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Kampf gegen Desinformation "Es ist kein Ende in Sicht"

Stand: 13.03.2018 15:40 Uhr

Snopes.com ist das älteste Online-Projekt, das gezielte Falschmeldungen widerlegt. Doch der Gründer der Seite ist frustriert angesichts der zunehmenden Desinformation in sozialen Medien.

Marcus Schuler, BR

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

In den USA machen sich nicht nur Facebook, Twitter und Google Gedanken darüber, wie sie gegen die Verbreitung von unwahren Nachrichten besser vorgehen können. Schon seit vielen Jahren gibt es Online-Dienste, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Falschnachrichten zu entlarven. Beispielsweise Snopes.com, eine der ältesten und angesehensten Online-Projekte.

Snopes-Chef David Mikkelson sagt aber, dass ihm sein Job längst nicht mehr so viel Spaß macht wie früher - vor 20 Jahren. Spätestens seit dem Wahlkampf 2016 müssen sich Mikkelson und sein 15-köpfiges Team fast ausschließlich mit politischen Falschnachrichten beschäftigen.

Fake News als politischer Kampfbegriff

Der Begriff Fake News habe seine Bedeutung verloren, erklärt Mikkelson, "als der Präsident die Bezeichnung für alles verwendete, was ihm nicht gefiel". Also zum Beispiel die "New York Times" oder CNN. Der Begriff sei nutzlos geworden, so Mikkelson. "Wir sollten uns eine neue Begrifflichkeit ausdenken."

Früher war wirklich alles besser, sagt der 58-Jährige, der ursprünglich Programmierer war. Als Snopes im Jahr 1994 online ging, da war das Ziel, krude Zeitungsgeschichten zu entlarven. Wie zum Beispiel: "Frau bringt im Aufzug zehn Katzenbabys zur Welt!"

"Wir haben unsere Nachrichten aus denselben Quellen bezogen: Es gab drei TV-Networks", blickt Mikkelson zurück. "Heute erhalten viele Menschen Nachrichten über die sozialen Netzwerke - nämlich das, was Freunde oder Verwandte dort teilen. Das Internet hat alles gleich gemacht. Im Netz gibt es keinen Torwächter mehr, der sagt, was wichtige und echte Nachrichten sind."

"Marken nicht mehr zu erkennen"

Snopes ist nicht nur das älteste Online-Angebot in den USA, das versucht Falschnachrichten zu entlarven, es ist auch eines der angesehensten. Fernsehsender und andere Online-Dienste zitieren gerne die Recherchearbeit von Snopes. Wie so häufig in diesen Tagen stehen vor allem Facebook und Twitter in der Kritik. Eine Ursache sei zum Beispiel: Bei Facebook gehe die Wiedererkennung bekannter Nachrichtenmarken verloren, sagt Mikkelson:

Marke und Inhalt sind getrennt. Schaut man sich einen Social-Media-Artikel der "New York Times" an, dann sieht der genauso aus wie ein Post von Breitbart oder ein Artikel ihres bloggenden Vetters Larry. Das Branding ist verlorengegangen.

Facebook und Google hätten zu lange nichts gegen windige Geschäftemacher unternommen, meint Mikkelson. Wie zum Beispiel die Jugendlichen aus Mazedonien, die mit gefälschten Zeitungsartikeln Tausende Amerikaner auf ihre Website lockten und dafür Werbegelder kassierten.

Frust über Falschmeldungen

Am schlimmsten seien jedoch die politischen Falschnachrichten - so Mikkelson. Die würden weiter zunehmen: "Das endet nie", meint der Snopes-Chef. Und: "Je mehr man Artikel veröffentlicht, umso mehr neue Falschnachrichten tauchen auf. Es ist kein Ende in Sicht."

Die Frustration ist Mikkelson deutlich anzumerken. So gerne würde er lieber mal wieder eine klassische Yello-Press-Geschichte widerlegen, wie zum Beispiel: "Ehepaar stellt nach Gen-Analyse fest: Wir sind Geschwister." Doch diese Zeiten sind vorbei.

snopes.com im Kampf gegen "Fake News"
Marcus Schuler, Los Angeles, zzt. Austin
13.03.2018 15:26 Uhr

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