Anzeige am geschlossenen Eurowings-Schalter | Bildquelle: dpa

Eurowings-Verbindung in die Türkei Abgesagter Flug sorgt für Boykottaufruf

Stand: 24.07.2017 22:05 Uhr

Eurowings hat einen Flug nach Ankara gecancelt. Angeblich wollte ein Pilot aus politischen Gründen nicht dorthin fliegen. Nun kursieren Boykottaufrufe und Gerüchte, dass Eurowings die Türkei meide. Tatsächlich steuert die Airline das Land weiter an.

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Kristin Becker, SWR

Von Kristin Becker, SWR

"Hasspolitik gegenüber der Türkei". "Statt zu fliegen hetzten deutsche Piloten". "Schämt Euch". So lauten nur einige der Formulierungen in Postings bei Twitter und Facebook, die sich seit dem Wochenende gegen die Fluglinie Eurowings und ihre Tochtergesellschaft Germanwings richten. Auf Türkisch und auf Deutsch wird den Airlines Rassismus gegen Türken vorgeworfen und aufgerufen, sie zu boykottieren.

Was ist passiert?

Hintergrund für die Aufregung im Netz ist der von Germanwings durchgeführte Eurowings-Flug 4U 2904. Der soll am vergangenen Samstag eigentlich spätabends von Stuttgart nach Ankara aufbrechen.

Doch kurz nach 18 Uhr wird der Flug gecancelt. Viele der Reisenden sind verärgert. Auch weil es an dem Abend für sie keine Möglichkeit gibt, noch anders in die Türkei zu kommen. Für besondere Empörung aber sorgt eine vorgebliche Begründung für den Flugausfall.

Gegenüber dem ARD-faktenfinder berichtet eine Passagierin, das Personal am Schalter habe auf Nachfrage in Türkisch und Deutsch erklärt, dass der Pilot aus "politischen Gründen" nicht nach Ankara fliegen wolle. Er würde sich dort nicht sicher fühlen und hätte Angst um sein Leben.

Vom Flughafen ins Internet

Die angebliche Weigerung des Piloten, in die Türkei fliegen zu wollen, verbreitet sich nicht nur unter den Fluggästen, sondern auch im Netz. Der Bruder einer anderen Passagierin, die von Mitreisenden am Flughafen davon gehört hat, postet eine entsprechende Anmerkung auf Facebook, wo sie vielfach geteilt und kommentiert wird.

Fluggäste und Internetnutzer - die meisten offenbar türkischstämmig - fühlen sich angegriffen von der vermeintlichen Aussage des Piloten. Sie empfinden den gestrichenen Flug als Maßnahme, die sich gegen Türken richtet.

Forderungen werden laut, Germanwings bzw. Eurowings oder auch andere deutsche Fluglinien zu boykottieren. Eine Nutzerin schreibt: "Es ist an der Zeit zu erkennen, dass die Aktionen nicht nur gegen die Türkei ist (was schlimm genug ist), sondern auch gegen das türkische Volk in der EU. Erhebt euch und boykottiert solche Firmen, WIR SIND MÄCHTIG GENUG!"

Zudem kursieren unter den Passagieren und in den sozialen Netzwerken Gerüchte, dass Eurowings die Türkei bis auf Weiteres nicht anfliegen will.

Kurzfristige Krankmeldung

Gegenüber dem ARD-faktenfinder wie auch auf Twitter erklärt Eurowings, dass der Flug wegen der "kurzfristigen Erkrankung eines Crewmitglieds" annulliert wurde. "Aufgrund der Kurzfristigkeit der Krankmeldung war es leider nicht mehr möglich, einen Ersatzpiloten für diesen Flug zu aktivieren." Man könne nicht bestätigen, dass der Flug ausgefallen sei, weil der Pilot sich geweigert habe, in die Türkei zu fliegen.

Fakt ist: Die Entscheidung, ob ein Pilot oder ein anderes Crew-Mitglied an einem bestimmten Tag tatsächlich fliegt, ist auch eine persönliche Entscheidung, die abhängig ist vom Wohlbefinden des Einzelnen. Von Lufthansa, der Muttergesellschaft von Eurowings, heißt es dazu:

Grundsätzlich haben Crewmitglieder die Möglichkeit, sich vor einem Flug 'unfit to fly' zu melden, wenn sie sich nicht in der Lage sehen, den Flug ordnungsgemäß mit vollem Einsatz durchzuführen - zum Beispiel wenn sie erkrankt sind. Diese Regelung ist ein wichtiger Pfeiler im Sicherheitskonzept der Lufthansa.

Eurowings fliegt weiter in die Türkei

Nach eigenen Angaben ist Eurowings im Juli bisher 55 mal in die Türkei geflogen - nach Antalya, Ankara, Istanbul, Izmir, Bodrum, Samsun und Kütahya.

Flugzeuge der Eurowings | Bildquelle: 20160929

Eurowings fliegt weiter in die Türkei.

In der vergangenen Woche starteten 26 Flüge in diese Richtung. Laut Airline gab es außer dem Stuttgarter Flug in den letzten vier Wochen keinen Ausfall, der ein Reiseziel in der Türkei betraf. Auch diese Woche sollen insgesamt 29 Eurowings-Flüge in die Türkei starten.

Gerüchte, dass Eurowings die Türkei nicht mehr anfliegt, sind also falsch. Die Airline hat – wie jeder andere Fluganbieter – ein großes Interesse daran, geplante Flüge auch durchzuführen. Ausfälle sorgen nicht nur für verärgerte Fluggäste, es drohen zudem finanzielle Forderungen im Sinne der EU-Fluggastrechteverordnung.

Problem: Ausgebuchte Flüge

Schwierigkeiten gab es in Stuttgart allerdings bei der Umbuchung der betroffenen Passagiere. Grund dafür ist, dass sowohl Eurowings als auch andere Fluggesellschaften in Richtung Türkei derzeit zu weiten Teilen ausgebucht sind. Es ist Hauptsaison.

Flug 4U 2904 flog am Samstag nicht nach Ankara, sehr wohl aber startete am Tag drauf ein Eurowings-Flieger von Stuttgart nach Istanbul. Am Mittwoch dann soll der nächste reguläre Flug der Airline vom Stuttgarter Flughafen in die türkische Hauptstadt erfolgen.

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