James O`Keefe referiert an einer Uni in Dallas über das "Project Veritas". (Archivbild November 2017) | Bildquelle: AP

US-Medienaktivisten Im Kampf für die eigene Wahrheit

Stand: 31.01.2018 15:04 Uhr

Der rechte Medienaktivist James O'Keefe ruft zum Kampf für die Wahrheit auf. Mit dem "Project Veritas" will er etablierte Journalisten vorführen - und setzt dabei auf fragwürdige Methoden.

Von Stefanie Dodt, NDR

Wenn US-Präsident Donald Trump auf die US-Medien losgeht, gibt es Brüder im Geiste, die auf diese Worte auch Taten folgen lassen. James O'Keefe ist einer von ihnen: 33 Jahre alt, letzter Jahresverdienst 317.000 US-Dollar. Unterstützung erhält O'Keefes "Project Veritas" aus prominenten Kreisen: Vor den Wahlen spendete die Donald-Trump-Stiftung 20.000 US-Dollar an das Projekt.

In Deutschland kam James O'Keefe zuletzt in die Schlagzeilen, als er eine Mitarbeiterin mit einer erfundenen Missbrauchsgeschichte zur "Washington Post" schickte. Der damalige US-Senatskandidat Roy Moore habe sie als Teenager geschwängert, sie hätte abtreiben müssen: Das erzählte die Frau gezielt Reportern der Zeitung. Doch die fielen nicht darauf rein und berichteten stattdessen über den Täuschungsversuch.

Vorbild Wallraff

"Wenn du verdeckt arbeitest, fliegst du manchmal auf", kommentiert James O'Keefe die Aktion im Interview mit dem Medienmagazin Zapp. Und weiter: "Die 'Washington Post' behauptete, mein Ziel sei gewesen, dass sie eine falsche Geschichte schreiben. Das ist falsch. Das war nur ein Mittel, um mit den Reportern Gespräche über Politik führen zu können."

Eine Tarnung als angebliches Vergewaltigungsopfer? Das seien notwendige Mittel, so der Tenor von O'Keefe, um die übermächtigen Medien zur Rechenschaft zu ziehen. Seine Methoden seien außerdem Kinderkram im Vergleich zu Menschen wie Günter Wallraff, meint O'Keefe bei einer Buchpräsentation in New York. "Der legendäre Reporter Wallraff war undercover bei Bild. Was Reporter wie er gemacht haben, war richtig Hardcore."

"Wir machen dich zur Netzberühmtheit"

"Project Veritas" arbeitet so: Mitarbeiter werden mit versteckter Kamera ausgerüstet. Sie bewegen sich in Bars, auf Netzwerktreffen und Abschiedsfeiern, auf denen auch Reporter der etablierten Medien auftauchen. Sie versuchen, ihr Vertrauen zu erschleichen und sie in ein Gespräch über Politik zu verwickeln. Diese Aufnahmen landen dann im Netz. "Wir machen dich, ohne dein Wollen und Wissen, zur Berühmtheit im Netz", droht O'Keefe in einem seiner Clips.

James O'Keefe referiert an einer Uni in Dallas über das "Project Veritas". (Archivbild von Ende November 2017)

Seine Fänge: Reporter von CNN oder der "New York Times", die die eigene Russland-Berichterstattung in Zweifel ziehen. Beschäftigte von Twitter, die damit angeben, dass sie jedes privat über den Twitter-Messenger verschickte Nacktfoto sehen können. Oder eine "Washington Post"-Reporterin, die sich über Trump auslässt. So zeigen es zumindest die Clips, die "Project Veritas" zusammenschneidet. Die "Zielpersonen" werden dabei mit Bild und vollem Namen gezeigt.

"Schäbig und schmutzig"

Günter Wallraff zeigte sich wenig begeistert über seine Vorbildfunktion in den USA: "Das ist ja nicht nur verwerflich, das ist schäbig und schmutzig. Das hat nichts mit Journalismus zu tun. Das ist Spitzelei der übelsten Art." Der Bezug auf ihn selbst sei ein Missbrauch seiner Arbeit. "Wenn es um gravierende Missstände geht, darf man auch verdeckt recherchieren. Aber der Privatbereich ist absolut tabu", so Wallraff gegenüber Zapp.

Der Journalist Günter Wallraff hält nichts von den Methoden von "Project Veritas".

Doch das Wort Privatbereich kennt "Project Veritas" offenbar nicht. Eines der frühen Werke von O'Keefe war der gescheiterte Versuch, eine CNN-Reporterin auf ein Boot zu locken, das er mit Sexspielzeugen und Pornoheften dekoriert hatte. Die Reporterin wollte ihn für eine Dokumentation über die junge konservative Bewegung interviewen. O'Keefes Rechtfertigung klingt so: "Manche der mächtigsten Menschen der Welt greifen meine Arbeit auf und Sie fragen mich nach einem Boot, auf dem ich ihr Erdbeeren und Champagner geben wollte? John Oliver und John Stewart haben schon viel bescheuertere Sachen gemacht."

Videos in Trumps Wahlkampf

Tatsächlich griff Trump schon im Wahlkampf Videos von "Project Veritas" auf, die zeigen sollten, wie das Wahlkampfteam von Hillary Clinton Möglichkeiten besprach, bei Auftritten von Trump für Tumulte zu sorgen. Und in seinem neuen Buch schreibt O'Keefe, wie Trump ihn mal gebeten habe, zu Obamas Unikarriere an der Columbia University zu recherchieren, geleitet von dem Gedanken, Obama habe fälschlicherweise Kenia als Geburtsland angegeben.

Dass James O'Keefe und seine Organisation eine bestimmte Ideologie und ein bestimmtes Klientel vertreten, wird auch auf seiner Buchpräsentation in einem New Yorker Luxushotel deutlich, zu dem Zapp als einziges Fernsehteam Zutritt bekam.

Milo Yiannopoulos

"Project Veritas"-Fans sind unter anderem: Milo Yiannopoulos, der selbst für die rechte Nachrichtenplattform Breitbart nicht mehr haltbar war, nachdem er sexuellen Missbrauch an Kindern verharmlosend kommentiert hatte. Monica Crowley, die eigentlich von Trump für sein nationales Sicherheitsteam erkoren war, aber schon vor Job-Antritt über einen Plagiats-Skandal gestolpert war. Dazu kommen Autoren rechtsextremer Internetseiten und ehemalige Undercover-Mitarbeiter.

Keil in der Gesellschaft

Für Medienwissenschaftler wie Nikki Usher von der George-Washington University ist "Project Veritas" ein weiterer Keil in der amerikanischen Gesellschaft. "Wir befinden uns gerade an einem entscheidenden Punkt. Amerika ist polarisierter als je zuvor." Ursache wie Symptom von O'Keefes Aktionen sei, dass jeder an seine eigene Wahrheit glaube, weil es keine Grundwahrheiten mehr gebe, auf die sich alle einigen können, erklärt Usher. "Und O'Keefe untergräbt die Glaubwürdigkeit derer, die noch mit Fakten arbeiten."

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