Blick über das Oktoberfest in München | Bildquelle: dpa

Besucherzahlen Wiesn Oktoberfest korrigiert Zahlen - nach oben

Stand: 24.09.2017 16:51 Uhr

Ist die Wiesn leer oder voll - diese Frage ist zum Politikum geworden. Die AfD hat behauptet, es kämen "kaum Besucher". Fest steht nun: Es waren noch mehr Gäste am ersten Wochenende da, als zuletzt bekanntgegeben.

Kristin Becker Logo SWR
Kristin Becker, SWR

Von Kristin Becker, SWR

Es war eine Woche der Zahlen. Wer schneidet wie ab bei der Bundestagswahl, wer wird dritte Kraft im neuen Parlament, wie hoch wird die Wahlbeteiligung sein. Und wie viele Menschen kommen dieses Jahr zum Oktoberfest.

Dazu gibt es nun neuste Zahlen: 700.000 sind bereits am ersten Wochenende auf die Wiesn geströmt, wie die Oktoberfest-Pressestelle dem ARD-faktenfinder mitteilte. Das sind 100.000 mehr als ursprünglich bilanziert. Zunächst hatten die Verantwortlichen vor einer Woche von rund 600.000 gesprochen. In jedem Fall sind es mehr als 2016.

Die Differenz von 600.000 auf 700.000 Besucher erklärt sich laut Pressestelle dadurch, dass die erste Schätzzahl von Sonntagmittag bis zum Abend hochgerechnet und somit nicht final war. Dank des Besucherzulaufs bis zum Wiesn-Schluss am vergangenen Sonntag habe sich die Schätzzahl in der Nacht auf 700.000 Besucher erhöht.

Kommt keiner zum Oktoberfest?

Trotzdem wurde das Auftaktwochenende der Wiesn zum Politikum - weil die AfD in einem Facebook-Post einen Tag nach Eröffnung behauptet hatte, es seien "kaum Besucher" da und es herrsche "gähnende Leere".

Facebook-Post der AfD zum Oktoberfest, Screenshot vom 18.09.2017, 10 Uhr

Darüber haben wir berichtet und die Behauptungen geprüft. Erkenntnis: "kaum Besucher" und "gähnende Leere" auf der Wiesn sind falsch. Wir haben aber auch darauf hingewiesen, dass die Gesamtzahlen beim Oktoberfest schwanken, seit 2011 rückläufig sind und sich eine Bilanz erst am Ende ziehen lässt.

Zudem haben wir stichprobenartig bei anderen großen Volksfesten nach den Zahlen geschaut und keinen Rückgang festgestellt. Die AfD hatte suggeriert, dass es insgesamt seit 2015 Probleme bei der Durchführung von Volksfesten gebe.

Schwerer Vorwurf in der FAZ

In der FAZ nun wirft uns der Autor Rainer Meyer, der sonst unter dem Kunstnamen "Don Alphonso" bloggt und twittert, "Fake News" vor. Sein Argument ist eine Aussage der Pressestelle des Oktoberfestes, die wir zitiert hatten. In unserem Text heißt es:

Laut Festleitung kamen am ersten Wochenende rund 600.000 Besucher auf die Wiesn - das sind 100.000 mehr als 2016. Gegenüber dem ARD-faktenfinder erklärte die Oktoberfest-Pressestelle der Stadt München, dass die Besucherzahl im langjährigen Mittel liege.

Diese Aussage liegt uns schriftlich vor. In der E-Mail der Oktoberfest-Pressestelle steht wörtlich:

Das erste Bier beim Oktoberfest 2017

Aus Sicht des Veranstalters kann ich Ihnen folgende Fakten mitteilen: Am ersten Wiesn-Wochenende kamen 600.000 Besucher auf das Oktoberfest und damit liegt die Besucherzahl im langjährigen Mittel.

Für Meyer wurde daraus eine Falschbehauptung unsererseits. Er schreibt in seinem FAZ-Artikel:

Ein Anruf bei der Pressestelle ergibt, dass man dort sehr genau weiß, dass das erste Wochenende weit hinter den Erwartungen zurückblieb und keinesfalls im langjährigen Mittel liegt. Die Aussage der ARD sei ein Missverständnis. Die Pressestelle habe sich allein auf die Schlusszahlen des Oktoberfestes bezogen, die bislang auch nach schlechten Auftaktwochenenden im langjährigen Mittel lagen. Aber eben nicht darauf, dass das erste Wochenende in diesem Mittel liege.

Weiter heißt es bei Meyer, die Tagesschau mache

mit einem 'Missverständnis' echte Fake News: Indem sie gegenüber ihren Lesern eine offizielle Bestätigung für ihre Zahlentrickserei suggeriert, die es seitens der Pressestelle nicht gibt.

Fake News der Tagesschau? Nein!

Leider hat der Autor trotz des schwerwiegenden Vorwurfs nicht bei uns nachgefragt, sonst hätten wir ihm die E-Mail zur Verfügung gestellt. Nach Erscheinen des FAZ-Artikels haben wir uns bei der Oktoberfest-Pressestelle nach dem angeblichen Missverständnis unsererseits erkundigt. Von dort heißt es nun wiederum schriftlich:

Die Besucherzahl für das Auftaktwochenende liegt nun nach Schätzung der Festleitung nicht bei 600.000, sondern bei 700.000 Gästen. Die Aussage, dies liege im langjährigen Mittel war leider missverständlich und sollte zeigen, dass diese Zahlen keinen Anlass für eine schlechte Besucherprognose abgeben.

Trachtenumzug zum Oktoberfest

Wir haben auch gefragt, ob die Pressestelle eingeschätzt habe, wie Meyer in der FAZ behauptet, die Besucherzahlen seien weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Das wurde verneint: "Von Erwartungen sprechen wir grundsätzlich nicht." Zudem heißt es in der Antwort aus München:

Es ist richtig, dass der FAZ versehentlich gesagt wurde, dass sich die Antwort an Sie "allein auf die Schlusszahlen des Oktoberfestes
bezogen, die bislang auch nach schlechten Auftaktwochenenden im langjährigen Mittel lagen. Aber eben nicht darauf, dass das erste
Wochenende in diesem Mittel liege". Dieses Missverständnis bitten wir zu entschuldigen.

Die Wahrheit

Unabhängig von allen Missverständnissen: Die AfD hat mit ihrem Facebook-Post Stimmungs- und Angstmache betrieben. FAZ-Autor Meyer versucht das zu entschuldigen, indem er argumentiert, dass normalerweise niemand "von einem Wahlplakat die absolute Wahrheit" erwarte.

Die Wahrheit ist trotzdem, dass es am ersten Wochenende auf der Wiesn keine "gähnende Leere" oder "kaum Besucher" gab. Laut Halbzeitbilanz, die gerade veröffentlicht wurde, haben dieses Jahr bislang rund drei Millionen Gäste das Oktoberfest besucht. "Auch die herbstliche Kälte mit Regenschauern zu Wiesnbeginn taten der Feierlaune keinen Abbruch", heißt es von der Festleitung. Das 184. Oktoberfest entwickele sich "zu einer gemütlichen Münchner Wiesn wie früher".

Darstellung: