkuckucksheim in Bad Eulen

Nachdem die falschen Nutzer und der erfundene Nachrichtenblog in der Community bekannt waren, verbreiteten Schweiger und seine Mitarbeiterinnen ihre Falschmeldungen. Neben den Gerüchten über die Schließung eines Cafés "Mohrenkopf" oder einer persönlichen Entschuldigung von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei einem Flüchtling hatte die Nachricht über den Gratis-Sex die höchste Reichweite.

Viele Nutzer sozialer Medien schienen nicht auf die angegebene Quelle zu achten. Dabei könnten sie so die Fake News schnell enttarnen, meinen die Wissenschaftler: So erinnere der Name "Der Volksbeobachter" schon an den "Völkischen Beobachter" - was nicht unbedingt für ein glaubwürdiges Medium spreche.

"Wenige Nutzer, die aber sehr aktiv sind"

Einige Nutzer bemerkten aber, dass es die Stadt Bad Eulen in Deutschland gar nicht gibt und enttarnten so den Fake. Für viele andere spielte dies hingegen keine Rolle, denn die Nachricht passte in ihr Weltbild. Häufig seien es wenige Leute, die rechte Filterblasen verursachten, erklärt Professor Schweiger, "die aber immens aktiv sind." Er hofft, dass die Macht dieser Menschen möglicherweise überschätzt wird. Allerdings habe das Experiment gezeigt, mit wie wenig Aufwand - nur eine Stunde am Tag - eine hohe Reichweite erzielt werden konnte.

Am Ende klärten die Wissenschaftler die Fälschung öffentlich auf. Mittlerweile sind die Seiten eindeutig als Fake-News gekennzeichnet, doch die Klarstellung erreichte nicht so viele Menschen wie die Falschmeldungen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Juli 2017 um 12:00 Uhr.

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