Druckstraße mit Tageszeitungen im DuMont-Verlag in Köln | Bildquelle: dpa

Journalistische Darstellungsformen Wann darf ein Journalist seine Meinung sagen?

Stand: 30.05.2017 14:53 Uhr

Journalistische Angebote müssen strikt in Information und Meinung getrennt sein. Anders als in einem objektiven Bericht, dürfen Journalisten in einem Kommentar aber sagen, was sie denken.

Von Jenny Stern, BR

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Jenny Stern, BR

Die NDR-Journalistin Anja Reschke ärgerte sich vergangene Woche über unpassende Nazivergleiche und wurde prompt dafür kritisiert: Als "Meinungsjournalismus statt Berichterstattung" wurde ihr Kommentar auf Facebook abgetan. Ähnlich erging es ihrer Kollegin vom WDR, Isabel Schayani. Ihren Beitrag über ehrenamtliche Helfer für Geflüchtete bezeichnete ein User als "Propaganda". Er schreibt: "Diese Art von Kommentar zielt darauf ab, die, die anderer Meinung sind, als schlechte Menschen darzustellen."

Wann dürfen Journalisten in Zeitung, Hörfunk, Fernsehen oder Internet ihre Meinung äußern und wann nicht? In der Theorie ist die Antwort eindeutig: Immer dann, wenn sie als solche kenntlich gemacht wird. Die strikte Trennung in informierende und meinungsäußernde Darstellungsformen ist oberstes Gebot im Journalismus. Sie ist eine Lehre, die aus der Zeit des Nationalsozialismus gezogen wurde. Bei den genannten tagesschau-Beiträgen wies die Einblendung "Kommentar" unten links im Bild darauf hin, dass es sich um subjektive Einschätzungen und Argumente der jeweiligen Journalistinnen handelte.

Informierende Darstellungsformen

Nachrichten: Meldung und Bericht

Die Nachricht informiert den Leser, Zuschauer oder Zuhörer objektiv über ein bestimmtes aktuelles Ereignis. Sie gibt die Meinung von Politikern, Wissenschaftlern oder Experten wieder, jedoch nie die des Autors. Nachrichten werden in Meldungen und Berichte eingeteilt, die sich lediglich in ihrer Länge voneinander unterscheiden.

Die Meldung bildet das Grundgerüst der journalistischen Arbeit, sie ist die kürzeste aller informierenden Darstellungsformen. Der Autor nennt zuerst die wichtigste Information und beantwortet dabei die sogenannten W-Fragen: Wer macht wann, was, wo, wie und warum? Außerdem muss deutlich werden, woher, also von welcher Quelle die Information stammt. Welche Nachrichten schließlich in einem TV-Programm oder auf einer Internetseite landen und welche nicht, entscheiden die Redakteure. Sie orientieren sich dabei an journalistischen Kriterien wie Aktualität, Relevanz und Nähe zum Publikum.

Länger als die Meldung ist der Bericht. Er wird deshalb gern als ihr "großer Bruder" bezeichnet. Meist bietet der Bericht einen neuen "Dreh" zur bestehenden Nachricht, denkt sie weiter, bietet zusätzlichen Hintergrund und erklärt Zusammenhänge. Oft erzählt der Bericht die Vorgeschichte zum Geschehen oder liefert einen Ausblick auf die Zukunft.

Aufsager

Aufsager sind kurze Berichte, die vor allem Radio- und Fernsehjournalisten nutzen. Der TV-Reporter erscheint selbst im Bild, spricht in die Kamera und ordnet das Geschehen in seinem Berichtsgebiet ein.

Kommentierende Darstellungsformen          

Kommentar

Im Gegensatz zur objektiven Nachricht darf ein Journalist seine Meinung in einem Kommentar äußern. Wichtig ist, dass die Meinungsäußerung als solche gekennzeichnet ist. In den Sendungen der Tagesschau und Tagesthemen werden Meinungsbeiträge durch den Moderatoren der Sendung angekündigt und zusätzlich durch ein Banner mit dem Hinweis "Kommentar" im Bild kenntlich gemacht. In Zeitungen oder Zeitschriften sind sie meist mit der Überschrift "Kommentar" markiert.

Kommentare sind ein zusätzliches Angebot, das über die ursprüngliche Nachricht hinausgeht. Einige Kommentatoren greifen die Nachricht noch einmal auf, um dann ihre Argumente vorzubringen. Dadurch soll eine Diskussion entfacht werden, bei der sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann.

Journalistische Lehrbücher unterscheiden zwischen unterschiedlichen Arten von Kommentaren. Dazu gehören der Einerseits-Andererseits-Kommentar, der das Für und Wider eines Themas ohne eindeutige Haltung erörtert, der Pro-und-Contra-Kommentar und der Meinungsartikel. Letzter schließt mit einem eindeutigen Fazit und hat das Ziel, den Leser, Zuschauer oder Zuhörer von der eigenen Meinung zu überzeugen.

Glosse

Eine besondere Form des Kommentars ist die Glosse. Sie nähert sich mit Biss und Witz an ein nicht unbedingt aktuellen Thema. Veröffentlicht ein Autor seine Beiträge regelmäßig an derselben Stelle, spricht man von einer Kolumne.

Weitere Darstellungsformen

Reportagen, Feature und Porträts gehören zu den informierenden und unterhaltenden Darstellungsformen. Häufig vermischen sich ihre Kriterien, weshalb sie nicht eindeutig voneinander abgegrenzt werden können.

Reportage

Bei einer Reportage nimmt der Journalist sein Publikum mit an den Ort des Geschehens, er berichtet über seine Erlebnisse und sein Empfinden, was er sieht, hört, riecht und schmeckt. Diese subjektive Erfahrung reichert er - teils mehr, teils weniger - mit Hintergrundwissen an.

Feature

Beim Feature handelt es sich um eine Mischform verschiedener Darstellungsformen. Es sind besonders detailliert geschriebene und gestaltete Texte oder Sendungen. Der Autor beschäftigt sich mit einem konkreten Beispiel, um daraus auf grundsätzliche Vorgänge zu schließen.

Porträt

In einem Porträt beleuchtet der Autor eine Person, eine Gruppe oder ein Unternehmen. Um ein ganzheitliches Bild zu liefern und sich dem Betrachteten von allen Seiten anzunähern, werden im besten Falle alle relevanten Menschen im Umfeld und der Porträtierte selbst befragt.

Interview

Bei einem Interview befragt ein Journalist eine bekannte Person, zum Beispiel aus Politik, Wirtschaft oder Kultur. Das Gesagte wird dabei genau wiedergegeben und vor der Veröffentlichung häufig vom Interviewpartner "autorisiert". Gute Interviews zeichnen sich dadurch aus, dass der Journalist durch kritische Fragen eingreift und das Gespräch "führt".

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