Der Blogger Markus Beckedahl auf der re:publica 17 | Bildquelle: dpa

re:publica 2017 "Wir können die Menschen nur mobilisieren!"

Stand: 11.05.2017 12:28 Uhr

"Fake News" überall: Über ein Dutzend Vorträge und Diskussionen befassen sich auf der diesjährigen Ausgabe der Netzkonferenz mit dem Thema. re:publica-Mitbegründer Markus Beckedahl appelliert im Gespräch mit dem ARD-faktenfinder an die Eigenverantwortung der Nutzer.

Von Matthias Vorndran, mdr

"Fake News" sind unter Bloggern und Journalisten eines der Themen der Stunde. Kein Konferenztag der re:publica 2017, an dem das Phänomen nicht auf der Agenda steht. Bei den Vortragsformen sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt: Von der Podiumsdiskussion über das Live-Tutorial bis zur Gameshow, in der Zuschauer zwischen echten und gefälschten Nachrichten unterscheiden sollen, ist alles dabei.

re:publica 17: eine Bildungsmaßnahme

Für Markus Beckedahl ist diese Dominanz ein gutes Zeichen. "Es zeigt uns erstmal, dass viele Menschen Interesse haben und Antworten auf ihre Fragen zu Netzphänomenen suchen." sagt der Mitbegründer der re:publica und des Blogs netzpolitik.org. "Die re:publica ist eine Maßnahme zur Medienbildung." Die Frage, wieviel die Konferenz dazu beitragen kann, die Herausforderung der "Fake News" zu bewältigen, stellt sich seiner Ansicht nach nicht: "Wir können nicht die Probleme der Welt lösen! Unser Ziel ist es, den Dialog zu suchen und die Besucher zu motivieren, 'rauszugehen und sich zu beteiligen."

"Fake News" ein Kampfbegriff?

In vielen Podiumsdiskussionen zum Thema klingt bei vielen Medienmachern Skepsis an, was die Verwendung des Begriffs "Fake News" angeht. Die Social-Media-Leiterin der Tageszeitung "Die Welt", Niddal Salah-Eldin, bezeichnete auf der re:publica die Formulierung als "Kampfbegriff" und fordert, diesen zu "begraben". Medien müssten in ihrer täglichen Arbeit zwischen Propaganda, Falschmeldungen oder Recherchefehlern differenzieren. Markus Beckedahl sieht das ähnlich. In seinen Augen handelt es sich um ein Schlagwort, das viele Einzelphänomene subsummiert, wie Falschmeldungen, Beleidigungen, Märchen und Lügen. Sich in der Debatte auf einen Begriff wie "Falschmeldungen" zu beschränken, werde dem Thema aber nicht gerecht.

"Vor dem Teilen Kopf einschalten!"

Eine mögliche Beeinflussung des Bundestagswahlkampfes will Beckedahl nicht ausschließen: "Das ist schon eine Herausforderung. Wir sehen vor allem von rechter Seite eine massive Zunahme solcher News zu Propagandazwecken. Jeder einzelne von uns muss sich seiner Macht und seiner Verantwortung bewusst sein, vor dem Teilen den Kopf einschalten und Fakten dreimal hinterfragen. Sonst sind wir zum Teil mit Schuld am Funktionieren dieser Maschinerie!"

Markus Beckedahl auf der re:publica 17

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2017 um 08:19 Uhr

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