Donald Trump | Bildquelle: REUTERS

US-Politiker und die Factchecker "Sie lieben uns, wenn es gerade passt"

Stand: 03.04.2017 10:19 Uhr

Fakten-Prüfer haben Konjunktur in den USA. Nicht erst seit dem hitzigen Wahlkampf gibt es viele Angebote, die Aussagen von Politikern überprüfen. Politiker loben die Arbeit der Factchecker - solange die Ergebnisse in ihrem Sinne sind.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Jan Bösche, MDR

Fakten-Prüfer haben Konjunktur in den USA. Nicht erst seit dem hitzigen Wahlkampf gibt es zahlreiche Angebote, die Aussagen von Politikern auf ihren Wahrheits-Gehalt überprüfen, erklären, welche Fakten es gibt und welche stimmen. Bei der "South by Southwest" diskutierten sie darüber, wie Computersysteme dabei helfen könnten, mehr zu überprüfen.

Bill Adair ist Gründer von "PolitiFact", eine preisgekrönte Seite in den USA: "Wir machen Fortschritte: Entscheidende Dinge sind schon erledigt, aber wir sind noch weit entfernt vom völlig automatisiertem Fakten-Checken."

Keine Belege für Defizit

Der britische Dienst "Full Fact" arbeitet an mehreren Software-Lösungen, die das Fakten-Überprüfen erleichtern. Ein Dienst verfolgt, wann und wo eine falsche Behauptung auftaucht. Dafür wertet er Internetseiten aus, aber auch Fernseh-Untertitel. Mevan Babakar von "Full Fact" erklärte den Dienst am Beispiel der Behauptung, im britischen Verteidigungs-Budget klaffe ein Milliarden Pfund großes Loch. Darüber wurde wochenlang debattiert, es gab aber keine Belege.

"Wir gaben das in unser System ein und fanden heraus, dass über die Hälfte der Vorfälle von einem Mann stammten", erklärt Babakar. "Mein Job war plötzlich nicht mehr, jeden Vorfall zu finden, sondern mit Frederik Fullsight zu sprechen und zu sagen: Stop!"

Arbeit wird erleichtert, nicht erledigt

An der Universität von Texas wurde der Dienst "Claimbuster" entwickelt. Er analysiert Reden und findet Tatsachen-Behauptungen, erklärte Chengkai Li: "Wir habe ein System, das jeden Satz danach bewertet, ob er es wert ist, dass seine Fakten überprüft werden."

Mit der Bewertung können Fakten-Prüfer dann entscheiden, wo sie mit der Arbeit anfangen. Alle diese Dienste erleichtern die Arbeit, aber sie erledigen sie nicht. Bill Adair sagte, dafür seien Computer-Systeme noch nicht intelligent genug: "Sie können eine Vielzahl von Dokumenten durchsuchen und Dinge finden, Zusammenhänge finden, für die Menschen nicht die Geduld haben. Die meiste Analyse ist aber noch zu komplex, zu nuanciert für Computer."

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J. Bösche, MDR Washington
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"Sie lieben uns, wenn es ihnen passt"

Darum gibt es zwar schon Systeme, die in Echtzeit Trumps Rede vor dem Kongress mit Analysen von Fakten-Prüfern verknüpfen - diese Analysen müssen aber vorher von Menschen geschrieben worden sein. Präsident Donald Trump hält die Fakten-Prüfer in den USA ziemlich auf Trapp. Adair sagte: "Donald Trump mag Fakten-Prüfer, wenn es ihm nützt. Im Wahlkampf war er auf unserer Seite, als wir auf Clintons Fehler hinwiesen. Den Rest der Zeit beschimpfte er uns. Er ähnelt anderen Politikern: Sie lieben uns, wenn es ihnen passt."

Gleichzeitig bedauerte er, dass es viele Leute gebe, die sich weigerten, die Ergebnisse der objektiven Fakten-Prüfer anzuerkennen. Darum wollten sie versuchen, mit neuen Diensten ihre Ergebnisse weiter zu streuen. Auch dabei sollen automatisierte Systeme helfen. 

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