Schriftzug der Washington Post | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Versuch der Diskreditierung "Washington Post" entlarvt Fake-News-Aktion

Stand: 28.11.2017 17:41 Uhr

Die "Washington Post" hat offenbar einen Versuch abgewehrt, der darauf abzielte, dem Ruf der Zeitung zu schaden. Eine Frau hatte sich als Missbrauchsopfer an das Blatt gewandt. Doch ihre Geschichte war falsch. Hinter der Aktion vermutet die Redaktion rechte Aktivisten.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Martin Ganslmeier, NDR

Die Geschichte begann vor drei Wochen, nachdem die "Washington Post" gerade die Berichte mehrerer Frauen veröffentlicht hatte, die als Minderjährige sexuell belästigt wurden: vom damals über 30-jährigen Roy Moore, der heute als erzkonservativer Kandidat aus Alabama in den Senat gewählt werden will. Eine Frau namens Jaime Phillips meldete sich bei der "Washington Post" und behauptete, Roy Moore habe sie als 15-Jährige geschwängert und zu einer Abtreibung gezwungen.

Reporterin wird stutzig

Senatskandidat Roy Moore ist seit Wochen unter Druck.

Für solch brisante Behauptungen schreibt die "Washington Post" einen rigorosen Faktencheck vor. Schnell stießen die Reporter auf Ungereimtheiten wie einen Eintrag der Frau im Internet: "Ich habe einen neuen Job begonnen", postete Jaime Phillips im Mai, "und arbeite nun für eine konservative Medienbewegung, um die Lügen und Täuschungsmanöver der liberalen Mainstream-Medien zu bekämpfen."

Eine Reporterin der "Washington Post" konfrontierte die Frau mit diesem Eintrag und wies sie daraufhin, dass ihre Antwort aufgenommen werde. Die Aufnahme ist auf der Internet-Seite der "Washington Post" zu sehen: Ob Sie immer noch daran interessiert sei, für die konservative Medienbewegung zu arbeiten, will die Reporterin wissen. Die Antwort der offensichtlich ertappten Frau: "Nein, nein, nicht wirklich." Wenig später brach die Frau das Gespräch ab.

Im Fokus: "Project Veritas"

Am Montag beobachtete ein Reporter jedoch, dass die Frau das Büro von "Project Veritas" in New York betrat. "Project Veritas" ("Projekt Wahrheit") ist eine spendenfinanzierte Organisation, deren Ziel es ist, die Berichterstattung der Mainstream-Medien als falsch und zu linkslastig zu entlarven. 2016 erhielt die Organisation Spenden in Höhe von 4,5 Millionen Dollar, darunter nach Angaben von US-Medien auch 10.000 Dollar der Trump-Stiftung. Die knapp 40 Beschäftigten arbeiten unter anderem mit Tarn-Identitäten und verdeckten Aufnahmen.

Der Gründer von "Project Veritas", James O'Keefe, und weitere Mitarbeiter sind deshalb bereits vorbestraft. Als O'Keefe von einem Reporter der "Washington Post" angesprochen wird, weicht er aus: "Arbeitet Jaime Phillips für 'Project Veritas? Habt Ihr Sie geschickt, um sich der 'Post' gegenüber als Opfer von Roy Moore auszugeben?" "Ich hab's eilig", antwortete O'Keefe, "aber ich werde mich melden". Was jedoch nicht geschah. Auch alle weiteren Anfragen der "Washington Post" ließ "Project Veritas" unbeantwortet.

Chefredakteur spricht von "Falle"

Chefredakteur Martin Baron warf den rechtsgerichteten Aktivisten vor, sie hätten die "Post" offenbar in eine Falle locken wollen, um die Zeitung zu täuschen. Was gedacht war, um Roy Moore zu helfen und die Vorwürfe anderer Frauen gegen ihn zu diskreditieren, sei jedoch nach hinten losgegangen, so die Einschätzung von Brian Stelter, dem Medienexperten des Senders CNN:

Was geplant war, um Vorurteile der Medien zu entlarven, war in Wirklichkeit eine Anti-Journalismus-Aktion. Sie wollen den Journalismus gar nicht verbessern, sie wollen ihn zerstören.

Bisher wurde nicht bekannt, ob Moore von der Aktion wusste. Ihm wird die gesamte Aktion allerdings kaum helfen, steht er doch ohnehin unter Druck, nachdem sich führende Republikaner von ihm distanziert haben. US-Präsident Donald Trump dagegen unterstützt Moore.

Washington Post wehrt Fake-News-Aktion rechter Aktivisten ab
Martin Ganslmeier, ARD Washington
28.11.2017 16:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. November 2017 um 08:00 Uhr.

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