Posting des Afd-Kreisverbandes Nürnberg

Irreführendes Bild auf Facebook AfD holt das Matterhorn nach Deutschland

Stand: 17.08.2017 14:45 Uhr

Es ist nicht das erste Mal, dass die Alternative für Deutschland in den sozialen Medien ein Foto aus dem Zusammenhang reißt oder Fotografen-Rechte ignoriert. Diesmal aber auf den ersten Blick ersichtlich: Den Slogan "Hol dir dein Land zurück" illustriert die Partei mit dem Schweizer Matterhorn.

Von Fiete Stegers, ndr.de

Die Forderung des AfD-Kreisverbandes Nürnberg war alles andere als kontrovers und hätte auch von Grünen oder CDU stammen können: "Ärztliche Versorgung auf dem Land sicherstelllen" und "grundlegende Probleme beseitigen" hieß es auf ihren auf Facebook und Twitter veröffentlichten Bild-Tafeln. Darunter einer der Wahlkampf-Slogans der Partei: "Hol dir dein Land zurück". Mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass sich die auf dem auf dem Bild gezeigte Berglandschaft weder in Franken noch sonst irgendwo in Deutschland befand.

Aufmerksame Nutzer erkannten gleich das charakteristische Panorama des Matterhorns, fotografiert von der Zermatter Seite. Der Spott ließ nicht lange auf sich warten:

Wieder einmal hatte sich eine Gliederung der Alternative für Deutschland offensichtlich für die Illustration in einer Internet-Bilddatenbank bedient. Aus diesen beziehen auch Firmen oder andere Organisationen Fotomaterial für Prospekte oder Internetseiten - kostengünstig oder sogar gratis.

In diesem Fall hatte eine Schweizer Nutzerin das Foto zur kostenlosen Verwendung ohne weitere Beschränkungen ins Netz gestellt. Die AfD habe nicht um eine Nutzungserlaubnis gebeten - diese war aber auch rechtlich nicht erforderlich, sagte sie dem ARD-faktenfinder. Nun habe sie aber reagiert: " Ich habe darum gebeten, dass die AfD in Zukunft auf die Nutzung meiner Bilder verzichtet."

2013: Die gleiche Familie bei FDP und NPD

Anders als bei Firmen kann die Nutzung von solchen generischen Fotos bei Parteien aber für Diskussionen sorgen, zum Beispiel, wenn der Original-Kontext des Bildes oder die Herkunft der abgebildeten Modells im Widerspruch zur politischen Linie stehen.

Nicht nur die AfD hatte schon Probleme mit solchem Bildmaterial: Im letzten Bundestagswahlkampf zeigte die FDP in einem Werbespot für Spitzenkandidat Rainer Brüderle eine radelnde Bilderbuch-Familie. Das gleiche Filmmaterial verwendete auch die rechtsextreme NPD für einen eigenen Clip - und ein finnischer Quarkproduzent.

Falsche Tracht und ausländische Models

Bei der AfD aber häufen sich die Fälle: So wirbt die Zuwanderung ablehnende Partei auf Großplakaten mit einer tanzenden Familie für das "traditionelle" Modell. Bei genauerem Hinsehen fällt deren asiatisches Aussehen auf. Das Foto stammt ebenfalls aus einer Bilddatenbank, der Fotograf aus Taiwan.

Ein anderes Plakat vermittelt die Botschaft, "bunte Vielfalt" durch Zuwanderer brauche es nicht - sie gebe es doch schon durch deutsche Trachten. Allerdings ist die gezeigte Schwarzwälder Trachtenträgerin alles andere als authentisch. Im Juli hatte die AfD die Deutschen zu mehr Kindern ermuntern wollen - mit dem Foto eines Models aus Brasilien.

Matterhorn in Nürnberg?

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Fotografen sehen Rechtsverstöße

Im Frühjahr hatte das NDR-Medienmagazin ZAPP über weitere Fälle berichtet, in denen die Bundespartei Fotos ausländischer Fotografen in Zusammenhang mit ihren eigenen Botschaften in den sozialen Medien verwendet hatte - obwohl diese "nur zur Verwendung für redaktionelle Zwecke" angeboten wurden oder in den Nutzungsbedingungen politische Zwecke explizit ausgeschlossen wurden. Auch Wikipedia-Mitarbeiter sahen ihre Rechte durch die Verwendung ihrer Fotos durch die AfD verletzt. In einigen Fällen wurden die Fotos inzwischen von der AfD enfernt. Mehrere betroffene Fotografen kündigten die Prüfung rechtlicher Schritte an. Der Berliner Fotograf Christian Mang sagte dem ARD-faktenfinder, er gehe gegen verschiedene AfD-Profile wegen unerlaubter Nutzung seiner Fotos vor und habe schon teilweise Erfolg gehabt.

Grüner Grund statt Schweizer Berg

Und die AfD Nürnberg? Die hat im aktuellen Fall das kritisierte Bild gelöscht. Stattdessen wird die Forderung nach besserer ärztlicher Versorgung auf dem Land jetzt vor einem neutralen grünen Hintergrund - wahrscheinlich einer sehr unscharfen Wiese - gestellt. Trotzig postete die Partei aber auch das Bild des Matterhorns erneut, diesmal mit dem Ruf nach mehr direkter Demokratie und Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild.

Es gab übrigens schon einmal eine Partei, die mit dem Matterhorn und für Volksabstimmungen geworben hat: "Vorbild Schweiz: Masseneinwanderung stoppen", verlangte 2014 die NPD.

Über dieses Thema berichtete BR Bayern 1 am 17. August 2017 um 05:05 Uhr.

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