Trump bei einer Rede am 29. Mai in Arlington | Bildquelle: AP

Terror in Barcelona Trump provoziert mit falscher Legende

Stand: 05.09.2017 10:24 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat nach dem Anschlag in Barcelona mit einem Tweet für Empörung gesorgt, in dem er an eine Massenexekution von Muslimen auf den Philippinen erinnert. Doch die hat nie stattgefunden.

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Matthias Vorndran, MDR

Von Matthias Vorndran, mdr, und Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Die Meldungen aus Katalonien waren nur wenige Stunden alt, da wandte sich Donald Trump per Twitter an die Welt. Zunächst verurteilte er den Terror, sprach den Spaniern Mut zu und kündigte Hilfe an. Doch 45 Minuten später meldete er sich erneut zu Wort und brachte die aktuellen Ereignisse mit einer Legende aus der Kolonialzeit in Verbindung.

Christoph Tanneberger, ARD-aktuell, erläutert Fake News im Netz am Beispiel Barcelona
tagesschau24 16:00 Uhr, 18.08.2017

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"Lest nach, was US-General Pershing mit Terroristen gemacht hat, nachdem er sie gefangen hat. Danach gab es 35 Jahre keinen radikal-islamistischen Terror mehr!"

Trump erntete umgehend Empörung für sein Statement. Der Präsident, so kritisierten zahlreiche US-Medien, glorifiziere die Hinrichtung Gefangener, während die Welt noch um die Toten trauere.

Was geschah auf den Philippinen?

US-General John J. Pershing am 11.11.1942 | Bildquelle: AP

US-General John J. Pershing am 11.11.1942

Die Geschichte, auf die Trump zum wiederholten Mal Bezug nimmt, soll sich der Legende nach 1911 zur Zeit des Aufstandes der muslimischen Moros gegen die US-Kolonialregierung auf den Philippinen ereignet haben. US-Befehlshaber John J. Pershing habe damals, so eine Version der Geschichte, 50 Moro-Rebellen gefangengenommen und bis auf einen exekutiert.

Dabei seien in Schweineblut getauchte Patronen verwendet worden, um den muslimischen Hinrichtungsopfern dadurch den Zugang zum Paradies zu verwehren. Dem einzigen Überlebenden sei hinterher befohlen worden, die Nachricht zu verbreiten. In einer anderen Version seien die Toten bei ihrer Bestattung mit den Innereien von Schweinen bedeckt worden.

Legende gilt als widerlegt

Wie die New York Times berichtet, tauchte dieser Mythos zum ersten Mal in der Zeit um den 11. September 2001 in Internet-Foren und Kettenbriefen auf. Trump griff sie auf einer Wahlveranstaltung im Februar 2016 in einer Rede auf und zeigte sich überzeugt, dass ein solches Vorgehen auch heute islamistische Terroristen abschrecken würde.

Die US-amerikanische Faktenchecker-Website "PolitiFact" nahm sich daraufhin der Legende an und interviewte mehrere Historiker zum Wahrheitsgehalt. Das Ergebnis: Die Geschichtswissenschaft kennt keine belastbaren Belege für die Behauptungen.

"Die Geschichte ist eine Erfindung und gilt seit langem als nicht glaubhaft", zitiert PolitiFact den texanischen Historiker Brian McAllister Linn. "Ich bin verwundert, dass sie immer noch die Runde macht." Zwar gebe es vereinzelte Berichte von auf den Philippinen stationierten US-Soldaten, die von solchen Misshandlungen erzählen.

Doch die, so der Geschichtswissenschaftler David J. Silbey von der Cornell University, seien Jahrzehnte nach den Ereignissen verfasst worden und wichen stark von Trumps Version ab. Historische Analysen hätten außerdem gezeigt, dass Pershing im Konflikt mit den Moros deutlich stärker auf Frieden gesetzt habe als seine Vorgänger.

Auch Trumps Schlussfolgerung nicht haltbar

Selbst wenn die Geschichte wahr sei, merkt Michael H. Hunt von der University of North Carolina an, sei Trumps Behauptung, es habe seitdem auf den Philippinen lange keinen islamistischen Terror mehr gegeben, falsch. Die Region leide vielmehr bis in die Gegenwart unter dauerhafter Unruhe.

Kritik aus den eigenen Reihen wird lauter

Donald Trump ist in den letzten Tagen verstärkt Kritik insbesondere aus den eigenen Reihen ausgesetzt. Bereits gestern hatte der einflussreiche republikanische Senator Bob Corker Trump einen Mangel an Charaktereigenschaften vorgeworfen, die für das Präsidentenamt nötig sind. Wörtlich sagte Corker, der dem Auswärtigen Ausschuss im Senat vorsitzt: "Der Präsident war bisher nicht fähig, die Stabilität oder etwas von der Kompetenz an den Tag zu legen, die er braucht, um erfolgreich zu sein." Trump habe zuletzt nicht zu erkennen gegeben, dass er verstanden habe, was Amerika gestern und heute groß gemacht habe.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. August 2017 um 10:00 Uhr.

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