Frauenfüße und ein Paar Kinderschuhe | Bildquelle: picture alliance / maxppp

Ehe für alle Und was ist mit den Kindern?

Stand: 30.06.2017 12:23 Uhr

Brauchen Kinder einen Vater und eine Mutter, um sich wohl zu fühlen? Haben Kinder von homosexuellen Eltern soziale Nachteile, werden sie diskriminiert? Was sagen Studien dazu?

Von Melanie Bender, WDR

Der Bundestag hat über die Ehe für alle abgestimmt. Homosexuelle Paare werden künftig rechtlich heterosexuellen Paaren gleichgestellt. Damit ändern sich auch die Möglichkeiten der Adoption für Homosexuelle.

Bisher gab es für Paare in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft nur die sogenannte Sukzessivadoption. Dabei konnte ein Lebenspartner ein Kind annehmen, das der andere bereits adoptiert hatte. Eine gleichzeitige Adoption durch beide Ehepartner hingegen war verboten. Diese Möglichkeit der Adoption wurde schon 2014 nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts durch den Bundestag verabschiedet.

Kritiker argumentieren mit dem Wohl der Kinder

Gegner der Ehe für alle und der rechtlichen Gleichstellung beim Thema Adoption beharren darauf, dass zu einer Familie immer Vater und Mutter gehören würden. "Der Einfluss eines Vaters und der Mutter sind wichtig für die Entwicklung eines Kindes. Das lernt jeder Pädagoge", twitterte die AfD Berlin.

Die Debatte um die Sukzessivadoption 2014 im Bundestag drehte sich auch um eine mögliche Gefährdung des Kindeswohls. Die Bundestagsabgeordnete Sabine Sütterlin-Waack (CDU) sprach sich damals gegen die Volladoption für Homosexuelle aus. Sie befürchtete, Kinder in Regenbogenfamilien könnten Diskriminierung erleben.

Studien sehen keine Nachteile

Studien zur Entwicklung von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften kommen jedoch alle zu dem Ergebnis, dass es den Kindern in Regenbogenfamilien gut geht. Ob Kinder mit homosexuellen oder heterosexuellen Eltern aufwachsen, wirkt sich demnach nicht auf ihre Entwicklung aus.

Eine der längsten Studien zu diesem Thema wird seit 1986 in den USA durchgeführt und begleitet Familien lebischer Paare. Forschungsleiterin Nanette Gartrell fand zwar zusammen mit ihren Kollegen auch keine nachteiligen Auswirkungen der Homosexualität der Eltern auf die Kinder. Weder wurden diese häufiger kriminell, noch beeinflusste es deren eigene sexuelle Orientierung.

Die Untersuchungsergebnisse weisen aber darauf hin, dass das Erleben von Diskriminierung bei den Kindern zu Verhaltensauffälligkeiten führen kann. Im "Tagesspiegel" warnte sie 2013: "Ärzte und Therapeuten sollten aufmerksam sein auf das negative Potenzial von homophoben Reaktionen".

Die erste größere, deutsche Studie zur Lebenssituation von Kindern in Lebenspartnerschaften wurde durch das Justizministerium 2009 veröffentlicht. Das Fazit: Es gibt keine nennenswerten Unterschiede bei der Entwicklung von Kindern von homo- oder heterosexuellen Eltern. Die Regenbogenfamilie hatte auf Kinder eher Vorteile: Ein höheres Selbstwertgefühl.

Kritik an der Methodik

Gegnern der völligen Gleichstellung von Homosexuellen Paaren reichen diese Forschungsergebnisse nicht aus. Sie weisen vor allem auf eine unzureichende Datenbasis der Studie hin, die für generelle Aussagen nicht tragfähig sei.

Dieses Argument findet sich auch in der Diskussion über andere Untersuchungen zum Thema. So bemängelt Jeppe Rasmussen, Leiter des Deutschen Institutes für Jugend und Gesellschaft des Vereins Offensive Junger Christen das Fehlen von sinnvoll definierten Kontrollgruppen, also der Vergleich zu Familien mit heterosexuellen Eltern.

Die Familienform ist zweitrangig

Die Psychologin Ina Bovenschen hat zusammen mit ihren Kollegen vom Expertise- und Forschungszentrum Adoption (EFZA) internationale und nationale Studien zu diesem Thema zusammengetragen. Sie kann die Kritik an den Studien nicht nachvollziehen.

"Nicht die Familienform ist für das Kindeswohl entscheidend, sondern die Art und Weise, wie Familie gelebt wird", sagt sie. Letztendlich kommen alle Studien zur Situation von Kindern in homosexuellen Partnerschaften zum gleichen Ergebnis: Es gibt keine signifikanten Nachteile für Kinder.

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