Youtube-Logo | Bildquelle: dpa

US-Unternehmen YouTube markiert Propagandasender

Stand: 14.02.2018 11:13 Uhr

Die Internet-Plattform YouTube hat in den USA damit begonnen, Nachrichten zu markieren, hinter denen Regierungen als Geldgeber stehen. Kommt die Kennzeichnung bald auch in Europa?

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Die Tech-Unternehmen im Silicon Valley stehen unter Druck: Die Politik in Washington will ihnen jetzt offenbar genauer auf die Finger schauen. Einer russischen Trollfabrik war es während des US-Wahlkampfs 2016 gelungen, auf Facebook gefakte Nachrichten zu verbreiten. Und zwar tausendfach. Bei Facebook schlug niemand Alarm, das soziale Netzwerk ließ die Nachrichtenfälscher aus Sankt Petersburg, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im Auftrag des Kreml handelten, unkontrolliert gewähren. Ihr Ziel: Die Wähler in den USA gegeneinander aufzustacheln.

Es sollte Hass geschürt werden. Hillary Clinton wurde übrigens negativ dargestellt, während Donald Trump von den russischen Fake-News-Machern gelobt wurde. Nach jüngsten Berechnungen konnten so rund 150 Millionen Menschen erreicht werden.

Reformen angekündigt

Diese Achtlosigkeit im Umgang mit gefälschten Nachrichten und Hassreden scheint sich nun für die Tech-Unternehmen des Silicon Valley zu rächen. Nicht nur bei Facebook hat man Reformen angekündigt. Auch bei Twitter und der Google Tochter YouTube, der größten freien Videoplattform der Welt, will man jetzt Inhalte besser prüfen.

Den Tech-Unternehmen ist es offenbar wichtig, den Politikern in Washington möglichst zuvorzukommen, damit diese nicht selbst Gesetze gegen die Unternehmen veranlassen. Anders als in Deutschland gibt es in den USA zum Beispiel kein Gesetz gegen Hate Speech. Doch genau das fürchten Facebook, Google, Twitter und Co.

Quellen werden gekennzeichnet

Eine Maßnahme bei YouTube ist nun zum Beispiel die Kennzeichnung von propagandistischen Inhalten. Unter jedem Video des von der russischen Regierung gesteuerten Propagandasenders RT steht seit wenigen Tagen der Hinweis: "RT wird in Teilen oder zur Gänze von der russischen Regierung finanziert." Verlinkt ist dieser Hinweis auf die englischsprachige Wikipedia-Seite von RT.

YouTube weist darauf hin, dass RT ganz oder teilweise von der russischen Regierung finanziert wird.

Bei der britischen BBC oder bei ARD und ZDF findet sich übrigens ebenfalls ein Hinweis. Dieser lautet allerdings: Die ARD ist ein öffentlich finanzierter deutscher Sender - und eben kein "Staatsfunk".

Bei der ARD heißt es, der Sender sei öffentlich finanziert.

Labels bald auch in Europa?

Bislang gibt es diese Einblendungen nur für Nutzer in den USA. Ob und wann sie auch in Europa zu sehen sein sollen, steht anscheinend noch nicht fest. Der Webvideo-Experte Bertram Gugel geht aber davon aus, dass "YouTube die Labels auf andere Länder ausrollt, wenn sie feststellen, dass sie damit ihre Ziele in den USA erreichen". Er betont, YouTube habe ein klares Regelweg, demzufolge staatlichen Abhängigkeiten indiziert werden müssten.

Solche Labels könnten den Nutzerinnen und Nutzern sicherlich helfen, die Quelle beziehungsweise den Absender des Videos einzuschätzen, meint Experte Gugel. Mehr Transparenz, Kontext und Offenheit könne zudem auch anderen Plattformen helfen, so Gugel, wobei es wichtig sei, eine Balance zu finden: "Wenn Labels zu Beipackzetteln werden, ist niemandem geholfen."

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