"Fake News" - eine der Neuerungen im Duden | Bildquelle: dpa

Ein Jahr ARD-faktenfinder Fake News zu ignorieren, ist keine Lösung

Stand: 03.04.2018 09:41 Uhr

Seit einem Jahr klärt der ARD-faktenfinder über Desinformation auf. Die Wirkung von solchen Projekten ist umstritten - doch Fake News einfach zu ignorieren, kann keine Lösung sein.

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Patrick Gensing, tagesschau.de

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Desinformation enttarnen und Fakten liefern - das ist das Ziel des Projekts ARD-faktenfinder. Heute vor einem Jahr ging die Seite faktenfinder.tagesschau.de online. Seitdem haben die Redaktion und Autoren aus der gesamten ARD Hunderte Beiträge veröffentlicht - in verschiedenen Kategorien wie Inland, Ausland, Hintergründe und Tutorials.

Die ARD hatte Anfang 2017 beschlossen, angesichts der Debatten über Fake News, die die Bundestagswahl beeinflussen könnten, ein entsprechendes Projekt zu realisieren. Dieses wurde bei ARD-aktuell umgesetzt. Während des Wahlkampfs unterstützten Redakteurinnen und Redakteure vom MDR, NDR, SWR und WDR das Projekt in Hamburg. Im September 2017 beschlossen die Intendanten der ARD, das Projekt um zwei Jahre zu verlängern.

Schwerpunkt der Arbeit sind Maßnahmen gegen Desinformation und Falschmeldungen. So stellte der ARD-faktenfinder beispielsweise während des G20-Gipfels in Hamburg zahlreiche irreführende oder nicht korrekte Berichte richtig. Auch nach Anschlägen kursierten immer wieder Falschmeldungen - vor allem im Netz. Aber auch in etablierten Medien finden sich beispielsweise irreführende Zahlen zu Schießereien an Schulen in den USA.

Im Wahlkampf beobachtete die Redaktion zahlreiche kleinere Fake News, die in sozialen Medien oft zehntausendfach geteilt wurden. Zudem analysierte der ARD-faktenfinder die Aktivitäten von Social Bots und klärte über organisierte Troll-Attacken im Netz auf. Auch bei internationalen Konflikten wie in Syrien oder im Fall Skripal gehören Desinformationsstrategien zum Alltag.

Studien über Fake News

Das Phänomen Desinformation und Fake News beschäftigt auch die Wissenschaft: Mehrere Studien wurden oder werden dazu erstellt. Die "Stiftung Neue Verantwortung" bestätigte beispielsweise jüngst die Einschätzung, dass es im Bundestagswahlkampf keine große Flut von Fake News gesteuert aus dem Ausland gegeben habe, aber durchaus viele kleine irreführenden oder falsche Berichte. Die Quellen für Falschmeldungen hierzulande seien zumeist am rechten Rand zu finden, schreiben die Autoren:

Fake News, so wie sich das Phänomen in Deutschland empirisch darstellt, werden vor allem von den Rechten, Rechtspopulisten und Rechtsextremen verbreitet.

Auch die Politik arbeitet an Konzepten, um Desinformation zu begrenzen, ohne aber Grundrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit einzuschränken. Eine Gruppe von Experten aus Journalismus und Internet-Unternehmen erstellte dafür Empfehlungen für die EU-Kommission. Dabei geht es vor allem um die Fragen, wie Desinformation begrenzt werden kann, und ob dafür die sozialen Neztzwerke stärker reguliert werden müssen.

Medienkompetenz vermitteln

Ziel des ARD-faktenfinder ist aber nicht ausschließlich, über Falschmeldungen aufzuklären, sondern auch Medienkompetenz zu vermitteln. Angesichts der Flut von Informationen und Quellen im Netz sehen Experten hier einen entscheidenden Ansatzpunkt gegen die Verbreitung von Desinformation.

Dabei sollen beispielsweise Tutorials helfen, die erklären, wie Fake News, manipulierte Fotos oder Social Bots zu erkennen sind, worauf man bei Statistiken achten sollte oder wie man Seiten im Netz findet.

Fakten und Definitionen finden

Weiterer Schwerpunkt des Projekts: Fakten finden zu aktuellen Themen und Begriffe erklären. Was ist eigentlich Staatsfunk - und was unterscheidet diesen von öffentlich-rechtlichen Medien? Was bedeutet Zensur? Was ist eine Blockpartei? Wie funktionieren Verschwörungstheorien? Welche Erkenntnisse liefern offizielle Statistiken über Messerattacken in Deutschland - und welche nicht? Was sagt die Polizeiliche Kriminalstatistik? Wie entwickelt sich die linksextreme Gewalt? Was sind eigentlich Risikospiele im Fußball? Was ist Rassismus? Was ist Antisemitismus?

Was tun gegen Desinformation?

Über die Wirkung von Aufklärung über Fake News diskutieren Journalisten und Wissenschaftler viel. Studien legen nahe, dass die Richtigstellungen oft weniger Nutzer erreichen als die ursprüngliche Desinformation.

Doch dies ist kein Argument, um gar nichts gegen Fake News zu unternehmen und bewusste Irreführung einfach zu ignorieren. Denn je öfter falsche Behauptungen wiederholt werden, desto größer die Gefahr, dass viele Menschen sie glauben. Nicht widersprechen kann also keine Lösung sein. Der Gründer des US-Projekts Snopes, das seit vielen Jahren über Falschmeldungen aufklärt, meint, der Kampf gegen Desinformation gehen noch länger weiter. Ein Ende sei nicht in Sicht.

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